Transmann

Ich bin Transgender, was bedeutet das?

Für mich bedeutet es »Ich bin ein Mann«, obwohl meine Chromosomen mich als Weibchen ausweisen. Meine Kindheit war nicht einfach. Ich fühlte mich als Junge, war jedoch ein Mädchen. Ich hab es gehasst.
Resultat war, dass ich bis zur Pubertät mit Jungenkleidung rumlief, ich hatte kurze Haare und machte typische Jungensachen, wie im Dreck buddeln, auf Bäume klettern, Unsinn machen. Ich bevorzugte das ferngesteuerte Auto & den Lernlaptop von V-Tech (der heute, knapp 20 Jahre später noch immer funktioniert).

Damit war ich völlig anders als meine jüngeren Schwestern. Sie freuten sich natürlich in gewisser Weise, denn jeder Versuch meiner Eltern, aus mir ein Mädchen zu machen, endete damit, dass sie bekamen, was eigentlich für mich bestimmt war. Meine Kleider, meine Puppen und all das, womit Mädchen gern spielten. Mich interessierte es nicht und es blieb in der Ecke liegen.

Ich hätte gerne so weitergelebt. Leider setzte sich irgendwann meine Pubertät durch, ich bekam meine Blutungen und die Brust begann zu wachsen. Mein persönlicher Terror begann, denn jetzt hatte ich all das, was ich nie haben wollte. Meine Eltern haben leider nie begriffen, wie schlecht es mir dabei ging. Sie erkannten mich einfach nicht als Junge und drängten mich in die weibliche Rolle, die ich zuvor erfolgreich vermeiden konnten.

»Du wurdest nun mal als Mädchen geboren, lerne damit zu leben!«

Dass es andere Möglichkeiten gab, wurde völlig ignoriert. Vielleicht wussten sie es auch selbst nicht besser, das weiß ich nicht. Ich fühlte mich als Junge und wollte es auch körperlich sein, doch sie ignorierten einfach das offensichtliche. Für sie war es nicht normal. Ich wurde als Mädchen geboren und hatte daher auch so zu sein.

Irgendwann habe ich kapituliert. Das war zu der Zeit, in der ich meinen ersten festen Freund hatte. Ich mochte ihn sehr und sah darüber hinweg, dass ich selbst nicht der Mensch war, als den ich mich sah.
Eine Zeit lang war ich glücklich, sowohl mit ihm wie auch später mit meinem nächsten festen Freund, den ich einige Jahr darauf auch heiratete. Wir haben sogar 2 Kinder bekommen.

Über all die Zeit fehlte mir jedoch etwas. Ich hab es immer bemerkt, habe jedoch lange  nicht begriffen, was es ist. Meine Kindheit war nie besonders schön. Ich war immer das Mädchen, das sich für einen Jungen hielt und dafür wurde ich immer sehr gemobbt. Dennoch war ich irgendwie glücklich, weil ich sein konnte, wie ich bin.
In der Rolle der Ehefrau und Mutter hatte ich eine Position, in der ich mich überhaupt nicht wohlfühlte. Bevor ich Mutter wurde, hatte ich zumindest noch ein paar Glücksgefühle, weil ich einen Mann hatte, den ich wirklich gern hatte, doch mit dem ersten Kind änderte sich das und mit dem 2. Kind wurde es nicht besser, sondern noch schlimmer.

Ich liebe meine Kinder, so ist es nicht. Sie sind das einzig Gute, was meine weibliche Seite hervorgebracht hat, dennoch kann ich diesen Job einfach nicht mehr ausführen. Ich habe sie zwar geboren, aber ich bin keine Mutter, das habe ich nach langer Zeit endlich verstanden. Ich bin ein Mann, ein Vater.
Und es wird Zeit, dass auch mein Umfeld es endlich anerkennt.

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