Kin Hatake #009 – alles Manipulation?

Es brauchte nicht viel, um die Bewohner von Konoha glücklich zu machen – und noch weniger für das Gegenteil. Feste waren immer gern gesehen und ihre Absage sorgte dementsprechend für schlechte Laune. Das Fest am 10. Oktober hatte jedoch einen besonderen Hintergrund. Dass der Rat ausgerechnet diesem Tag seine Feierlichkeiten strich, sorgte für immense Unruhe und die Entrüstung darüber manifestierte sich auf dem Dorfplatz.
Unverständnis, Zorn und Enttäuschung waren vorherrschend und gaben den Gesprächen der Bewohner eine negative Richtung. Der Einfluss war groß, vor allem bei den Fuchsgegnern, die mehr in der Aktion sahen, wie Asuma aus einigen hassgeleiteten Diskussionen in seiner Nähe heraushören konnte.
Doch da gab es noch etwas anderes. Etwas, dass Asuma nicht genau festlegen konnte. Was sich in seiner Umgebung abspielte, war deutlich real, und doch kam es ihm Falsch vor. Wie gestellt.Seine Nackenhärchen richteten sich auf und ein leichter Schauer überkam ihm. Er fühlte sich beobachtet, doch nicht von jemandem auf dem Dorfplatz. Es kam auch nicht von den ANBU, die sich auf den Dächern postiert hatten. Als erfahrener Ninja kannte er den Unterschied zwischen den beobachtenden Augen der Wächter und den Blicken eines Fremden. Es war keiner der eigenen Leute.
Sein schweifender Blick traf Tsunade, die am Rande der Menge stand und sich umsah. Ihrem Blick nach musste sie ebenfalls bemerkt haben.
Der Rat war in Sicht. Kaum war er um die letzte Ecke vor dem Dorfplatz gebogen, schon hatte es sich wie ein Lauffeuer in der Menge verbreitet und ein Sturm aus Beschimpfungen und Verwünschungen brach los.
»Kaum zu glauben, dass sie wegen der Absage eines simplen Festes, so den Kopf verlieren«, hörte Asuma neben sich. Es waren Kurenais Worte.
Kurenai hatte das Fest am 10. Oktober noch nie gemocht. Sie gehörte zu den wenigen Menschen in Konoha, die für die Abschaffung des Festes waren. Um einen Toten zu ehren, gab es bessere Wege. Viele von Asumas Freunden teilten diese Meinung, auch wenn die Meisten von ihnen das Fest trotzdem genossen.
»Ich glaube nicht, dass es allein das ist. Irgendetwas stimmt hier nicht«, kommentierte Asuma die Aussage Kurenais.
Er beobachtete die Menge sehr genau, zumindest so weit es ihm möglich war. Um alle im Auge zu behalten, waren es einfach zu viele und aus der Menge heraus wurden viele verdeckt, weil andere vor ihnen standen. Da müsste er schon auf einem der Dächer stehen, wo sich die ANBU befinden, doch zu ihnen gehörte er nicht, weshalb er dort oben jetzt nichts zu suchen hatte.
Ein Großteil der Menge war auf den Rat fixiert und schimpfte lauthals über die getroffene Entscheidung. Nur einige wenige beteiligten sich nicht daran. Allesamt aus dem Freundeskreis von Asuma und Kurenai und keiner von ihnen sah zu den beiden. Sie warteten ab und hofften scheinbar, dass es bald vorbei war. Außer ihm und Tsunade schien niemand etwas zu bemerken.
Erneut überkam Asuma das Gefühl beobachtet zu werden, diesmal länger und intensiver als zuvor. Gänsehaut breitete sich in seinem Nacken aus und suchte sich einen Weg den Rücken hinab. Damit konnte Asuma leben, nicht jedoch mit dem aufkeimenden Gefühl von Wut und das Bedürfnis, sich den Worten der Menge anzuschließen.
Ein Seufzen entfloh, als er mit zusammengekniffenen Augen die ungewollten Gefühle verdrängte.
»Alles in Ordnung?«, fragte Kurenai besorgt. Sie hatte den Seufzer anscheinend bemerkt, trotz der Lautstärke um sie herum.
»Ja, geht schon«, erwiderte Asuma und drängte die Wut weiter zurück, was mittelschwere Kopfschmerzen verursachte.
