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Another Vampire Story #6

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Ein Grund zu Leben #8

Warum hasst ihr mich nicht?

Auch am folgenden Tag geisterte mir dieser Name noch durch die Gedanken. Viel konnte man mit dem Mann verbinden, der sich Orochimaru nannte. Einst war er ein Ninja unseres Dorfes. Er war ein geachteter und starker Shinobi, bildete ein Team Tsunade und Jiraiya. Sie waren die legendären drei Ninja, die Sannin. Alle samt Schüler unseres dritten Hokage.

Doch irgendwann veränderte sich Orochimaru. Er wurde machtgierig und widmete sich fragwürdigen Experimenten. All seine Zeit steckte er in seine Forschungen. Als der Hokage dies herausfand, wurde Orochimaru aus dem Dorf verbannt. Seitdem galt er als Feind Konohas. Der verbannte Sannin, dessen Ruf fast so schlimm war, wie es einst der von Madara Uchiha war. Er soll sein eigenes kleines Imperium gegründet haben, welches Gerüchten nach seinen Sitz im Reisreich hatte. Eine Bestätigung dafür bekamen man jedoch nicht, da sämtliche darauf angesetzte Ninja bei ihren Nachforschungen verschwanden.

Mit dem Schlangenninja hatte sich Konoha einen sehr mächtigen Mann zum Feind gemacht. Wenn seine Anhänger in der Gegend um Konoha unterwegs waren, so konnte das nur heißen, dass sie die Lage des Dorfes ausspionierten und weit schlimmeres würde bald folgen.
Körperlich hatte Naruto sich mittlerweile wieder erholt, doch um seinen Verstand machten wir uns trotzdem sorgen. Nur wenige hatten bisher die Gifte von Orochimaru überlebt und nur in den seltensten Fällen blieb dies ohne weitere Nebenwirkungen. Die Fieberträume war ein eindeutiger Beweis dafür, dass seine Toxine auch auf die Psyche eine starke Wirkung hatten.

Das erste Erwachen am Vortag war jedoch offenbar aus einem anderen Grund mit Schrecken für den Jungen begleitet worden. Laut Jiraiya hatte Naruto schlichtweg Angst bekommen, weil er sich in einem Zimmer befand und in einem Bett lag. So gut der Kleine es auch verstecken kann, er hat Angst vor dem Dorf. Menschenmassen und das Innere von Gebäuden haben sogar noch eine weit erdrückende Wirkung auf ihn, wodurch seine Angst noch weiter ansteigt. Seine letzten Erinnerungen nach befand er sich im Wald und nun plötzlich woanders zu sein, woanders aufzuwachen, dass hat ihn verschreckt. Darauf war er nicht vorbereitet.

Auch an diesem Tag saßen wir alle wieder beisammen. Seit der kurze Wachphase am Vortag hatte Naruto wieder geschlafen. Er war immer noch sehr geschwächt, was unter anderem an der Vergiftung lag. Selbst mit der Heilkraft eines Bijuus steckte man die Toxine des verbannten Sannins wohl nicht so einfach weg. Erneut hielt Kurama an Bett des Jungen wache, während wir anderen uns im Wohnzimmer befanden.

Viele Dinge erfuhren wir an diesem Vormittag. Vom ersten halbem Jahr aus Narutos Leben, wo offenbar beide Sannin für den Jungen verantwortlich waren, bis hin zu der Zeit, wo Naruto im Alter von 5 Jahren in den Wald ausgewandert war, weil er das Leben im Dorf nicht mehr ertrug. Seine Art zu Leben, seine schlechten Erfahrungen mit dem Dorf, seine Ängste. Es war viel zu viel auf einmal, um alles richtig begreifen zu können.

Die damaligen Beobachtungen von Jiraiya und Tsunade waren ähnlich erschreckend, wie jene, die ich selbst im Laufe der letzten Wochen als Narutos Sensei machen musste. Damals schon zeigte sich, wie sehr er die Menschheit ablehnte, weil er über keinerlei positive Erfahrungen mit den Dorfbewohnern verfügte. Sie hatten es schwer einen neuen Zugang zu ihm zu finden, da er aus Furcht vor erneuter Prügel selbst ihre freundlichen und gutmütigen Kontaktversuche ablehnte.

Niemanden hatte es interessiert, als der Junge dann plötzlich verschwunden war. Bis auf Jiraiya, Tsunade und dem Sandaime Hokage hatte es nicht einmal jemand bemerkt, dass er fehlte. Alle gingen sie noch immer davon aus, dass Naruto in der kleinen heruntergekommenen Müllhalde von Wohnung lebte. Auch die Sannin hatten damals einige Tage suchen müssen, ehe sie Naruto gefunden hatten. Offenbar war der Kontakt zu Kurama schon sehr stark und der Fuchs beschützte das Kind, an welches er gebunden war.

Der Kyuubi, das einzige Wesen, dem mein Bruder wirklich vertraute. Es war schon seltsam, dass ausgerechnet das allseits verschrieene Monster einen besseren Zugang zu ihm haben sollte, als die Menschen ihn hatten. Doch warum auch nicht? Der Fuchs gab sich nicht einmal halb so monströs, wie er beschrieben wurde. Er war freundlich, fürsorglich und hatte besonders Naruto gegenüber einen starken Beschützerinstinkt. Kein Wunder, dass sich der Junge bei ihm wohler fühlte, als unter den Dorfbewohnern.
Zur Mittagszeit erwachte Naruto erneut. Diesmal blieb er weitgehendst ruhig, auch wenn man ihm Misstrauen und Skepsis deutlichen ansehen konnte. Bis auf Kurama, der bei ihm auf dem Bett lag und Jiraiya, der auf der Bettkante saß, durfte sich ihm niemand nähern. Selbst Tsunade wurde nur kurz eine Untersuchung gestattet, ehe sie sich wieder zurückziehen musste. Der Junge vertraute auch ihr zu wenig, um sie über längere Zeit in seine Nähe zu dulden.

Ich war mir fast sicher, dass die Senju es innerlich sogar etwas genossen hatte, also Naruto so krank und hilflos war. Endlich konnte sie ihm mal etwas näher sein, als sie es gewohnt war. Zwar war sie sehr froh darüber, dass es ihm wieder besser ging, doch ich konnte auch ihren Schmerz erkennen, als sie zu uns anderen zurückkehrte und sich neben mir an die Wand lehnte. Tsunade kam nicht besonders gut damit klar, dass sie nicht bei ihm bleiben durfte.

Misstrauisch wanderten Narutos Blicke umher, während er ungewöhnlich langsam an seinem trockenen Toast knabberte. Jede Person im Raum war ihm bekannt und doch hatte er noch immer Angst. Durch Kuramas Nähe fühlte er sich aber auch sicher, weshalb er uns die Anwesenheit zumindest genehmigte.

Lange Zeit wurde kaum ein Wort gesprochen – und wenn doch, dann waren es überwiegend Jiraiya und Kurama, von denen einige Worte zu hören waren. Zu Anfang hatte Naruto nur wissen wollen, wo er war und wer ihn gefunden hatte. Nachdem sein Fuchs ihm dies beantwortet hatte, war es wieder ruhig. Der Junge beobachtete uns aus dem Augenwinkel heraus und traute sich nicht uns direkt anzusehen.

Für mich hatte es zudem den Anschein, als wäre er angestrengt am Nachdenken. Bei all seinen schlechten Erlebnissen kam er nicht so einfach damit, dass sich jemand freiwillig auf die Suche nach ihm gemacht hatte – und dann auch noch aus dem Grund, dass man sich Sorgen um ihn machte. Für ihn war es unverständlich, dass jemand so handelte, da ihn alle anderen in diesem Dorf sich immerhin eher freuen würden, wenn es ihn nicht mehr gäbe.

Trotzdem schienen noch immer gewisse Sehnsüchte in ihm vorhanden zu sein. Er wollte Freunde und Personen, denen er vertrauen kann. Er wollte beachtet und respektiert werden, hatte aber nicht genug Selbstvertrauen, um dafür zu kämpfen. Leider wusste Naruto zu gut, warum man ihn im Dorf ablehnte. Den Kampf um Respekt hatte er daher aufgegeben und sich abseits ein halbwegs ruhiges Leben aufgebaut. An einem Ort, wo man er nicht von den Menschen enttäuscht.

Das plötzliche positive Interesse einiger weniger Personen hatte ihn damals schon verschreckt, als er Jiraiya und Tsunade kennenlernte. Als Resultat daraus war er in den Wald ausgewandert. Laut Jiraiya war es gut möglich, dass er sich erneut aus purem Selbstschutz zurückzieht und sich noch weiter verschließt, als er es sowieso schon tat.

Allerdings war er jetzt auch etwas älter und stärker, wodurch er mit den richtigen Personen in seinem Umfeld, sich vielleicht auch etwas öffnen würde. Seine Bindung zu Kurama war stärker den je und auch körperlich wusste er sich zu wehren, wenn es notwendig sein sollte. Möglich also, dass er es vielleicht riskiert. Vorausgesetzt wir liefern ihm gute Gründe dafür, warum wir ausgerechnet mit ihm befreundet sein wollen. Für Naruto muss es schon nachvollziehbar sein, sonst würde er sich nie dazu bereit erklären.
Mehr als eine Stunde saßen oder standen wir in meinem Gästezimmer, warteten auf eine Reaktion oder ein Wort von Naruto. Wir wollten mit ihm reden, doch Jiraiya hatte uns gebeten, dass wir ihn nicht überfallen. Er muss von selbst den Anfang machen. Schließlich war es dann soweit. Der Junge forderte uns auf, etwas zu sagen.

„Warum hasst ihr mich nicht?“, wollte mein Bruder wissen. Er klang traurig und auch etwas ängstlich, als er diese Frage stellte. Es war offensichtlich, dass er dem Braten nicht traute. Noch konnte er nicht glauben, dass es wirklich Menschen geben sollte, die keine Abneigung gegen ihn hatten. Zu oft war er in frühster Kindheit enttäuscht worden. Selbst Jiraiya wurde trotz der vergleichsweise guten Bindung zu Naruto immer wieder zurückgedrängt, wenn es dem Jungen zu viel wurde.

