Kin Hatake #010 – getrennte Wege

»Wir sollten den Urheber dieses Effekts finden, bevor es noch schlimmer wird«, hallten Kurenais Worte in Asumas Gedanken wieder.
Er hatte sich sofort in Bewegung gesetzt und wollte bereits wieder zum Dorfplatz zurück. Weit kam er jedoch nicht, da Tsunade ihn am Arm packte und zurück hielt. Ihre stechend braunen Augen schienen ihn zu durchlöchern, während hinter ihrer Stirn ein Gedanke reifte.
Schließlich verfestigte sich ihr Griff. Sie hatte einen Beschluss gefasst. »Du wirst nicht mitkommen«, entscheid die Sannin.
Ein Hauch von Wut stieg in Asuma auf, ließ ihn schnauben und stachelte ihn zu einem gereizten Kommentar an. »Ach, und warum nicht?«
»Es hatte bereits negativen Einfluss auf dich. Dir geht es jetzt zwar wieder besser, aber beim nächsten Mal könnte es noch schlimmer werden«, erklärte Tsunade, doch Asuma schien nicht völlig überzeugt.
»Keine Sorge, wir finden ihn auch ohne dich. Meine Fähigkeiten sind in diesem Fall ohnehin nützlicher«, versuchte es Kurenai, um ihn zu beschwichtigen.
Noch immer hatte Asuma Einwände. Bevor er etwas sagen konnte, wurde er allerdings ein weiteres Mal von Tsunade gestoppt. »Keine Widerrede! Du kommst nicht mit. Das ist eine ärztliche Anweisung. Ich will dich heute nicht mehr auch nur in der Nähe dieser Person sehen!«
Grummelnd verschränkte der Sarutobi die Arme vor der Brust. Wenn Tsunade von einem ärztlichen Verbot sprach, dann konnte nicht einmal sein Vater sich dagegen behaupten.
»Wenn es sein muss«, gab er nach, wenn auch nur ungern. Er wusste zugut, dass niemand an Tsunades Entscheidung vorbei kam. Trotzdem hatte er ein ungutes Gefühl bei der Sache. »Pass auf dich auf«, verlangte er von Kurenai und sah darauf abwechselnd zwischen beiden Frauen umher.
»Das gilt für euch beide!«, setzte er hinterher.
»Wie niedlich, Asuma macht sich Sorgen«, kam darauf von Kurenai, die ihn belustig angrinste.
»Das ist nicht lustig! Wir haben keine Ahnung, wozu der Kerl noch fähig ist«, verteidigte sich Asuma darauf und was dann passierte, überraschte ihn.
Kurenai kam ihm näher, mit einer sehr offensiven Körperhaltung und einem verspielten Lächeln, das auch als versaut gedeutet werden konnte. Einen Schritt wich er zurück. Durch die Hauswand im Rücken kam er auch nicht weiter und dann war Kurenai ganz nah bei ihm. Mit ihrer rechten Hand drückte sie ihn gegen die Wand und sprach mit verführerischer Stimme »Asuma, Schätzchen!«
Er wusste nicht wieso, aber irgendwie machte ihn diese Situation an, obwohl er bei Kurenai bisher nie in diese Richtung gedacht hatte. Sie waren Freunde seit frühster Kindheit. Quasi eine Sandkastenfreundschaft, mit der er später auch zusammen zur Schule ging und mit der er darauf sogar im gleichen Genin Team unterwegs war. In all der Zeit hatte sie jedoch nie Interesse an ihm gezeigt.
»Nur weil wir Frauen sind, brauchen wir keinen Aufpasser, der uns vor dem großen bösen Schatten beschützt«, belehrte Kurenai ihn und versuchte gleichzeitig ihn um den Finger zu wickeln.
Etwas veränderte sich in ihm. Asuma konnte spüren, wie es passierte. Ein sanftes Prickeln verbreitete sich auf seinen Wangen, gepaart mit einem Kribbeln in seinem Bauch. Ein Gefühl, wie von Tausend Ameisen. Waren das die berüchtigten Schmetterlinge im Bauch? Unangenehm und wunderschön zur gleichen Zeit. Ihm wurde heißer und heißer. Sein Verstand war kurz davor Amok zu laufen, aber er züchtigte sich selbst und hoffte, dass die Frauen nichts mitbekommen hatten.