Ein prüfender Blick zu seinem Freundeskreis zeigte ihm, dass er nicht als Einziger davon betroffen war. Auch die anderen kämpften gegen das Bedürfnis an und deutlich angespannt, fast schon verkrampf am gleichen Platz wie zuvor. Einzig Kurenai fiel aus dieser Tatsache heraus, sie war völlig entspannt und eher noch genervt von dem dämlichen Verhalten der Menge. Wie es bei Tsunade aussah, konnte er leider nicht sehen, da sich einige Größere in den Weg gestellt hatten.
»Hat was von Massenhypnose«, dachte er sich. Es waren nur diese vier Worte, die ihm durch den Kopf gingen. Nicht mehr als ein Versuch seines von schwarzem Humor getränkten Verstandes, mit der Situation umzugehen, doch die Worte blieben haften – und sie wiederholten sich. Anfangs war es noch ein leises Flüstern seines Instinkts, der offenbar gleicher Meinung war. Kurz darauf wurde es bereits von seinem Verstand übernommen, der ihm die Worte entgegenschreien, um Asuma wieder aus der Starre zu lösen, in die er offenbar gefallen war.
»Kurenai kannst du hier irgendwas Seltsames erkennen?«, wollte er darauf von seiner Freundin wissen. Ihre Kenntnisse im Bereich der Gen-Jutsus waren überragend und das es auf sie keinen Einfluss hatte, könnte ebenfalls damit zusammenhängen.
»Alles hier ist seltsam« gab Kurenai genervt zurück. Sie sah sich ebenfalls regelmäßig um und war eindeutig nicht begeistert von dem, was sie sah. »Sie steigern sich mit jeder Sekunde mehr und mehr in die Sache hinein und das aus völlig banalen Gründen, die der ganzen Aufregung gar nicht wert sind.«
»Stimmt, aber das meinte ich nicht«, kommentierte er die Beobachtungen. Seine rechte Hand wanderte in den Nacken und rieb einige Male über den Muskel. Der fremdartige Einfluss war unangenehm.
»Ich hab ein ungutes Gefühl, als wenn es hier jemanden gibt, der die Menge manipuliert. Eventuell mit einem Gen-Jutsu«, erklärte er seinen Verdacht.
Überraschung lag in Kurenais roten Augen und Asuma glaubte auch, einen Hauch Skepsis zu erkennen.
»Bist du sicher?«, wollte sie darauf wissen und sah sich gleichzeitig um, diesmal die Menschen beobachtend, mit dem Hinweis, dass sie vielleicht beeinflusst wurden.
»Nein, aber ich kann es mir nicht anders erklären«, antwortete Asuma noch, ehe ein weiterer Schwall Kopfschmerzen auf ihn eindrang. Der Schmerz, beginnend in der Stirn, zog sich nach hinten durch den gesamten Schädel, bis runter in den Nacken.
Die Person schien nicht damit zufrieden, dass sie bereit fast alle auf dem Platz in ihrem Bann hatte. Sie wollte alle und sie versuchte es immer wieder, um auch Asuma hörig zu machen. Mit jedem neuen Versuch wurden die Schmerzen schlimmer und brachten langsam aber sicher seine Abwehr zum Bröckeln. Lang wurde er das nicht durchhalten.
»Du bist die einzige Person hier, an der dieser Einfluss vorbei geht«, begann er und unterdrückte die Auswirkungen der nächsten Schmerzwelle, mit einem tiefen kontrollierten Atemzug, ehe er weitersprach. »Höchstwahrscheinlich, weil du auf dem Gebiet zugut bist, um kontrolliert zu werden. Alle anderen werden beeinflusst, sogar ich.«
»Was? Du wirst beeinflusst?«, drangen Kurenais ungläubige Worte zu ihm durch.
Sehen könnte Asuma sie nicht. Er hatte die Augen geschlossen und versuchte dem aufkommenden Schwindelgefühl zu widerstehen, dass sich als weitere Begleiterscheinung seines mentalen Kampfes herausstellte.
Ein Schlag ins Gesicht und Kurenais besorgte Versuche, eine Reaktion von ihm zu bekommen, ließen ihn die Augen wieder öffnen. »Asuma? Geht es wieder?«
»Was soll gehen?«, fragte er sie verwirrt und betrachtete sie. Ihre Sorge seinetwegen war echt, aber worauf war sie begründet? Sicher, ihm ging es nicht gut mit den Kopfschmerzen, aber war das so deutlich erkennbar?