„Wir haben dich nie gehasst, Naruto. Du weißt das, denn ich habe es dir schon oft gesagt. Tsunade und ich haben dich all die Jahre immer beschützt und nie verraten, wo du bist.“, antwortete der Sannin zuerst auf die Frage hin. Da er und Tsunade über die engere Bindung zu Naruto verfügten, wollte er wohl zunächst seine persönlichen Gründe abklären. Wer weiß? Vielleicht war es dadurch im Nachhinein sogar einfacher für mich, eine Bindung aufzubauen, wenn mein Bruder zwei Personen an seiner Seite hatte, die diesen Kontakt unterstützten.

Wirklich verstehen konnte Naruto es dennoch nicht, warum sie ihn nicht ablehnten. „Aber warum? Jeder in diesem scheiß Dorf hasst mich, warum tut ihr es nicht? Warum halten euch nicht einmal meine ständigen Abweisungen von mir fern? Was ist der Grund dafür, dass ihr immer wieder versucht mir näher zu kommen?“ Seine Fragen klang schon fast verzweifelt und er war den Tränen nahe, während er sie stellte.

„Du bist unser Patensohn.“ Dieses Detail war bislang auch mir neu. Bisher hatte keiner von beiden erwähnt, dass sie seine Paten waren und es nun von Jiraiya zu hören kam daher nicht nur für Naruto überraschend. „Deine Eltern haben Tsunade und mich schon vor deiner Geburt darum gebeten, dass wir deine Paten werden und wir haben diese Aufgabe gern angenommen. Wir könnten dich nie hassen, denn für uns bist du kein Monster.“

Mich persönlich hätte jetzt in erster Linie interessiert, warum sie nicht da waren, als er noch klein war. Ich wusste zwar schon, dass sie sich ein halbes Jahr lang um Naruto gekümmert hatten, doch den Grund, warum sie es danach nicht mehr taten und den Jungen allein ließen, hatte ich bisher nicht erfahren. Mein Bruder schien jedoch zunächst in eine andere Richtung zu denken.

„Und wenn ihr nicht meine Paten wärt und auch meine Eltern nicht kennen würdet? Wäre es dann auch so?“, wollte er wissen und sah dabei abwechselnd Tsunade und Jiraiya an.

Im Moment war es ihm offenbar egal, von welche der beiden Personen er seine Antwort bekam, weshalb Tsunade die Chance nutzte und auch etwas zu diesem Gespräch beisteuerte. „Mein Großvater war der Shodai Hokage, einer der Gründer dieses Dorfes. Er hat mir nicht sehr viel beigebracht, da er starb als ich noch ein kleines Kind war. Aber eine wichtige Regel fürs Leben hat er mir immer wieder vorgehalten. »Egal was dir im Leben auch angetan wird, hasse niemals die verantwortliche Person, sondern ihre Tat.«

Die Senju machte eine kleine Sprechpause und trat einige Schritte auf Naruto zu, was Kurama diesmal auch zuließ, ohne sie gleich wieder zu verscheuchen. Bis vor das Bett trat sie und hockte sich zu dem Jungen. „Ich lebe schon sehr lange nach dieser Regel, weshalb ich dich niemals hassen könnte“, erzählte sie dann und legte eine Hand sanft auf seine Wange. Da sie seitlich zu uns hockte, konnte ich ihr Lächeln erkennen, was in diesem Moment auf ihren Lippen lag. Sie freute sich sichtlich, dass Naruto sie mal von sich aus an sich heran ließ. „und du hast auch nie etwas getan, was meinen Zorn auf dich ziehen würde.“, setzte Tsunade noch nach, was nun sogar bei Naruto für gelassenere Gesichtszüge sorgte.
Lang hielt die Gelassenheit jedoch nicht, denn nun kam auch Naruto der Gedanke, dass seine Paten ihn ja eigentlich auch hätten aufziehen müssen. Bewusst gesehen hatte er sie jedoch zum ersten Mal, als er schon fast 5 Jahre alt war und da war sein Vertrauen in die Menschen bereits zu sehr gestört gewesen. Warum also waren sie nicht für ihn da?

Dies war letztlich recht schnell erklärt. Damals als er ein halbes Jahr alt war, gab es einige Probleme mit den anderen Dörfern, welche in den Verlust des 4. Hokage eine enorme Schwächung von Konoha sahen. Viele von ihnen wollten dies ausnutzen und es stand bereits der nächste Ninjakrieg vor der Tür, obwohl man sich von dem Letzten noch nicht einmal erholt hatte.

Da es Naruto sehr gut ging und es im Dorf damals auch noch keine Probleme gab, die andeuten würden, dass die Bewohner später sich derart unmenschlich ihn gegenüber verhalten würden, beschloss der dritte Hokage, dass Jiraiya und Tsunade die Friedensverhandlungen führen sollten. Neben ihm selbst zählten sie zu den stärksten Ninja des Dorfes und sie hatten auch in den anderen Reichen einen guten Ruf und einige Freunde, mit deren Hilfe man einen Krieg vielleicht abwenden könnte. Er versprach, dass er sich solang darum kümmert, dass es Naruto gut ging. Sie stimmten damals zu, weil sie ihrem Sensei vertrauten und wussten, dass es ihrem kleinen Patenkind gut gehen würde.

Was genau passiert war, konnten beide Sannin nicht sagen, denn sie hatten es nie erfahren. Als sie nach 4 anstrengenden Jahren zurück nach Konoha kamen, war das Dorf völlig verändert. Alle hatten sie Angst vor dem Jinchuuriki, alle waren sie erfüllt von Hass. Sie erkannten Konoha nicht wieder. Am Meisten verletzte sie jedoch die Tatsache, dass ihr Sensei offenbar sein Versprechen gebrochen hatte, denn Naruto ging es alles andere als gut.

Zwar wollten sie Naruto damals schon alles sagen, doch entschieden sie sich dagegen. Sein Vertrauen in die Menschen war bereits zu sehr erschüttert. Er ließ sie nicht einmal nah genug an sich heran, als dass man überhaupt halbwegs mit ihm reden konnte. Letztlich beschlossen sie, dass sie warten. Zuerst musste er wieder etwas vertrauen zu ihnen aufbauen, damit sie ihn mit dieser Neuigkeit nicht zu sehr schockieren.

Nachdem Naruto dann im Wald verschwunden war, erzählten sie nicht einmal ihrem Sensei davon, dass sie noch Kontakt zu ihm hatten. Er hatte ihr vertrauen missbraucht und noch einmal wollten sie die Sicherheit ihres Patenkindes nicht gefährden. Zwar gab es auch dort Gefahren, doch sie wussten, dass Kurama auf ihn aufpassen würde und Jiraiya schaffte es letztlich ja, dass Naruto ihn zumindest bedingt duldet, so dass er ihm einige Dinge beibringen konnte, die im Wald nützlich sein könnten.
Wir anderen hörten uns diese Erzählung an, ohne die Sannin einmal zu unterbrechen. Auch Naruto oder Kurama wagten keine Unterbrechung und hörten sich alles genaustens an. Von dem Fuchs hatte ich erfahren, dass die Beiden auch über die Gedanken miteinander kommunizieren konnten, weshalb ich auch nicht einmal erahnen konnte, wie viel sie wohl unbemerkt von allen anderen über alle diese neuen Informationen redeten.

Nachdem die Sannin ihren Bericht beendet hatten, schien Naruto recht nachdenklich. Offenbar versucht er zu verdauen, was er gehört hatte. Wie letztlich seine Reaktion darauf aussehen würde, wussten wir noch nicht. Zunächst reagierte er jedoch erst mal gar nicht darauf und wandte sich anderen Dingen zu. Von seinen Paten wusste er jetzt alles wissenswertes, was ihn im Moment interessierte. Überraschender Weise durfte Tsunade nun sogar neben Jiraiya auf dem Bett platz nehmen, statt sich wieder zu uns an die Tür stellen zu müssen.

Eine Zeit lang wurden wir von mein Bruder betrachtete. Er schien sich unschlüssig darüber zu sein, mit wem von uns er beginnen sollte, oder wonach er fragen sollte. Recht lang lag sein Blick dabei auf Sakura und Sasuke, welche neben mir an der Wand saßen. Zu Gleichaltrigen hatte Naruto noch nie richtigen Kontakt gehabt. Früher hatte man die Kinder von ihm ferngehalten und später in der Schule hatte er sie ignoriert und keinen Kontakt zugelassen. Er wusste daher nicht mit ihnen umzugehen.

Ich selbst lehnte mal wieder am Türrahmen und beobachtete, bis Naruto seine Aufmerksamkeit dann auf mich lenkte. Ein minutenlanges Blickduell folgte, welches keiner von uns verlieren wollte. Wie auch immer Jiraiya und Tsunade sich mit ihren Blicken verständigten, bei meinem Bruder und mir schien das nicht zu klappen – oder uns fehlte einfach die Übung, wer weiß …

„Ihr habt mich gesucht, warum?“, fragte er schließlich noch während er mir in die Augen sah. Zuerst hatte ich die Frage gar nicht mitbekommen, zu sehr war ich von Narutos Blick gefesselt. Doch schließlich sickerten seine Worte doch noch in meinen Verstand.

„Du bist ein Teil unseres Teams und ein Team muss in jeder Situation zusammen halten. Egal wer von euch dreien verschwunden wäre, ich hätte jeden von euch gesucht. Bei dir Naruto war es halt nur etwas schwerer, da ich außer meinen Hunden, sowie Sakura und Sasuke keine weitere Hilfe hatte und du dich noch dazu verdammt gut verbergen kannst.“, erklärte ich ihm schließlich, ohne dabei den Augenkontakt zu unterbrechen. Was er von meiner Antwort hielt, konnte ich nicht sagen. Keinerlei Emotion war ihm anzusehen.

„Am Tag nach dem Sturm war Kakashi bei mir zu Haus und hat mit erzählt, dass du im Wald lebst und somit auch während des Sturms im Wald warst. Ich wollte ihm erst nicht glauben. Ich konnte und wollte mir nicht vorstellen, wie es ganz allein im Wald sein musste.“, begann kurz nach mir Sasuke zu erzählen.

