Der Alltagstest

Von vielen Transpersonen verabscheut und für gleichermaßen viele auch ein Segen. Die Erprobung des gefühlten Geschlechts im Alltag.

Mein Therapeut ist schon etwas älter und arbeitet mit zum Teil recht alten Ansichten. So ist der Alltagstest bei ihm zum Beispiel absolute Pflicht, wo andere Therapeuten es nicht so eng sehen, wenn man ihn auslässt.  Ich kenne mittlerweile Transfrauen & Transmänner, für die diese Alltagserprobung ein Segen war. Gleichermaßen kenne ich aber auch Fälle, in denen es ein unnötiges Hindernis darstellte.

Für mich spielt dieser Test kaum eine Rolle. Bei mir Zuhause ändert sich absolut nichts, ich lebe jetzt jeden Tag genau, wie ich die Jahre zuvor. Einzig mein Kleiderschrank hat sich etwas angepasst. Meine einstige Frauenbekleidung ist fast komplett verschwunden. Ich hab nur einige meiner BHs behalten, die sich gut unter dem Binder tragen lassen. Ansonsten besitze ich nur Shirts und Hosen für Männer. Die Boxershorts der Männer waren mir schon immer lieber als jede mögliche Version von Unterwäsche aus der Damenabteilung.

Meine Probleme liegen aktuell mehr im persönlichen Umfeld und auch da ist es weniger mein Problem, als das von anderen.
Ich stelle mich immer und überall als Mann vor. Das ist für mich kein Ding. Ich gehe auch aufs Männerklo. Ich korrigiere auch jeden, wenn ich falsch angesprochen werde. Was solche Dinge betrifft, bin ich konsequent und ziehe mein Leben als Mann auch knallhart durch.
Was ich allerdings nicht kann, ist meine Eltern oder Geschwister zu verbessern. Sie kennen zwar meinen neuen Namen und versuchen auch sich daran zu gewöhnen, aber ihnen rutsch trotzdem ständig ein sie oder mein noch gültiger weiblicher Vorname raus. Und ich lasse es ihnen durchgehen, obwohl ich auch sie korrigieren muss.

Woran genau es liegt kann ich nicht sagen. Vielleicht weil es meine Familie ist und ich da allgemein recht nachsichtig bin. Zudem sehen sie mich vergleichsweise selten, was es nicht unbedingt einfacher macht, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Mein Alltagstest hat im Februar 2017 begonnen. Da er 1 Jahr lang andauern sollte, hab ich noch etwas Zeit meine Familie auf den neuen Namen zu eichen.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende
Namasté

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Eine Antwort zu Der Alltagstest

  1. Liam schreibt:

    Ich kann deine Situation gut nachvollziehen. Mein Alltagstest läuft schon seit einem Jahr. Mittlerweile habe ich angefangen zu arbeiten, mich dort geoutet da meine Vornamensänderung noch nicht durch ist. Alle sprechen mich mit meinem männlichen Vornamen und ER an, auch unsere Kunden im Außendienst. Meine Kinder (16,17,12) sagen weiterhin Mama zu mir. Ich kann sie nicht verbessern wenn sie mich so nennen, immerhin war ich ich bisher ihre Mutter und ich weiß dass sie einfach Zeit brauchen. Ich denke für die engste Familie ist diese Umstellung am schwierigsten.
    LG Liam

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