»Du wärst grad fast umgekippt«, erklärte sie und ließ ihn vorsichtig aus einer Umarmung, die er zuvor nicht einmal wahrgenommen hatte. Prüfend sah sie ihn an und durchsuchte darauf ihre Tasche.
»Hier«, meinte sie darauf und reichte ihm ein Taschentuch. Asuma verstand jedoch nicht, wofür es gedacht war und starrte das weiße Stück Stoff nur verwirrt an.
Seufzend kam sie ihm etwas entgegen »Deine Nase blutet.«
»Scheiße«, denkt er sich und nimmt das Tuch entgegen, um es sich gegen die Nase zu drücken. Es war nicht viel Blut. Nur einige Tropfen, die wohl aufgrund der geistigen Anstrengung aus der Nase austraten, doch Asuma wusste, dass es in dieser Situation nichts Gutes bedeutete.
»Wie genau sieht dieser Einfluss aus?«, wollte Kurenai wissen, als das blutige Problem sich wieder beruhigt hatte.
»Ich muss dagegen ankämpfen, mich dem Hass in der Menge anzuschließen«, erklärte Asuma nüchtern. Als er darauf Kurenais nachdenklichen Blick sah, mit dem sie ihn betrachtete, versuchte er es genauer zu definieren. »Wer oder was auch immer das auslöst, es lässt mich meinen Vater hassen. Dabei hab ich keinen Grund dafür«
Kurenai wirkte noch immer sehr nachdenklich, als sie ihre Vermutung aussprach »So hast du es wahrscheinlich erst bemerkt, womit es dich nicht so einfach kontrollieren kann, wie die meisten Anderen.«
»Ja, vielleicht«, seufzte Asuma und rollte den Kopf durch den Nacken. »Aber je mehr ich mich dagegen wehre, je schlimmer werden die Kopfschmerzen – und schwindelig ist mir jetzt auch.«
Und wieder zieht eine Welle aus Schmerzen durch seinen Kopf, als die unbekannte Person versucht, Asuma auf seine Seite zu ziehen. Diesmal kann selbst Kurenai ihn nicht mehr halten und er geht zu Boden, wo er kniend halt findet und kaum noch einen klaren Gedanken fassen kann.
Sofort war Kurenai bei ihm. Er kann ihre Hand auf seinem Rücken spüren. »Du musst hier raus, der Einfluss ist nicht gut für dich. Durch deine Gegenwehr schadest du dir selbst«
Ein schwaches Nicken von Asuma deutete seine Zustimmung an, doch er war sich nicht sicher, ob sie es bemerkt hat.
»Wir sollten den Urheber finden, bevor du noch ernsthafte Schäden davon trägst«, schlug Kurenai vor und zog ihn darauf auf die Beine. Auch damit war Asuma einverstanden und gemeinsam suchten sie sich einen Weg aus der Menge hinaus.

Am Rande vom Dorfplatz erreichten sie einen Bereich, in dem ihr unbekannter Strippenzieher offenbar kaum bis gar keinen Einfluss hatte. Asuma ging es schlagartig wieder besser. Für einen kurzen Moment lehnte er sich an die nächste Hauswand.
Sein Blick schweifte, ging zurück zu der tobenden Menge. Vorn an der kleinen Bühne sorgten einige ANBU für Ordnung. Der Erfolg blieb jedoch aus. Die wütende Menge war derart in Rage, dass sie sich nicht beruhigen ließ. Der Rat stand bereits minutenlang auf dem kleinen Podest und versuchten der Menge zu erklären, warum das Fest abgesagt wurde, doch sie kamen einfach nicht zu Wort.
Kurenai hatte sich ebenfalls wieder zum Dorfplatz gedreht und sah sich das Spektakel aus der Entfernung an. Sie widmete ihr Hauptaugenmerk daher auf die Menge und alles andere in der Umgebung. Die Dächer mit den ANBU, den Rat auf dem Podest und betrachtete alles mit der analytischen Sichtweise einer Gen-Jutsu Meisterin.
Neben Asuma drang der Laut schneller Schritte aus der Seitegasse. Sie kamen ihm entgegen. Der spezielle Klang des Schuhwerks deutete darauf hin, dass es sich bei der herannahenden Person nicht um jemand in den typischen Ninjasandalen handelte. Eher waren es Frauenschuhe mit einem leichten Absatz.