Überrascht wand Naruto sich nun von mir ab und sah den Uchiha an, dessen Blick dem Fußboden zugewandt war. Sasukes Worte hatte recht traurig geklungen, worüber sich mein Bruder offenbar wunderte. Auch die folgenden Worte meines Zöglings wurden noch von einem traurigen Unterton begleitet. „Er hat mit an dem Tag viel über dich erzählt. Zumindest soviel, wie er auch selbst wusste. Von dem Hass der Dorfbewohner auf dich. Von der Art, wie sie dich behandeln und dass du sie deswegen nicht magst und den Wald vorziehst, wo du deine Ruhe hast und nicht ständig mit ihrem Hass konfrontiert wirst.“

Erst jetzt erhob Sasuke seinen Kopf und sah Naruto an, ehe er weitersprach. „Auch wenn wir beide uns beim Training immer wieder kloppen und mir deine abwertenden Bemerkungen sehr oft auf den Geist gehen, so sehe ich jedoch keinen Grund, warum ich dich hassen sollte. Du bist ein Teil unseres Teams und Sakura und mir trotz deiner abweisenden Art eher ein Freund, als unsere ehemaligen Klassenkameraden von der Akademie es jemals sein könnten. Einen Freund würde ich niemals im Stich lassen.“

„Ich auch nicht!“, bestätigte Sakura die letzte Aussage des Uchihas. Beiden war deutlich anzusehen, wie ernst sie ihre Worte meinten. Keiner von ihnen würde Naruto aufgeben.

Davon war nicht nur Naruto überrascht. Auch ich selbst musste diese Worte erst einmal verdauen, sowie Tsunade und Jiraiya, die wohl auch nicht damit gerechnet hatten, dass die Kinder Naruto wirklich bereits als einen Freund ansahen, für den sie alles tun würden.

„Und ihr hasst mich wirklich nicht?“, kam nach kurzer Zeit vom noch immer sichtlich erstaunten Naruto.

„Ich verstehe ja nicht einmal, warum dich die Bewohner überhaupt hassen. Ich sehe keinen Sinn darin jemanden für etwas zu hassen, von dem ich nicht einmal weiß, worum es sich überhaupt handelt.“ Routiniert strich Sakura nach diesen Worten eine Haarsträhne hinter das Ohr und sah darauf wieder zu Naruto. „Und selbst wenn ich es wüsste, so lasse ich mir noch lange nicht vorschreiben (vor allem von meiner Mutter nicht) mit wem ich befreundet sein darf und mit wem nicht.“

„Ich verstehe auch nicht, warum man dich so hasst.“, gab Sasuke kurz darauf zu und sah ebenfalls zu Naruto.

Eine Erklärung bekamen beide jedoch von Kurama. „Der Grund bin ich. Sie hassen Naruto, weil ich ein Teil von ihm bin und sie Angst vor mir haben.“

Verwirrt betrachteten beide darauf den Fuchs und verstanden nicht im Geringsten, warum man Angst vor ihm haben sollte. „Warum das denn? Du beschützt Naruto doch nur wenn nötig und bist ansonsten total lieb und kuschelig.“, kam es entrüstet von der jungen Kunoichi und darauf zog sie einen Schmollmund.

„Ähm …“ Darauf war sogar der Fuchs mal sprachlos. Dass die beiden Kinder trotz seiner Größe keine Angst vor ihm hatten, war ihm ja schon aufgefallen, aber dass speziell Sakura so von ihm dachte, schien Kurama eindeutig zu wundern. Bisher hatte ihn wohl noch nie jemand einfach so als lieb oder kuschelig bezeichnet. Amüsiert betrachtete daher den recht perplexen Ausdruck des Tieres, den ich wohl nicht noch einmal sehen würde.

Seufzend machte ich mich nun daran, den Kindern von dem Ereignis zu erzählen, was mit Narutos Geburt zusammen hing und was der Grund für die Angst vor Kurama und den Hass auf Naruto war. „Kurama ist auch bekannt als der große neunschwänzige Fuchsdämon, der Kyuubi. Damals, an dem Tag von Narutos Geburt, hat er Konoha angegriffen und wurde vom Yondaime Hokage in Naruto versiegelt. Der Yondaime starb dabei, ebenso wie seine Frau und einige andere.“

„Wer hat den diesen Quatsch in die Welt gesetzt?!“, kam darauf von dem Fuchs, der ganz offensichtlich nicht begeistert von meiner Version der Ereignisse war. Hatte es sich etwa anders abgespielt, als es im Nachhinein im Dorf erzählt wurde?

„Stimmt das etwa nicht?“, fragte die Senju an Kurama gewandt und bekam zunächst nur ein äußerst erbostes Knurren, ehe sich das Tier zu einem „Nein!“ durchringen konnte.

„Uns wurde es so erzählt, wie du es eben von Kakashi hören konntest.“ Auch Jiraiya schien darüber etwas verwirrt, aber er war auch nachdenklich. Wenn die bekannte Geschichte gar nicht der Wahrheit entsprach, dann hatte jemand gezielt falsche Informationen verbreitet, um den Jungen das Leben schwer zu machen – und allem Anschein nach, war damit bereits am Tage der Geburt begonnen worden, sonst wäre den Sannin ja noch die Originalversion bekannt gewesen.

Der Fuchs hatte noch immer einen recht bösen und aufgewühlten Blick aufgelegt, als er begann seine Version der Ereignisse zu schildern. „Ich habe Konoha nie angegriffen. Seit mehr als 2000 Jahren bin ich der Schutzgeist des Uzumaki-Clans und diene dem amtierenden Clanoberhaupt als Beschützer. Als der Shodai Hokage Mito Uzumaki heiratete, bin ich bereits in ihr gewesen und kam somit auch nach Konoha. Noch während sie starb ging ich auf Kushina Uzumaki über, meiner nächsten Begleiterin für einige Jahre. Bei Narutos Geburt tauchte ein Fremder auf. Er tötete die Wachen, die Hebamme und wollte auch Naruto töten, aber Minato ging damals dazwischen, um seinen Sohn zu schützen. Dadurch war er allerdings kurz abgelenkt und der Fremde tötete Kushina, weshalb dann bei Naruto landete und nun sein Beschützer bin. Ich bekämpfte den Mann damals zusammen mit Minato und wir schafften es, ihn zu vertreiben, doch Narutos Vater starb an seinen Verletzungen, noch bevor Hilfe eintraf. Ich habe weder Konoha angegriffen, noch Kushina, Minato oder sonst irgendjemanden aus dem Dorf getötet – und ich wurde auch NICHT in Naruto versiegelt!“

Ein Grund zu Leben #7

Das Geheimnis der Sannin

Überrascht starrte ich die junge Frau vor mir an. Dem äußeren Erscheinungsbild nach musste sie in meinem Alter sein, doch ich wusste es besser. Ein Jutsu verbarg ihr eigentliches Alter, welches bald die 50 erreicht haben müsste. Oder hatte sie die 50 sogar schon überschritten? Ich war mir nicht sicher – und ich würde sicher nicht den Fehler begehen und danach fragen.

„Hallo Kakashi. Überrascht mich zu sehen?“, grüßte sie mich mit einem wissenden Grinsen. Wie so oft schien sie meine Gedanken erraten zu haben. Dafür hatte sie früher schon ein beachtliches Talent gehabt.

„Hallo Tsunade.“, grüßte ich zurück und ließ sie eintreten. Hinter ihr folgten meine Genin, mit schweren Taschen beladen und keuchten um die Wette.

Mehr Glück konnte Naruto an diesem Tag wohl nicht mehr haben. Er war gefunden worden und bekam nun auch noch die mit Abstand beste Ärztin des Feuerreiches, die ihn freiwillig behandelte und alles gab, damit es ihm bald besser ging. Innerlich grinsend nahm ich Sakura die Taschen mit dem medizinischen Zubehör ab und brachte sie schnell in das Gästezimmer zu Tsunade, die bereits bei Naruto am Bett saß und sich meinen Bruder ansah.

Stunden vergingen, in denen Tsunade sich um Narutos Verletzungen kümmerte. Immer an ihrer Seite war Sakura, die bereits davon wusste, dass sie von Tsunade zur Medi-Nin ausgebildet werden sollte. Wie ein Schwamm sog die junge Kunoichi alles Wissen auf und die Senju ließ es sich auch nicht nehmen, ihrer Schülerin alles zu erklären, während sie zusammen Narutos Wunden behandelten.

Gegen Abend waren sie noch immer mit meinem Bruder beschäftigt. Mit Sasuke hatte ich die gesamte Zeit im Wohnzimmer gewartet, doch so langsam war ich des Wartens müde. Wir beschlossen daher, dass wir zusammen etwas kochten, da sicher auch die beiden Kunoichis mittlerweile ein übergroßes Loch im Magen haben mussten. In der Küche beschäftigte ich mich jedoch zunächst mit etwas anderem und holte mir die acht Fressnäpfe aus dem Schrank, die ich mit einem ganz speziellen Hundefutter füllte.

Meine Nin-Ken benötigten normalerweise keine Fütterung von mir, da sie in ihrer Heimat genug zu essen bekamen, doch irgendwann hatte ich mal durch Zufall herausgefunden, dass dieses Spezial Futter den gleichen Stellenwert bei ihnen hatte, wie Schokolade bei uns Menschen, weshalb ich es seitdem als Belohnung nutze. Und so eine Belohnung hatten sich alle meine Hunde auch verdient. Sie hatten wirklich alles gegeben und waren die letzten Tage schon fast dauerhaft erschöpft, während wir nach Naruto suchten.

Kaum hatte ich sie beschworen, stürmten sie auch sofort auf ihre Näpfe zu und holten sich ihre Belohnung. Kurz betrachtete ich sie dabei, dann half ich Sasuke, der bereits mit den Vorbereitungen begonnen hatte.

Später beim Essen erfuhren wir von Tsunade, dass sie schon länger Kontakt zu Naruto hatte, wenn auch nur minimal. Offenbar lebte der Junge bereits seit er 5 Jahre alt war im Wald. Damals schon mied er möglichst jedes menschliche Wesen, weshalb es sehr schwer war, an ihn heranzukommen. Sie selbst hatte bei ihm keine guten Chancen gehabt, doch Jiraiya schien vergleichsweise gut mit Naruto klar zu kommen, hätte in der ersten Zeit auf ihn aufgepasst und ihm wohl auch viel beigebracht.