An Kurenai schien sein Gedankenausflug tatsächlich vorbei gegangen zu sein. Sie hatte von ihm abgelassen und war einen Schritt zurückgetreten. Ihre Hände hatte sie in die Hüfte gestemmt und offenbar wartete sie auf eine Reaktion, die jedoch ausblieb, da Asuma noch immer keinen klaren Gedanken fassen konnte.
»Du solltest mehr Vertrauen ins andere Geschlecht setzen«, meinte sie schließlich und wand sich dann von ihm ab.

Hinter Kurenai befand sich Tsunade. Sie konnte sich noch gut an die Zeit erinnern, in der sie auf den kleinen Asuma aufgepasst hatte. Damals schon hatte sie die Freundschaft zwischen ihm und Kurenai in allen Phasen beobachten können. Es freute sie, dass sie jetzt Zeuge davon werden durfte, wie beide eine neue Ebene ihrer Freundschaft entdeckten.
Als Kurenai ihren Rückzug antrat, war Tsunade ernsthaft enttäuscht. Sie hatte einen Kuss erwartet, doch den gab es nicht. Vielleicht beim nächsten Mal.
»Geh nachhause Asuma«, hörte sie Kurenai sagen. Selbige hatte sich nun ihr zugewandt und wartete darauf, dass sie loskonnten.
»Er kann noch nicht gehen«, merkte Tsunade an. Sie stieß damit auf Unverständnis. Kein Wunder. Hatte sie doch kurz zuvor gesagt, dass Asuma sie nicht begleiten durfte. »Zumindest nicht nachhause« deutete sie zusätzlich an.
Verwirrung lag in den Blicken der beiden Jüngeren. Sie hatten keine Ahnung, was sie damit bezweckte. Nicht einmal Asuma, der eigentlich erahnen müsste, wo sie ihn hinschicken würde.
»Uns kannst du zwar nicht begleiten, aber ich habe eine andere sehr wichtige Aufgabe für dich«, begann sie.
Noch immer sah Asuma sie deutlich verwirrt an. Tsunade war sich nicht sicher, ob es an Kurenai lag, oder ob er durch die versuchte Manipulation seine Aufgabe für diesen Abend einfach nur vergessen hatte.
»Was soll ich denn machen?«, wollte er wissen und klang dabei ernsthaft so, als hätte er keine Ahnung, worum es ging.
Er schien es wirklich vergessen zu haben. Der Manipulator hatte mit seinen Versuchen offenbar negativ auf Asumas Gedächtnis eingewirkt und Tsunade hoffte, das es sich nur um den aktuellen Bereich des Kurzzeitgedächtnisses handelte.
»Du gehst Kakashi suchen«, verlangte sie von ihm.
Für einen kurzen Moment hatte es den Anschein, als würde bei Asuma ein Licht aufgehen. Wenn dem so war, dann verbarg er die Tatsache gut, um vor Kurenai nicht anzudeuten, dass er mehr wusste. »Warum? Ist er denn nicht hier?«, fragte er weiter.
»Nein, ist er nicht«, antwortet Tsunade ihm und tat bedrückt, ehe sie weiter erklärte. »Heute Mittag wurde Naruto angegriffen. Er hat den Jungen zu mir gebracht, aber Naruto war sehr schwer verletzt. Ich hab seinen Tod nicht mehr verhindern können.«
»Bei Kami, der arme Junge«, stieß Kurenai aus. Sie warf den Kopf in den Nacken und sah betroffen in den Himmel. »Was haben sie dir nur angetan? Hoffentlich findest du jetzt etwas Frieden.«
Die Reaktion bei Asuma sah etwas anders aus. Er schien eher irritiert und machte den Eindruck, als wüsste er genau, was es bedeutet. Nur wusste er nicht so recht, warum das so war. Bei ihm schien einiges durcheinandergeraten zu sein.
»Du weiß doch sicher noch, wie es Kakashi damals ging, als Minato starb«, deutete Tsunade vorsichtshalber nur an, da sie sich nicht sicher war, wie viel Kurenai darüber wusste.