Kurz darauf sprintete jemand aus der Gasse, an ihm vorbei und blieb ruckartig stehen. Es war Tsunade.
»Kami sei Dank! Ich muss euch nicht suchen«, gab sie von sich trat an Asuma heran, um ihn genauestens zu inspirieren.
»Wie geht es dir?«, fragte sie besorgt, während sie mit ihrem heilenden Chakra das Innere seines Kopfes überprüfte.
Er ließ es widerstandslos über sich ergehen. Für Gegenwehr würde ihm eh derzeit die Kraft fehlen. Davon mal ab, dass er noch nie zu den Problempatienten gehört hat.
»Ist schon wieder gut«, antwortet er auf ihre Frage. Es ging ihm wirklich besser. »Woher weißt du, dass was nicht gestimmt hat?«
»Ich hab gesehen, wie du fast zusammengebrochen bist und dann mit Kurenai den Platz verlassen hast. Was war los?«, fragt sie weiter, doch ehe Asuma darauf antworten kann, mischt sich Kurenai in das Gespräch ein.
»Lasst uns das später klären«, sagt sie und fügt ein sehr leises »Wir sind nicht allein« hinzu. Darauf bewegt sie sich vom Platz weg. Asuma und Tsunade folgen ihr.
Einige Straßenecken weiter bliebt Kurenai stehen und kontrollierte erneut die Gegend.
»Du hattest recht. Es liegt eine Art manipulative Illusion über dem Dorfplatz«, verkündete sie schließlich, als sie sich sicher war, dass sich niemand weiter in der Nähe befand.
Darauf wand sie sich Tsunade zu. »Ist bei Asuma alles in Ordnung?«, wollte sie von der Ärztin wissen.
»Keine Sorge, es geht ihm bestens«, versuchte Tsunade sie zu beruhigen und auch Asuma fühlte sich durch ihre Einschätzung entspannter.
Tsunades nachdenklicher Blick ging an beiden vorbei, zurück zum Dorfplatz. Sie konnten die wütende Menge noch immer hören und es schien sogar noch schlimmer geworden zu sein. »Bist du dir sicher, dass jemand die Menschen auf dem Dorfplatz beeinflusst?«
»Ja, eindeutig«, bestätigte Kurenai und überlegte kurz. »Da war jemand, den ich nicht erkennen konnte. Es wirkte wie ein Schatten ohne konkrete Form. Und es war nicht davon begeistert, dass ich es entdeckt habe.«
»Dann weißt du, wo es ist?«, wollte diesmal Asuma wissen, doch Kurenai verneinte. »Es ist sofort verschwunden«
»Und was genau hat es mit den Menschen gemacht?«, fragte diesmal wieder Tsunade.
»So, wie die sich anhören, passiert es noch immer«, deutete Asuma an. Die Tatsache bereitete ihm noch immer Gänsehaut und er fragte sich, wie lang der Unbekannte schon Einfluss auf das Dorf nahm – und aus welchem Grund. Nicht nur sein Vater, sondern auch Naruto hatte in den letzten Jahren einiges erdulden müssen. Wenn der Strippenzieher schon länger seinen Einfluss ausübte, wie viel Hass kam dann wohl allein vom Dorf? Und was bezweckte derjenige damit?
Während Asuma seinen eigenen Gedanken nachhing, erklärte Kurenai, wie sie die Art der Manipulation einschätzte: »Er nimmt irgendwie Einfluss auf die Umgebung, auf das Dorf. Wie genau kann ich allerdings nicht sagen. Es scheint sich um eine Art Illusion zu handeln, aber nicht auf der üblichen Basis eines Gen-Jutsus. Irgendwie anders«
»Dann war es also keine Einbildung«, gab Tsunade darauf von sich und seufzte darauf herzhaft.
Erneut änderte sich die Lautstärke und nahm nochmal um einiges zu, ehe alles abrupt verstummte. Die Stille hatte etwas Beunruhigendes, schien fast schon gespenstisch, doch sie war nicht von Dauer. Zwei kleinere Explosionen nahe der Menge brachen die Ruhe. Offenbar wurden sie als Signal gesehen. Als Zeichen des Anstoßes, dass weitere Tumulte auslöste.
»Wir sollten den Urheber dieses Effekts finden, bevor es nochschlimmer wird«, schlug Kurenai vor und die anderen stimmten ihr zu.

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