Diese Informationen waren für mich sehr überraschend. So vereinsamt wie der Junge lebte, da hätte ich nicht gedacht, dass er Kontakt zu den beiden Sannin hatte. Und warum unternahmen sie nichts gegen diese Art zu leben? So ganz wollte das nicht in meinen Kopf. Zunächst wollte Tsunade jedoch nicht mehr dazu sagen. Wir sollten warten, bis Jiraiya da war, dem sie offenbar eine Nachricht gesandt hatte.
Die Tage vergingen und der Zustand meines Bruders besserte sich nur langsam. Zwar hatte Tsunade die Entzündungen behandeln und eine Blutvergiftung verhindern können, doch das Fieber war nur gering gesunken. Die Fieberträume quälten ihn auch weiterhin. Wovon sie handelten konnte nicht einmal Kurama sagen.

Mehrmals wurden sie derart schlimm, dass wir sogar versuchten, ihn mit Gewalt aus dem Schlaf zu zerren, jedoch bekamen wir ihn nicht wach, weshalb uns nichts anderes übrig blieb als zu zusehen. Wimmernd lag er dann vor uns, Tränen liefen seine Wangen hinab und sein Atem ging gequält, als würde er nicht richtig Luft bekommen. Sein ganzer Körper bebte und bäumte sich immer wieder auf, während seine Hände sich verkrampft ins Bettlaken krallten. Es war einfach schrecklich ihn so zu sehen und nichts dagegen tun zu können.

Einige Male versuchte ich an weitere Details über Naruto zu kommen, doch Tsunade und auch Kurama weigerten sich beharrlich uns mehr zu erzählen. Wir sollten warten, bis Jiraiya eingetroffen war – und so schwer es mir auch fiel, mir blieb wohl nichts anderes übrig, als genau dies zu tun. Für mich war es unbegreiflich, dass jemand wie Jiraiya dazu fähig war, sich um ein Kind zu kümmern. Seine freundliche Art und der eher kindliche Charakter machten es ihm zwar einfacher zu einem Kind durchzudringen, doch war er als Vaterfigur schlichtweg ungeeignet. Für Erziehungsdinge hatte er keinerlei Verständnis und mit seiner perversen Art war er für jeden Minderjährigen in seiner Umgebung auf lange Sicht hin ein negatives Vorbild.

Was dies Thema betraf, so konnte ich deutlich sagen: Ich spreche aus Erfahrung!

Als Ninja und Lehrer war Jiraiya erstklassig. Er war es gewesen, der Minato zu einem herausragenden Ninja gemacht hatte. Der einst eher kränkliche Junge, der später zum berühmten Yellow Flash wurde und einige Jahre darauf zum Yondaime Hokage von Konoha. Leider waren an Minato auch einige Verhaltensweisen von Jiraiya haften geblieben. Diese wusste er zwar sehr gut zu verstecken, doch trotzdem hatte sich das perverse Denken in seinen Kopf gebrannt. Etwas, wofür er seinen Sensei manchmal sogar gehasst hatte.

Auch an mir war dies nicht unbedingt spurlos vorbei gezogen. Hier in Konoha bin ich wohl einer der treusten Käufer von Jiraiyas Büchern, die bei der Menge an perversen Gedanken schon keinen Raum mehr für andere Dinge ließen. Schuld an meiner Sucht nach diesen Büchern (wie sollte es auch anders sein) war natürlich Jiraiya, der mir damals das erste Buch geschenkt hatte, obwohl ich eigentlich noch viel zu jung dafür war. Für Kindererziehung war Jiraiya daher aus meiner Sicht eher ungeeignet.
Dauerhaft anwesend war während der gesamten Zeit Tsunade, die sich vorübergehend in meinem Schlafzimmer einquartiert hatte. Wirklich begeistert war ich davon zwar nicht, doch es war auch nicht sonderlich schlimm. Mein Sofa war sehr bequem und ich schlief auch nicht zum ersten Mal darauf. Die Nächte verliefen daher noch recht entspannt, wenn man von Narutos gelegentlichen Fieberträumen mal absah.

Am Schlimmsten waren eigentlich die frühen Morgenstunden. Dies lag jedoch nicht an dem Sofa, wie schon gesagt, mein Sofa war sehr bequem. Schlimmer war es, plötzlich eine Mitbewohnerin des anderen Geschlechts zu haben. Ich war es einfach nicht gewöhnt, dass sich in meiner Wohnung noch andere Personen befanden – mal abgesehen von Asuma, der gelegentlich zu mir flüchtete, wenn er sich mit seiner Freundin in der Wolle hatte. Wer sie war, wusste ich damals nicht und es hatte mich auch bis Dato auch nie interessiert.

Zurück zu Thema. Den ersten Morgen, nachdem Tsunade mein Schlafzimmer blockierte, betrat ich nichts ahnend die Küche um Kaffee zu kochen. Kaum hatte ich die Maschine fertig und den Schalter betätigt, dreht ich mich zur Tür und stand Tsunade gegenüber. Sie trug nichts weiter als ein viel zu kurzes Shirt, welches ihre überdimensionale Oberweite nur notdürftig bedeckte und einen guten Einblick in die tieferliegenden Körperregionen zuließ. Sie selbst war sich dessen offensichtlich nicht bewusst, da sie noch einen äußerst verschlafenden Eindruck machte und kaum dazu fähig war, die Augen offen zu halten.

Bei diesem Anblick wurde mir schmerzlich bewusst, wie extrem mich Jiraiyas Bücher mittlerweile doch geschädigt hatten. Meine Gedanken bei diesem wahrhaft göttlichem Anblick, waren alles andere als jugendfrei. Mir war sogar kurzzeitig entfallen, welche Frau ich da vor mir stehen hatte. Eine eindeutig einzuordnende Regung meinerseits, welche leider Gottes innerhalb meiner Hose stattfand, bracht macht dann doch recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich konnte spüren, wie mir die Schamröte ins Gesicht schoss, während ich mich krampfhaft auf Tsunades Augen fixierte, um bloß nicht nochmal mit meinem Blick abwärts zu wandern.

Bisher schien die Senju noch nicht viel von meiner Reaktion bemerkt zu haben. Sie stand noch immer schlaftrunken in der Tür, rieb sich den Schlaf aus den Augen und war gedanklich eindeutig noch im Traumland. Aber irgendwie hatte ich so eine Ahnung, dass dies nicht mehr lange so bleiben sollte …

Es war sehr gut zu beobachten, wie Tsunades Verstand mit jeder Sekunde etwas wacher wurde. Ihre Augen hatten mich mittlerweile auch wahrgenommen und schienen meinen Körper zu erkunden – wodurch ich nochmal etwas an mehr an rötlicher Verfärbung zunahm, denn auch ich hatte nicht sonderlich viel an! Bis auf eine hautenge Boxershorts, war da nichts an meinem Körper. Da ich leider auch selbst vergessen hatte, dass Besuch vom anderen Geschlecht anwesend war, hatte ich mir nichts übergezogen und … Oh, verdammt! In meinem Aufzug war meine Beule in der Hose mehr als deutlich zu erkennen.

Offenbar war dies auch Tsunade aufgefallen, was bei ihr sämtliche Gehirnzellen auf einmal erwachen ließ. Zunächst starrte sie verwundet auf die recht ausgeprägte Wölbung in meiner Shorts, anschließend in mein Gesicht. So halb bemerkte ich, wie ihre Hände sich bewegten. Doch was genau sie tat, konnte ich nicht sagen, da ich mich noch immer angestrengt darauf konzentrierte, Tsunade in die Augen zusehen und NICHT auf in die recht freizügigen tieferliegenden Regionen ihres Körpers. Es dauerte keine zwei Sekunden, da war auch Tsunade knallrot angelaufen und verschwand fluchtartig aus der Küche.

Ihre Abwesenheit nutze ich nun erst mal, um ordentlich durchzuatmen. Scheinbar hatte ich die gesamte Zeit über die Luft angehalten. Darauf begab ich mich zunächst zurück ins Wohnzimmer, um mir Jogginghose und Shirt über zuziehen.

Uns beiden war das Ereignis in der Küche so peinlich, dass wir es tot schwiegen. Es wurde ganz einfach nicht erwähnt – und doch hatte es seine Wirkungen hinterlassen. Tsunade schien die Tage darauf immer doppelt sicher zu gehen, dass sie auch auf jeden Fall etwas anhatte und ich schlief direkt in Jogginghose und Shirt. Zudem ging ich immer zuerst ins Bad, nachdem ich feststellen musste, dass Tsunade ganze zwei Stunden brauchte, um sich morgens fertig zu machen.

Diese ungewollte Peinlichkeit hatte bei mir aber auch noch etwas anderes hinterlassen – und zwar Erkenntnis. Mir war endlich klar geworden, warum Minato früher immer auf Jiraiya geschimpft hatte, nachdem er einer attraktiven Frau begegnet war. Ich wollte gar nicht wissen, wie schlimm es für ihn damals gewesen sein musste. Immerhin hatte er viel mehr Zeit mit Jiraiya verbracht und dessen perversen Verstand noch weit mehr übernommen. Das zu verbergen musste unglaublich schwer gewesen sein.

Für mich war es jetzt das erste Mal gewesen, dass ich mit so einer Situation konfrontiert wurde. Hätte eine andere Frau vor mir gestanden, wäre ich vielleicht nicht einmal abgeneigt gewesen, doch bei Tsunade? Mir war es schon peinlich genug, dass ich überhaupt auf sie reagiert hatte. Ich konnte und wollte mir auch nicht vorstellen, dass da etwas laufen könnte. Sie war immerhin um die 50 und somit fast doppelt so alt wie ich. Alt genug, um meine Mutter zu sein. Allein der Gedanke daran war … abstoßend! 
Es war bereits der vierte Tag angebrochen, seitdem ich Naruto in meinem Gästezimmer einquartiert hatte. Noch immer fieberte er, doch es war lange nicht mehr so schlimm, wie an den Tagen davor. Auch hatten seine Fieberträume endlich an Intensität abgenommen, sodass sie sich nun ausschließlich mit einem leicht unruhigen Schlaf äußerten.

Wie jeden Tag waren Sakura und Sasuke bei uns und hofften auf Narutos baldiges Erwachen. Oft saßen die beiden Kunoichis zusammen bei Naruto am Bett und redeten über medizinische Dinge. Von Beginn an war Sakura in die Krankenpflege mit einbezogen worden, damit sie praktische Erfahrung sammelte. In dieser Zeit beschäftigte ich mich mit Sasuke, der in all den Jahren in denen ich mich um ihn kümmern sollte, doch etwas zu kurz gekommen war. Da ich sonst überwiegend mit ihm trainierte, beschäftigten wir uns zur Abwechslung mal mit was anderem, was den jungen Uchiha doch etwas wunderte. Er kannte es immerhin nicht von mir.