Einen kurzen Moment schien Asuma zu überlegen, ehe er ihr zu erkennen gab, dass er es noch wusste.
»Du musst wieder auf ihn aufpassen«, verlangte sie von ihm. »Such ihn und pass auf ihn auf. Bring ihn am Besten nachhause. Ich komme dort vorbei, sobald wir hier fertig sind.«
Innerlich seufzend beobachtete Tsunade die Reaktion des jungen Sarutobi. Er glaubte ihren Worten so sehr, als hätte das Gespräch mit seinem Vater nie stattgefunden. »Letztes Mal habe ich ihn allein durch diese Phase geboxt. Glaubst du, dass du ihm eine große Hilfe bist?«, wollte er von ihr wissen. Er hatte definitiv ein paar Dinge aus den letzten Stunden vergessen, sonst wäre ihm der Fake bewusst gewesen.
»Er hat sich auch verletzt«, berichtete sie darauf wahrheitsgemäß. »Nicht schwer, aber ich muss es mir dennoch ansehen.«
»Ist gut, ich such ihn« sprach Asuma.
Eine Hand fuhr zu seinem Hinterkopf und führte eine scheinbar kratzende Bewegung aus. Tsunade konnte es nicht genau erkennen. Sein Blick war nachdenklich geworden. Offenbar überlegte er, wo er mit seiner Suche beginnen sollte.
»Fang am Besten bei seiner Wohnung an. Vielleicht ist er mittlerweile Zuhause«, gab sie ihm einen unauffälligen Hinweis. Immerhin wusste sie genau, dass Kakashi sich dort befand.
»Und nimm das hier mit. Du konntest es vielleicht brauchen«, setzte sie noch hinterher. Dabei reichte sie ihm eine Schriftrolle, die sie parallel zu den Worten aus ihrer Hüfttasche gezogen hatte.
Für einen Moment schaute Asuma die Rolle perplex an, ehe er sie ergriff und in seiner eigenen Tasche unterbrachte. Ein letztes Mal dreht er sich zum Dorfplatz und atmete tief durch.
»Findet den Mistkerl«, verlangte er von den Frauen und beide nickten ihm zu. »und passt auf meinen Vater auf. Im Moment richtet sich alles gegen ihn.«
»Keine Sorge, wir machen das schon«, versuchte Kurenai ihn aufzumuntern, ehe sie zwei Schritte auf ihn zu machte und ihn sanft aber mit etwas Nachdruck in die andere Richtung drehte.
»Und jetzt los! Du musst Kakashi finden«, sprach sie dann und gab ihm einen kleinen Schubs, damit er sich endlich davon machte – und er ging auch.

Nachdem Asuma endlich fort war, machten sich Tsunade und Kurenai auf den Weg zum Dorfplatz zurück.
»Läuft da was zwischen euch?«, fragte Tsunade unterwegs. Ihre Neugierde in der Sache hatte sie übermannt. Sie war immerhin eine Frau und wie alle Frauen liebten sie gute Lovestorys. Die Sache zwischen Kurenai und Asuma war grade dabei, sich zu einer zu entwickeln.
Kurenai war von der Frage jedoch so überrumpelt, das sie zunächst stehen blieb. »Was? NEIN«, rief sie aus, überlegte aber darauf noch einen Moment, ehe sie ein »Auf keinen Fall, NEIN!« nachsetzte.
Auch Tsunade war stehen geblieben und war über Kurenais Reaktion amüsiert. Sie selbst hatte das vorhandene Band bereits bemerkt, die beiden Betroffenen hatte bisher jedoch keine Ahnung, dass sich etwas in ihnen und zwischen ihnen veränderte.
»Warum nicht?«, fragte sie weiter und tat absichtlich unwissend. Sie ahnte die Antwort schon.
»Ich bitte dich«, wehrte Kurenai ab. »Wir sind Freunde. Das geht einfach nicht.«
Wie Tsunade schon vermutet hatte. Sie trauten sich nicht über die bereits vorhandene Freundschaft hinweg, aus Angst, dass sie im Nachhinein keine Freunde mehr sein konnten. Aber sie würden schon noch selbst feststellen, dass Kami manches für sie vorgesehen hatte, gegen das sie sich nicht wehren konnten. Dazu zählte auch eine romantische Verbindung.