Zuerst versuchten wir es mit reden, doch da fehlte uns schon nach kurzer Zeit der Gesprächsstoff. Wir hatten beide Dinge erlebt, über die wir nicht reden wollten und was andere Themen betraft, so mangelte es uns an Anhaltspunkten. Einzig interessantes Thema war Narutos Leben über das wir beide leider viel zu wenig wussten. Letztlich gaben wir es auf und beschränkten uns auf den üblichen Smalltalk, während wir uns mit Kartenspielen die Zeit vertrieben. Oder wir lasen in einem Buch.

Bücher hatte ich ja zu genüge, weshalb ich Sasuke dann einfach eines davon in die Hand drückte. Und Nein! Es war keine von den perversen Geschichten. Ich hab auch normale Bücher. Die sind alle noch aus der Zeit, wo ich von Minato hin und wieder mal ein Buch bekommen hatte. Ich habe da die verschiedensten Geschichten. Die Winnetou Bücher von Karl Mai zum Beispiel habe ich früher sehr gern gelesen.

Auch an diesem Tag saßen wir beide wieder mit unseren Büchern im Wohnzimmer, während Tsunade ihren medizinischen Unterricht mit Sakura fortsetzte und dabei ein Augen auf Naruto hatte. In einer extrem spannenden und äußerst perversen Szene, die ich gern ungestört zu Ende gelesen hätte, klingelte es an der Tür. Grummelnd legte ich mein Buch zur Seite, um den Störenfried zu empfangen.

„Wo ist er?“, kam mir sofort entgegen, als ich die Tür öffnete. Vor ihr stand Jiraiya. Seinem Erscheinungsbild nach war er völlig fertig und hatte sich extrem abgehetzt, um schnellstmöglich hier einzutreffen. Schnaufend stand er vor mir, lehnte mit erhobenem linken Arm am Türrahmen und wartete mit einem äußerst besorgtem Blick auf eine Antwort.

„Letzte Tür hinten links.“, antwortete ich auf seine Frage und ließ ihn anschließend passieren. Trotz seines erschöpften Zustandes hatte es Jiraiya unglaublich eilig zu seinem Schützling zu kommen, sodass er regelrecht an mir vorbei hechtete und in meinem Gästezimmer verschwand.

Verwundert sah ich ihm nach, während ich die Tür wieder schloss. Hätte Tsunade nicht erwähnt, dass Naruto von Jiraiya betreut wurde, so hätte ich wohl nicht einmal eine Ahnung gehabt, warum der Mann überhaupt vor meiner Tür stand. Noch immer hegte ich Zweifel bezüglich Jiraiyas Erziehungsstil, doch an Fürsorge fehlte es meinem Bruder offensichtlich nicht. Dass sich jemand derart abhetzte, nur um meinem verwundeten und kranken kleinen Bruder zu besuchen, der von so ziemlich jedem in diesem Dorf verachtet und gemieden wurde, überraschte mich etwas. Nicht einmal der Hokage hatte Naruto einen Besuch abgestattet. Und dass, obwohl er die einzige Person neben meinem Team und Tsunade war, der wusste, dass Naruto sich in meiner Wohnung befand und verletzt war.

Langsam trottete ich Jiraiya nach und blieb im Türrahmen des Gästezimmers stehen. Es war seltsam den Mann bei Naruto zu sehen. Es hatte Ähnlichkeit mit dem einen Mal, wo ich Minato längere Zeit Krank erlebt hatte. Damals war ich noch ein kleines Kind und lebte noch nicht sehr lang bei meinem Sensei. Auch da waren Jiraiya und Tsunade jeden Tag bei uns, pflegte Minato gesund, während Kushina versuchte mich abzulenken. Das war keine Einfache Zeit gewesen. Der Tod meines Vaters lag noch nicht sehr lang zurück und Minato derart geschwächt zu sehen, trug nicht unbedingt zu meiner Besserung bei. Ich kann mich noch wage daran erinnern, dass ich damals über mehrere Monate kein Wort von mir gegeben habe.

Aber gut, dass war damals. Diesmal handelte es sich nicht um Minato, sondern um dessen Sohn Naruto. Und dem kleinen Blondschopf ging es schon bedeutend besser, als es noch vor einigen Tagen der Fall war.
Seufzend ließ sich Jiraiya in den Sessel in meinem Wohnzimmer fallen. Nach einem kleinen Gespräch, welches er nur mit Tsunade und Kurama führen wollte, war er zu mir und meinem Team ins Wohnzimmer gekommen. Auch Tsunade folgte kurz darauf und setzte sich zu Sakura auf das zweite Sofa. Dass Kurama ebenfalls dazu kam, bezweifelte ich stark. Der Fuchs hatte sich in der Zeit hier nicht einen Millimeter von Naruto weg bewegt. Er war der stille Wachposten, der sich nur dann meldete, wenn etwas mit meinem kleinen Bruder war.

Eine Weile saß der Sannin dort, sowohl regungslos wie tonlos. Den Kopf hatte er auf dem Polster der Rückenlehne abgelegt und starrte Löcher in die Gegend, überwiegend in die Zimmerdecke. Woran er wohl dachte? Seine Stirn konnte ich leider nicht sehen, da sie von einem Band verdeckt wurde auf deren metallenen Plakette das Kanji für Öl zu lesen war, aber ich war mir sicher, dass er angestrengt über etwas nachdachte.

„Danke Kakashi.“, war das Erste, was man nach einigen Minuten völliger Stille von ihm zu hören bekam. „Danke, dass du Naruto als Schüler angenommen hast, obwohl Teams überhaupt nicht dein Ding sind. Danke, dass er dir nicht egal war und du ihn suchen gegangen bist.“

Nach den Worten von Jiraiya fühlte ich mich zunächst noch schlechter. Immerhin hatte ich mich zunächst geweigert den Jungen als Schüler anzunehmen. Obwohl ich für gewöhnlich nichts auf den Dorftratsch gab, hatte ich mich davon beeinflussen lassen, statt mir eine eigene Meinung zu bilden.

„Ich wollte ihn zuerst gar nicht.“, gab ich daher kleinlaut zu. Mir war es lieber, dass die Sannin sofort und von mir selbst davon erfuhren, als später vom Hokage. Den Zorn dieser beider Personen wollte ich nicht unbedingt auf mich ziehen und so ließen sie sich vielleicht noch besänftigen. „Das ganze Team wollte ich nicht. Mit Sakura und Sasuke konnte ich mich ja noch anfreunden, aber Naruto? Nein! Ihn wollte ich auf keinen Fall.“

Wie schon erwartet, waren sie davon nicht unbedingt begeistert. Aber sie waren auch neugierig und wollten daher wissen, wie es zu meinem Sinneswandel kam. „Durch was hat deine Meinung geändert?“, fragte mich nun Tsunade, mit der ich in den letzten Tagen schon öfter kleinere Gespräche hatte. Sie wusste daher, wie sehr ich mittlerweile an Naruto hing.

„Das Foto in seiner Akte.“, deutete ich an und versuchte mich genauer an die Situation von vor 4 Wochen zu erinnern. „Ich konnte Minato in ihm erkennen. Aber das Erste, was mir an Narutos Foto auffiel, waren seine Augen. Sie haben die gleiche Form und das gleiche Blau, wie bei Minato, doch sie strahlten nicht. Eher schienen sie matt und traurig, wie bei einer Person, die zu viel Leid erfahren hat. Das Foto hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass ich das Team haben wollte. Letztlich war es aber seine Geburtsurkunde es, die mich dazu überredete meine Meinung zu ändern.“

„Dann hast du unser Team nur wegen Naruto übernommen? Ich hatte eigentlich gedacht, du machst es für meinen Bruder und dein Versprechen an ihn.“ Mit großen und erstaunten Augen hatte Sasuke mich angesehen, während er dies sagte. Er war wohl wirklich davon ausgegangen, dass ich wegen ihm zum Sensei wurde.

Seufzen ließ ich meinen Kopf auf das Polster der Rückenlehne sinken. Was sagte ich dem Jungen jetzt nur? An sich hatte er mit der Feststellung ja recht, doch völlig enttäuschen wollte ich ihn auch nicht. „Ja, es stimmt. Ich mache es wirklich nur für Naruto. Aber eines musst du mir bitte glauben Sasuke. Ich bin echt froh, dass auch du in diesem Team bist.“

Für einen kurzen Moment konnte ich ein Lächeln bei dem kleinen Uchiha entdecken, doch so schnell wie es sich gezeigt hatte, so schnell war es auch wieder verschwunden. „Und warum Naruto?“, fragte er nun weiter und versuchte sich gleich darauf für die Frage zu rechtfertigen. „Ich bin jetzt nicht eifersüchtig oder so. Ich würde es nur gern verstehen.“

Es war ganz natürlich, dass Sasuke diesen Grund wissen wollte. Er kannte mich immerhin schon einige Jahre und wusste um meine Eigenarten. Dass mir ein eigentlich völlig fremder Junge plötzlich wichtiger war, als er, dass musste daher einen Grund haben. Ob ich ihnen diesen Grund vielleicht jetzt schon nennen sollte? Ich entschloss mich dafür.

„Könnt ihr beide euch noch an unsere Vorstellungsrunde erinnern?“, fragte meine beiden Schüler und bekam von beiden ein Nicken. „Wo Naruto mich quasi dazu gezwungen hat, mehr über mich preis zu geben, als nur meinen Namen?“

Erneut nickten beide und Sasuke schien nun auch verstanden zu haben, worauf ich hinaus wollte. „Du sagtest, du hättest einen Bruder, der nicht weiß, dass du sein Bruder bist und dass du ihm es auch nicht sagen darfst. Meintest du damit Naruto?“

„Ja. Naruto ist mein kleiner Bruder.“ Die Antwort reichte Sasuke offenbar, denn er fragte nicht weiter.

„Ich hatte selbst erst an dem Tag erfahren, dass ich einen Bruder hab. Wieso eigentlich? Wenn ihr beide die ganze Zeit von Naruto wusstet, warum habt ihr mir nie von ihm erzählt? Warum habt ihr ein Geheimnis daraus gemacht?“, stellte ich nun meine Frage an die Sannin. Seit Tagen schon wunderte ich mich darüber und ich war sogar selbst etwas davon überrascht, wie enttäuscht ich bei meiner Frage klang. Warum nur hatten sie es nicht für nötig gehalten, mir von Naruto zu erzählen? Dabei wussten sie genau von meiner familiären Bindung zu Minato.

Beide Sannin warfen sich einen recht langen und wissenden Blick zu. Es hatte etwas von einer stummen Unterhaltung. Gedankenübertragung, die über Augenkontakt geführt wurde. Ob sie wirklich dazu fähig waren, konnte ich nicht sagen, doch in diesem Moment, hatte es deutlich den Anschein.

„Damals waren wir selbst dagegen, dass man es dir verheimlicht, doch der Entscheidung des Rates mussten auch wir uns fügen.“, begann schließlich Tsunade mit einer Erklärung und seufzte darauf. Sie hatte wohl geahnt, dass dieses Thema irgendwann angeschnitten wurde.

Für weitere Worte reichte jedoch nicht die Zeit. Kuramas Ruf aus dem Gästezimmer lenkte unsere Aufmerksamkeit auf Naruto. So schnell wie beide Sannin dorthin verschwunden waren, hatte ich gar nicht reagieren können. Etwas langsamer folgte ich ihnen zu Naruto, während Sakura und Sasuke im Wohnzimmer zunächst warteten sollten.
Lang stand ich im Türrahmen meines Gästezimmer und lehnte mich dort an. Unweit von mir befand sich Tsunade, die ebenfalls an der Wand stand und so wie auch ich, nichts weiter tat, als Jiraiya und Naruto zu beobachten. Der Junge stand völlig neben sich. Derart emotional hatte ich ihn bisher nicht erlebt, wenn man mal von den Fieberträumen absah, bei denen wohl niemand seine Emotionen verbergen könnte.

Jiraiya hatte ihn auf dem Schoss, umarmte ihn und strich ihm dabei beruhigend über den Rücken, während Naruto sich in das Hemd des Sannin krallte und hemmungslos weinte. Was genau der Mann ihm erzählt, damit mein Bruder sich wieder beruhigte, konnte ich nicht sagen. Viel zu leise wurden die Worte gesprochen, als dass ich sie hätte hören können, doch es schien zu helfen.

Nach einer knappen halben Stunde hatte sich Naruto nicht nur wieder beruhigt, er war auch in Jiraiyas Armen eingeschlafen. Vorsichtig wurde er von diesem nun wieder richtig ins Bett gelegt und zugedeckt, ehe der Mann uns wieder seine Aufmerksamkeit schenkte.

„Wir hatten recht mit unserer Vermutung.“, meinte er schließlich und sah dabei speziell Tsunade an. Wovon die Rede war, konnte ich nicht einmal erahnen. Ich vermutete jedoch, dass es mit dem Gespräch zusammen hin, was sie zuvor schon geführt hatten, während ich mit Sasuke und Sakura im Wohnzimmer wartete.

„War es gezielt oder Zufall?“ Besorgnis zeigte sich in Tsunades Blick, als sie diese Frage stellte. Noch immer wusste ich nicht, worum es ging. Als wenn sie gezielt versuchten, das Thema auszudiskutieren, ohne es beim Namen zu nennen.

„So wie ich es verstanden habe, war er wohl zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie wurden entdeckt und wollten den Zeugen auslöschen.“ Diese Antwort von Jiraiya gab mir zumindest etwas Aufschluss darüber, worum es ging. Sie schienen über den Angriff auf Naruto zu reden, durch welchen er überhaupt erst Krank geworden war.

Beide schienen darauf nachdenklich. Meine eigenen Gedanken arbeiteten nicht weniger, jedoch fehlten mir noch immer Einzelheiten, die mir bisher offenbar absichtlich verschwiegen wurden. „Wenn er nicht der Grund war, was wollten sie dann hier?“, hörte ich Tsunade neben mir fragen. Zwar wusste ich noch immer nicht, wer SIE waren, doch berechtigt war die Frage auf jeden Fall.

„Nichts gutes, soviel ist sicher.“, antwortete nach einer kurzen Pause Jiraiya. Wenn er schon so dachte, dann konnte es sich nur um Feinde Konohas handeln. Und in dieser Hinsicht konnte ich ihm nur recht geben. Gutes hatten sie sicher nicht im Sinn.

Durch diese rätselhafte Diskussion interessierte es mich jetzt allerdings um so mehr, von wem Naruto angegriffen wurde. „Könnt ihr mich vielleicht mal aufklären?“

Zunächst bekam ich von beiden Sannin einen abschätzenden Blick zugeworfen, ehe sich sich wieder einmal über Augenkontakt zu beraten schienen. Dieses stumme Gespräch ging wieder über mehrere Minuten, ehe sich Tsunade schließlich dazu bereit erklärte, mir einige Details zu geben.

„Ich habe nicht nur Narutos entzündete Wunden behandelt. Ich habe ihm (von euch unbemerkt) auch noch ein Gegengift verabreicht. Nur Kurama wusste davon. Seine Fieberträume wären unter normalen Umständen nie so schlimm gewesen. Nur durch das Gift in seinem Körper hatte es ein so extremes Ausmaß.“

Erstaunt betrachtete ich darauf die Senju und einmal mehr in den letzten Tage war ich froh, dass sie es war, die Naruto gesund pflegte. Sie war nicht nur die beste Medi-Nin, wenn es darum ging Verletzungen zu heilen, sie war in allen Bereichen die Beste. Speziell in Bezug auf Gegengifte gab es absolut niemanden, der ihr das Wasser reichen konnte.

„Es gibt nur eine Person, die dieses Gift herstellt kann und seine Anhänger nutzen es nur selten Kampf. Meistens, wenn sie Spionage betreiben.“, erklärte Jiraiya weiter. Irgendwie wollte ich den Namen dieser Person nicht wissen und doch wusste ich, dass ich ihn gleich erfahren sollte. Leider sollte meine Gefühl reicht behalten.

„Orochimaru!“, war der Name, welcher nach kurzer Zeit noch von Jiraiya gesagt wurde.

Ein Grund zu Leben #6

Das Blatt wendet sich

Obwohl ich meinen Bericht recht kurz gefasst hatte, blieb ich letztlich doch länger beim Hokage, als ursprünglich beabsichtigt. Ich war nicht weniger erschöpft als meine Genin und doch hielt mich etwas davon ab, den Heimweg anzutreten. Eine kleine Stimme in meinem Kopf, die sich weit mehr um meinen Bruder sorgte, als ich selbst zugeben wollte. Der Sandaime war die einzige Person, mit der ich offen über Naruto und meine Sorgen reden konnte. Es half, teilweise zumindest. Nachdem Gespräch hatten sich meine Gedanken etwas beruhigt.
Am nächsten Morgen warteten wir wieder zunächst am Trainingsplatz auf Naruto, da es noch immer sein konnte, dass er von selbst auftauchen würde. Mit dem Hokage war allerdings abgesprochen, dass unsere Suche diesmal früher beginnen würde. Auch an diesem Morgen kam er nicht, weshalb wir damit begannen die nächsten Bereiche des Waldes abzusuchen.

Stundenlang wanderten wir fast schon ziellos umher, suchten jeden Winkel ab. Immer wieder riefen wir seinen Namen, doch keine Antwort folgte. Auch hier im Wald waren die Auswirkungen des Sturm verheerend. Mehrere Bäumen waren entwurzelt, viele teilweise recht große Äste waren abgerissen und zu Boden gestürzt. Gegen Mittag entdeckten wir einen größeren entwurzelten Baum, unter welchem sich wohl eine kleine Höhle befunden hatte. Mehrere Tiere hatten in dieser Schutz gefunden, doch nachdem der schützende Baum verschwunden war, hatten sie keine Überlebenschancen mehr.

In Baumnähe zählten wir knapp 20 tote Tiere. Dies waren jedoch nicht die einzigen Opfer des Sturms. Noch an mehreren weiteren Stellen hatten wir tote Tiere finden können, die entweder keinen sicheren Unterschlupf gefunden hatte, oder aber aus ihm vertreiben wurden. Je mehr tote Waldbewohner ich zu sehen bekam, um so stärke wurde meine Sorge um Naruto.

Mehr und mehr übernahm die Angst die Oberhand. Ich wollte nicht schon wieder jemanden verlieren. Vor allem jetzt nicht, wo ich gerade erst einen neuen Lebenssinn für mich gefunden hatte. »Kami, ich bitte dich! Nimm mir nicht auch noch meinen Bruder. Er hatte doch noch gar keine Chance zu leben.« Mir war klar, dass dieses kleine Stoßgebet niemals ausreichen würde, um Kami zu erreichen, doch ich hatte es zumindest versucht.

Gegen Abend hatten wir drei weitere Gebiete abgesucht, doch auch an diesem Tag hatten wir keinen Erfolg. Da das Wetter sich ausreichend gebessert hatte, waren wir mit genügend Proviant und unseren Schlafsäcken losgezogen. Die Suchroute hatte ich extra so gelegt, das wir am Abend an einigen Höhlen sein würde, die uns genügen Schutz für die Nacht boten. Der Hokage wusste von meinem Plan. Direkt am nächsten Morgen würden wir von hier aus unsere Suche fortsetzten, während jemand anders am Trainingsplatz schaut, ob Naruto auftauchte.
Die Nacht war kühl und eine leichte Brise wehte uns einen modrigen Geruch entgegen. Während des Sturm hatte es viel geregnet und auch danach war noch einiges Wasser vom Himmel gefallen. Die Feuchtigkeit würde noch einige Zeit am Wald haften bleiben – und mit ihr der Geruch.

Wieder einmal konnte ich meine Gedanken nicht beruhigen, doch diesmal war kein Hokage hier, der sie besänftigte. Nur meine beiden Schüler, die bereits tief und fest schliefen. Für sie war diese Suche noch anstrengender, als sie es für mich war. Speziell Sakura bemerkte nun ihr Ausdauerproblem, die Nachteile des fehlenden Trainings. Ob sie letztlich daraus lernte und sich selbst mehr anstrengte, als nur den Jungs zuzusehen, würde man sehen. Ich hoffte es für sie. Ihre Fähigkeiten waren jetzt bereits erstaunlich. Sollte sie keine Einsicht zeigen, so war ihr Talent jedoch nichts wert. Sie musste schon selbst darauf kommen, dass auch sie an sich arbeiten musste, um voran zu kommen.