»Wenn du meinst«, meinte sie beiläufig und erneut setzten sie sich wieder in Bewegung.
Der Dorfplatz kam schnell näher. Kein Wunder bei dem enormen Tempo, dass beide als Ninja an den Tag legten. Durch die Masse an Menschen konnten sie allerdings nicht viel erkennen. Sie beschlossen daher, die Dächer von Konoha zu erklimmen, um eine bessere Sicht zu haben.
Von oben konnten sie jede Person auf dem Dorfplatz genau erkennen und auch die Bedrängnis, in welcher sich der gesamte Dorfrat befand. Die beiden Stellen, wo es zu den Explosionen gekommen war, konnten sie ebenfalls einsehen. Auf den ersten Blick sah es aus, als wären sie von einem Jutsu verursacht worden. Um es genau sagen zu können, war jedoch eine genauere Analyse aus der Nähe nötig.
Kurenei zeigte weniger Interesse an der Menschenmenge. Sie konzentrierte ihre Blicke auf die höhergelegene Umgebung. Die umliegenden Dächer. Auf einem davon hatte sie zuvor die manipulierende Person entdeckt. Jetzt versuchte sie, es wiederzufinden.
»Kannst du ihn sehen?«, fragte Tsunade sie.
»Bisher nicht«, gab Kurenai zurück.
Einige Minuten suchte sie weiter, dann tauchten zwei ANBU neben ihnen auf.
»Verzeiht Prinzessin Tsunade, Kurenai. Derzeit darf sich außer uns niemand auf den Dächern aufhalten«, sprach sie einer der beiden ANBU an. Es war eine höfliche Frauenstimme, die sie auf diese Tatsache hinwies.
»Yugao? Das bist doch du, oder?« Kurenai glaubte, die weibliche ANBU erkannt zu haben. Sie zeigte jedoch keine Reaktion darauf, dass sie mit Namen angesprochen wurde, was in ihrer Position nicht unüblich ist.
»Wir haben ein Problem. Die Sicherheit des Dorfes ist gefährdet«, erklärte Tsunade darauf den beiden Spezialisten und sofort wurden sie hellhörig.
»Häng das zufällig mit dem Verhalten der Bewohner zusammen?«, erkundigte sich die weibliche ANBU darauf, was von Tsunade sofort bestätigt wurde.
Kurz flüsterten die zwei Spezialkräfte miteinander, ehe der männliche Part des Duos seine Zustimmung gab. »Wie können wir euch helfen?«, wollte er darauf wissen.
»Wir müssen die Person finden, die das Dorf in eine Art Massenhypnose versetzt«, klärte Tsunade ihre neuen Verbündeten auf.
»Massenhypnose?«, sprachen beide verwundert.
»Dann ist das also keine Einbildung«, stellte die weibliche ANBU darauf fest. »Sie sind wirklich nicht bei Sinnen.«
Darauf dauerte es keine fünf Minuten und sie hatten einen Plan für die Suche nach der bislang unbekannten Person.

Zur gleichen Zeit eilte Asuma durch das Dorf. Er war auf dem Weg zu Kakashis Wohnung, in der Hoffnung, dass er wirklich dort war. Etwas verwirrte ihn allerdings. Er glaubte Tsunade zwar im Bezug auf Narutos Tod, aber er war sich auch sicher, dass es Kakashi dennoch gut ging.
Tsunade hatte mit ihrer Einschätzung durchaus recht gehabt, als sie vermutete, dass der Verlust des Jungen ihn in eine ähnliche Abwärtsspirale ziehen würde, wie es damals bei Minato gewesen war. Warum war er also davon überzeugt, dass es seinem Freund an nichts fehlte? Er konnte es sich nicht erklären.
Sein Gefühl sagte ihm, dass mehr dahinter steckte und das er Kakashi finden musste, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Big 5 Fanfictions, Fanfiktionliste, Kin Hatake (Reload) abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s