Bei Sasuke sah dies schon anders aus. Er gab wirklich alles, um besser zu werden und trainierte so viel, dass ich ihn oft sogar ausbremsen musste. Sein älterer Bruder war sein großes Vorbild. Itachi galt als Genie, so wie ich eines war und Sasuke eiferte ihm nach, so gut er konnte. Kaum hatte er etwas geschafft, so meinte er, dass Itachi es sicher viel besser konnte und steckte sich ein neues Ziel. Mit diesem System machte der Junge mich manchmal richtig wahnsinnig.

Und wiedereinmal gelangten meine Gedanken zu Naruto. Was mein kleiner Bruder wohl schon alles konnte? Viel zu wenig wusste ich über ihn, um den kleinen Blondschopf halbwegs einschätzen zu können. Zwei Dinge wusste ich jedoch mit Sicherheit. Im Nahkampf war er überragend. Sein Tai-Jutsu war nahe zu perfekt und durch seine zusätzliche enormen Geschwindigkeit hatte ich sogar mit meinem Sharingan so einige Probleme, ihm zu folgen – was ich natürlich nicht offen zugab.

Das zweite war seine enorme Ausdauer, mit welcher er sogar mich um Längen übertraf. Von uns allen im Team musste er den weitesten Weg zurücklegen, um morgens zum Training zu erscheinen. Allein Kami weiß, wie viele Meilen er am frühen Morgen schon lief, bevor er im Dorf ankam. Und ich bezweifelte stark, dass er sein Nachtlager in Dorfnähe hatte. Die ANBU hätten dies sicher schon längst bemerkt, wenn dem so wären. Trotz des weiten Weges, des Ausdauertrainings oder der oft recht harten Trainingskämpfe, hatte ich ihn noch nie erschöpft gesehen.

Während Sakura und Sasuke beide schon völlig entkräftet am Boden lagen, stand er unbeeindruckt daneben und wartete, dass es weiter ging, oder das Training endlich beendet wurde, damit er wieder in seinen Wald zurück konnte. Oft kam es dadurch zu Streitereien zwischen den Jungs. Naruto sah die anderen beiden als Schwächlinge und mit Sasuke ging dadurch oft der Uchiha-Stolz durch, weshalb es bereits mehrmals zu kleineren Prügeleien kam. Bei denen war Naruto bisher immer als Sieger hervorgegangen war, was noch zusätzlich an Sasukes Stolz nagte.

Ich selbst betrachtete die beiden Streithähne immer mit einem Schmunzeln, da es mich sehr stark an die Zeit erinnerte, wo ich mich noch mit Obito gestritten hatte – und meistens sogar aus genau dem gleichen Anlass. Auch ich habe damals nicht viel von meinem Team gehalten und oft sogar absichtlich mit Obito kleinere Streitigkeiten begonnen. Bei Sasuke und Naruto schien dies ähnlich zu sein.
Früh am nächsten Morgen erwachte ich. Trotz aller Unruhe in meinen Gedanken, musste ich wohl doch irgendwann eingeschlafen sein. Die kleine Höhle, in der wir uns niedergelassen hatte, bot eine gute Sicht auf den östlichen Horizont. Noch war die Sonne nicht aufgegangen, doch lange würde sie nicht mehr auf sich warten lassen.

Schnell weckte ich die Kinder, damit auch sie sich das bevorstehende Ereignis ansehen konnten. Viel zu selten bekam man im Leben eines Ninja etwas schönes zu sehen. Zu viel Leid, zu viel Tod befand sich auf unserem Lebenspfad. Allein was ich bereits an Blut vergossen hatte, reichte für mehrere Leben. Sobald man sich dessen bewusst wird, beginnt man automatisch die positiven Einflüsse aus der Umgebung aufzusaugen. Von den Menschen hielt ich mich vielleicht fern, so gut ich konnte, was ich stark meinen mittlerweile recht ausgeprägten Verlustängsten zuschrieb, doch so ein Sonnenaufgang war ein Naturphänomen, dass ich mir immer wieder gern ansah – und deshalb wollte ich es auch unbedingt mit meinem Team teilen.

Während wir gemeinsam den Aufstieg der Sonne beobachtete, aßen wir unser Frühstück. Zwischendurch schaute ich kurz mal, was meine Genin machten. Sakura war völlig fasziniert und träumte vor sich hin. Es war klar, dass ihr dieser Anblick gefiel, sie war immerhin ein Mädchen. Auf der anderen Seite von mir saß Sasuke und tat eher unbeeindruckt, doch in seinen Augen konnte ich deutlich das Funkeln sehen, dass mir verriet, dass auch ihm dieser Anblick gefiel.

»Und wie sieht es mit dir aus, Naruto? Gefallen dir die Sonnenaufgänge?« Wieder einmal waren meine Gedanken bei meinem Bruder angekommen. Ob er vielleicht auch irgendwo in diesem Wald saß, an einem sicheren Ort und von dort aus ebenfalls den Sonnenaufgang betrachtete? Ich hoffte es. Etwas anderes konnte und ich mir nicht vorstellen, ich wollte es auch nicht. Zu düster wurden meine Vorstellungen, wenn ich daran dachte, was ihm wären des Sturms alles zugestoßen sein könnte, weshalb ich sie auch sofort wieder verscheuchte. Ich durfte jetzt nicht daran denken, was alles passiert sein könnte. Vielleicht war auch gar nichts passiert und er hatte andere Gründe, warum er nicht ins Dorf gekommen war. Daran musste ich glaube, darauf musste ich hoffen.

Die Minuten vergingen wie im Flug und letztlich schwebte die Sonne vollständig über dem Horizont, immer weiter an Höhe zunehmend und beleuchtete mit all ihrer Kraft den Wald vor uns. Dorthin begaben wir auch kurze Zeit später, um die Suche nach Naruto fortzusetzen.
Wieder begaben wir uns auf eine stundenlange Suche, zu finden war jedoch nichts. Gegen Mittag hatten wir ein kleines, eher abgelegenes Waldstück erreicht und durchsuchten nun dort jeden Winkel. Kurze Zeit später hatten wir jedoch auch dieses Gelände bereits abgeschrieben.

Wir hatten uns bereits dem nächsten Gebiet zugewandt und waren in dessen Richtung abgebrochen, als mir Pakkuns Fehlen auffiel. Einige Meter hinter uns war er stehen geblieben. Er schien abwesend und reagierte zunächst auch nicht auf meinen Ruf hin. Verwirrung lag in den Augen des kleinen Mopses, während er immer wieder seine kleine Schnauze schnüffelnd in die Luft hielt.

„He Pakkun, was ist los? Witterst du etwas?“, fragte ich nochmal, als ich vor ihm in die Hocke ging.

„Ich weiß nicht …“ Noch immer schien Pakkun recht verwirrt. Der Geruch musste ja wirklich ungewöhnlich sein, wenn es den Nin-Ken so beanspruchte. „… ich kann diesen Geruch nicht einordnen.“

Es dauerte nicht lang und auch die anderen Hunde hatten sich dazu gesellt. Schnuppernd hielten sie alle ihre Schnauzen in den winzigen Luftzug und versuchten den Geruch einzuordnen. „Riecht nach Schiss.“ „Nein, nach Blut.“ „Nach Honig.“ „Zuckerdrops!“ „Ich bin ja mehr für Fäkalien. Wie kommt ihr bitte auf das süße Zeug?“ Einige wenige Minuten diskutierten sie weiter, jeder hatte offenbar eine andere Meinung. Nur Pakkun hielt sich raus und gab keinen Kommentar dazu ab.

Mein kleiner Mops hatte begonnen dem Duft zu folgen, da er nun offenbar wissen wollte, was diesen seltsam verwirrenden Geruch auslöst. Ich konnte beobachten, wie er auf einen kleinen Erdhügel zuging, auf welchem ein riesiger uralter Baum gewachsen war. Diesen Hügel umrundete er mehrmals und sah dabei recht konzentriert aus. Auf der hinteren Seite verschwand er dann und kam zunächst auch nicht wieder.

Minuten vergingen, in denen die anderen Nin-Ken immer noch über den Geruch diskutierten und auf keinen gemeinsamen Nenner kamen. Plötzlich hörte man Pakkuns Stimme durch den Wald brüllen. „KAKASHI! KOMM SCHNELL HER, ICH HAB NARUTO GEFUNDEN!“

Die Hunde reagierten sofort und liefen der Stimme entgegen, während bei mir die Nachricht zunächst mal den Verstand erreichen musste. Kurz darauf setzte jedoch auch ich mich in Bewegung. Sakura und Sasuke folgten mir. Auf der anderen Seite des Hügels war von Pakkun jedoch nichts zu sehen. Verwirrt sah ich mich um. Wo war der Hund nur? Die anderen Nin-Ken hatte es ebenfalls gewundert, dass ihr Boss nicht zu sehen war. Ihnen viel es jedoch recht einfach, den kleinen Mops ausfindig zu machen, da sie nur seinem Geruch folgen mussten.

Einer nach dem anderen Verschwand vor meinen Augen in einem kleinen Spalt zwischen einem kleinen Fels und dem Erdhügel. Gerade groß genug für ein Hund oder ein Kind. Für mich war es somit zu eng, doch auch an diesem Problem wurde schon gearbeitet. Vor dem Spalt hatten Uruhei und Buru bereits mit Grabungen begonnen, um den Eingang etwas zu vergrößern. Im Inneren der Höhle schienen Akino und Bisuke das Gleiche zu tun, wie ich anhand ihrer Stimmen vernehmen konnte. Wenige Minuten später schienen sie zufrieden und ließen nun auch uns in die Höhle.
Unerwartet groß war die Baumhöhle. An vielen Stellen war die Wurzeln des alten Baumes zu erkennen, die sich schützend an den Wänden entlang schlängelten. Unsere Rucksäcke ließen wir am Eingang liegen, nur die Taschenlampen nahmen wir mit, da es sehr sehr dunkel war und wir nach wenigen Schritten schon nicht mehr die Hand vor Augen sehen konnten.

Von der Haupthöhle ab gingen zwei Gänge, die sich beide langsam in die Tiefe senkten. Welchen wir nehmen muss, brauchte ich nicht zu fragen. Pakkun lief zielsicher durch die Gänge und folgte dem Geruch, während wir ihm folgten. Nie hätte ich gedacht, dass ein solch riesiges Geflecht aus Tunnelgängen sich im Wald befinden konnte. An vielen Abzweigungen und kleinen Hohlräumen kamen wir vorbei und der kleine Mops blieb nicht ein einziges Mal stehen. Er wusste genau, wohin er musste.

Nach einigen Minuten konnte ich Wasserrauschen hören, wie von einem kleinen Bach, der sich in der Nähe befinden musste. Zwei Biegungen weiter konnte ich ihn auch sehen. Ein unterirdisches kleines Flüsschen zog hier durch das Höhlensystem, eine natürlicher Frischwasserlieferant für die Bewohner und unweit davon, an einer der Wände, da sah ich ihn!

Ein riesiger Fuchs mit neun Schwänzen. Der Kyuubi, völlig frei von allen Ketten und Siegeln, die ihn halten könnten. Er lang an der Höhlenwand, ruhig und friedlich, als wäre es das normalste der Welt. Obwohl er lag, hatte er eine Körperhöhe, die meiner in etwa gleich kam. Sein Kopf lag auf dem Boden, die Ohren waren angelegt. Irgendwie sah er traurig aus. Die Schweife des Fuchses lagen überwiegend an der Seite, wedelten mal etwas an den Spitzen umher. Zwei von ihnen lagen jedoch eng an seinem Körper und schienen etwas zu bedecken.

Pakkun hatte am Eingang des Raumes nicht gehalten, sondern war direkt bis zum Fuchs weitergegangen. Nach dem ersten kleinen Schrecken hatten auch die Genin ihren Weg fortgesetzt und standen bereits direkt vor dem riesigen Tier, dem dies alles recht egal zu sein schien. Offenbar war ich hier die einzige Person, die Unbehagen wegen dem Riesenfuchs verspürte.

Der Kyuubi schien dies zu bemerken und sah mir für einen Moment direkt in die Augen, ehe er mich ansprach. „Hab keine Angst vor mir, nur weil ich jetzt größer bin, als sonst. Ich bin noch immer der gleiche Kurama, wie vor einigen Tagen.“

Viel zu verblüfft war ich über die Tatsache, dass der Fuchs wirklich der menschlichen Sprache mächtig war, als dass die übermittelten Informationen in meinem Kopf verarbeitet werden konnten. Der Fuchs konnte sprechen! Wenn man genau darüber nachdachte, war diese Reaktion darauf jedoch völlig lächerlich, denn immerhin konnten meine Nin-Ken auch sprechen. So unglaublich konnte es daher gar nicht sein, doch in diesem Moment war ich einfach nur… BUFF!

»Moment mal? Meinte er gerade „der gleiche Kurama“? Das war doch der Name von dem … Fuchswelpen.« Und in diesem Moment schlug in meinem Kopf wortwörtlich der Blitz ein und ich hatte endlich begriffen, was der Fuchs mir sagen wollte. Er war der kleine Fuchs namens Kurama, den Naruto immer bei sich hatte. Und noch eine zweite Erkenntnis traf mich. Ich hatte nicht nur einen einfachen kleinen Fuchs gestreichelt, sondern den Kyuubi.

Für einen kurzen Moment wurde mir extrem schlecht und extrem schwindelig, doch ich verdrängte beides. Was gäbe ich nicht alles dafür, in diesem Moment gleichermaßen unwissend zu sein, wie Sakura und Sasuke, die noch immer kein Plan hatte, was für einem Monster sie da gegenüber standen. Da half nur eines: Augen zu und durch! Und mit diesem Gedanken ging dann auch ich auf den neunschwänzigen Fuchs zu.
Wie schon erwartet bedeckten zwei der Schwänze wirklich etwas. Sobald ich näher an das Tier herangetreten war, konnte ich Naruto erkennen, welcher an der Flanke des Fuchses lehnte, mit den Schweifen als Decke, der einem recht unruhigen Schlaf verfallen war.

Vorsichtig lösten Kurama die Schwänze von dem Jungen, damit ich mich Naruto nähern konnte. Fast sofort begann er zu zittern, da seinem Körper nun die schützende Wärme fehlte, die ihn zuvor umgeben hatte. Schweiß lag auf seiner Stirn – und auch auf dem Rest seines Körpers, wie ich recht schnell bemerkte. Der Junge fieberte und das nicht gerade wenig, wie ich kurz darauf feststellte. Glühen wäre da schon korrekter.

Neben mir konnte ich ein leises Jaulen vernehmen, welches ich trotz geringer Lautstärke deutlich dem Fuchs zuschreiben konnte. Das Tier schien traurig und besorgt, wirkte dadurch völlig anders, als man sich den Kyuubi eigentlich vorstellte. Etwas verwirrt war ich dadurch schon, doch versuchte ich mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Narutos Zustand war weitaus wichtiger.

„Was ist passiert?“, wollte ich von dem Fuchs wissen, während ich meinen Bruder etwas genauer betrachtete. Irgend einen Grund musste es für das Fieber ja geben.

„Ich weiß es nicht genau.“ Eine kleine Pause folgte, in welcher er über seine nächsten Worte nachzudenken schien.

„Wir waren auf dem Weg zu dieser Höhle hier. Naruto hatte noch einige Male kurz angehalten und einige Beeren, Pilze und Wurzeln eingesammelt, da wir wussten, dass ein Gewitter aufzog. Ich war schon vor gelaufen und wartete nahe des Eingangs.“, berichtete Kurama von den Ereignissen vor dem Sturm.

Bis dahin klang alles noch recht harmlos. Wie gesagt, bis dahin. Der restliche Bericht des Fuchses bereitete mir einige Sorgen. „Plötzlich stand er dann neben mir, konnte sich kaum auf den Beinen halten. Er sagte, er wäre angegriffen worden, doch von wem … keine Ahnung! Er roch nach Blut und noch etwas anderes, dass ich nicht identifizieren konnte. Wir sind direkt in die Höhle rein und hier zum Wasser. Eigentlich sollte er noch nach seiner Verletzung sehen, aber er ist dann einfach eingeschlafen und seitdem auch nicht wieder aufgewacht.“

Gezielt suchte ich nun nach Verletzungen an meinem Bruder. Kurama hatte Blut gerochen, doch so schwerwiegend konnte die Verletzung nicht gewesen sein. Der Boden um Naruto war sauber, weshalb der Blutverlust recht gering ausgefallen sein musste. Wenn es überhaupt Narutos Blut war, dass er gerochen hatte.

Nachdem ich die Jacke geöffnet hatte, wurde ich auch recht schnell fündig. Ein großer blutiger Striemen zog sich seitlich über seinen Unterbauch, bis zum Oberschenkel des linken Beines hinab. Die Verletzung war nicht tief und es hatte sich bereits eine feste Kruste als getrocknetem Blut gebildet. Eigentlich kein Grund zur Besorgnis. Die gelblichen Flecken, die ich an einigen Stellen im Schorf erkennen konnte, verwirrten mich jedoch.

Da ich selbst nur über grundlegende Erste-Hilfe Kenntnisse verfügte, konnte ich damit zunächst nicht viel anfangen. Aber in einem war ich mir sicher: Das war NICHT normal! Hier machte sich dafür nun Sakuras Fortbildung bezahlt. Ich hatte ihr aufgetragen, dass sie ihre Erste-Hilfe Kenntnisse erweitert, da es für ihre spätere Ausbildung zur Medi-Nin nützlich sein würde.

„Das ist Eiter.“, offenbarte sie mir, da sie diese Flecken genau erkannt hat. „Narutos Verletzung hat sich entzündet, daher der Eiter und das Fieber. Wenn er nicht schnell richtig behandelt wird, kann sich das zu einer Blutvergiftung ausweiten.“
Wie eilig wir es nun hatte, dass wir ins Dorf zurück kamen, brauche ich ja wohl nicht erwähnen. Knapp zwei Stunden waren wir von der versteckten Höhle aus unterwegs, bis wir die Stadtmauern sehen konnten. Doch nun standen wir vor einem anderen Problem. Wohin mit Naruto? Würden sie ihm Krankenhaus wirklich behandeln? Nach allem, was ich über meinen kleinen Bruder mittlerweile wusste, vermutete ich eher das Gegenteil.

Einige Minuten hatte ich noch Zeit, mit eine Lösung zu überlegen, dann würden wir das Tor erreichen. Ich entschied mich letztlich dafür, dass ich Sakura und Sasuke zum Hokage schickte, zusammen mit Pakkun. Sie sollte ihm erklären, was los sei und dass ich Naruto mit zu mir nachhause nehmen würde. Zudem sollten sie Fragen, ob es im Dorf einen Arzt gibt, der Naruto behandeln würde.

Kaum hatten wir das Tor erreicht, machten sich meine Genin mit dem Nin-Ken auch schon auf dem Weg zum Dorfoberhaupt, während ich mit meinem Bruder den Heimweg antrat.

Dort angekommen brachte ich Naruto sofort in das Gästezimmer. Kurama war nicht von seiner Seite gewichen und hatte unterwegs wieder Welpengröße angenommen. Jetzt jedoch brauchte ich kurz den großen Fuchs, damit ich Naruto für einen Moment an ihn anlehnen konnte. Bereitwillig half er mir und tat alles, um was ich ihn bat.

Schnell richtete ich das Bett her und machte mich anschließend daran, meinen Bruder zu entkleiden. Dabei entdeckte ich noch eine zweite Verletzung, ein kleinerer Striemen, der sich über den rechten Arm zog. Auch auf diesem lag eine Blutkruste, in welcher ich zwei gelbe Flecken erkennen konnte. Anschließend zog ich ihm eines meiner älteren Shirts über. Es war etwas kleiner, als meine aktuellen Shirts, doch trotzdem war es viel zu groß für den 12jährigen Jungen.

Im Anschluss daran legte ich Naruto in das Bett und deckte ihn gut zu, ehe ich mich in die Küche begab und kurz darauf mit einer Schale voll kaltem Wasser und einem Tuch wieder kam. Das Fieber musste gesenkt werde, doch wie hoch war es überhaupt? Auch das hatte ich einige Minuten später herausgefunden und wie ich es mir bereits gedacht hatte, war es deutlich zu hoch.

Die Minuten vergingen, in denen ich das Tuch mehrmals auffrischte. Das Warten auf mein Team war zäh und schien Ewigkeiten zu dauern. Nach einer knappen halben Stunde klingelte es dann endlich an der Tür und es stand eine Person vor mir, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte.