Kin Hatake #005 – Der Hokage

Schon am frühen Morgen war Hiruzen klar, dass dieser Tag kein ruhiger Tag werden sollte. Es war in jedem Jahr das gleiche, warum sollte es diesmal anders werden? Die halbe Nacht hatte er wach gelegen, frustriert wegen der vielen Vorfälle der vergangenen Jahre, die er nicht verhindern konnte. Auch seine Sorgen hielten ihn wach. Er befürchtete erneute Probleme.Hokage zu sein war vor Jahren eine schöne Aufgabe. Damals hatte er sich noch gefreut, das Amt des Dorfoberhauptes inne zu haben. Mittlerweile war es eher eine Bestrafung. Er konnte noch so oft versuchen, das Dorf wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, es half einfach nichts. Es gab immer etwas, was seine Bemühungen aushebelte.
Die ersten Probleme warteten auf ihn bereits, bevor er sein Büro überhaupt betreten konnte. Eine lange Schlange hatte sich vor seiner Tür angereiht. Standbesitzer und Organisatoren des Festes. Ninja, die um Urlaub baten, weil sie am Abend am Fest teilnehmen wollte, statt ihren Dienst zu verrichten. Dorfbewohner mit den unterschiedlichsten Fragen und Gäste aus anderen Dörfern, die ebenfalls fürs Fest angereist waren.
Seufzend zwängte sich Hiruzen durch die Menge, verschwand in seinem kleinen Heiligtum und ließ seine ANBU dafür sorgen, dass die Menschen vor der Tür sich benahmen. Es dauerte Stunden, bis er alle Anliegen bearbeitet hatte und mit jeder weiteren Person versank seine Laune etwas weiter in den Abgrund. Die gelegentlichen Unterbrechungen machten es nicht besser. Fast zu Anfang war ein ANBU in sein Büro gestürmt und berichtete von Problemen auf dem Festplatz. Jedes Jahr gab es dutzende Streitereien von Standbesitzer um die besten Plätze. Mitunter uferten sie sogar zu größeren Schlägereien aus, weshalb er einen Teil der ANBU dort für Ruhe sorgen ließ. Dadurch fehlten sie aber leider an anderen wichtigen Positionen. Dann gab es noch einige Gäste im Dorf, die dem Fest beiwohnen wollten. Darunter auch Gauner, die den Bewohnern das Geld aus den Taschen zogen. Im doppelten Sinne versteht sich. Einige davon hatten ebenfalls Stände und zogen ihre Kunden mit hinterhältigen Tricks über den Tisch. Andere waren in der Menge versteckt und streiften als Taschendiebe durch die Mengen, während ihre Kollegen als Schausteller die Leute unterhielten. Im letzten Jahr hatten sie eine größere Gaunerbande im Dorf, die sich gleich in sämtlichen Methoden versuchte. Alle zu finden, die zu dieser Gruppe gehörten, war nicht sehr einfach gewesen und die ANBU waren noch Tage darauf im Dauereinsatz.
Auch in diesem Jahr hatte Hiruzen bei einigen Gästen ein ungutes Gefühl, doch solange er ihnen nichts nachweisen konnte, musste er sie gewähren lassen.
All diese Probleme waren jedoch von gewöhnlicher Natur. Sie mussten immer bedacht werden, wenn ein Dorffest gefeiert wurde. Ein anderes Problem bereitete dem Sandaime weitaus mehr Sorgen. Die Attacken auf Naruto wurden immer heftiger. Egal was er sagte oder veranlasste, sie hörten einfach nicht auf. Als Dorfoberhaupt derart machtlos zu sein, frustrierte ihn weit mehr als alles andere.
Es war gegen Mittag, als Hiruzen endlich so weit Luft, dass er sich für einen Moment entspannt zurücklehnen konnte. Es gab niemanden mehr vor seiner Tür, der noch wartete. Die Schreibarbeit für den Vormittag war weitgehend erledigt. Für fünf Minuten die Augen schließen, das musste einfach drin sein.

Leise Schritte drangen durch die geschlossene Tür in das Büro des Dorfoberhauptes. Kurz darauf wurde die Tür geöffnet, mit Schwung aber nicht laut. Wer auch immer eingetreten war, schloss sie auch wieder und kam einige Schritte auf den Sandaime zu.
»Hokage-sama?«, sprach die Person und wartete ab.
Innerlich schrie Hiruzen auf, weil bereits der Nächste etwas von ihm wollte. Sein Gefühl sagte ihm, dass die angestrebten fünf Minuten Ruhe und Entspannung noch nicht vorbei waren. Es sollte recht behalten. Als er die Augen öffnete und auf die Uhr sah, zeigte sie ihm, dass es nicht einmal die Hälfte der Zeit war.
Seufzend rieb sich Hiruzen mit den Spitzen von Zeige- und Mittelfinger über die Schläfe und massierte sie. Aus dem Augenwinkel heraus erkannte er einen ANBU vor seinem Schreibtisch. Er musste ihn nicht einmal richtig ansehen, um zu wissen, um wen es sich handelte. Bereits an der Stimme hatte er ihn erkannt. Es war Kakashi.
Ausgerechnet ihn an diesem Tag vor sich zu haben bereitete Hiruzen Unbehagen. Es gab nur einen Grund für den Hatake, der ihn an einem 10. Oktober in das Büro des Hokage führen könnte – und der hatte mit einem Vorfall zu tun, der ohne Zweifel mit Naruto zusammenhängen musste.
»Was führt dich zu mir Kakashi?«, gab er entmutigt von sich.
»Es geht um Naruto.« Die Stimme des ANBU klang schwach, fast schon gebrochen. Trauer schwang ihr mit und verlieh den Worten einen besorgniserregenden Klang, der bei Hiruzen die Alarmglocken läuten ließ.
»Was ist passiert?« platzte es umgehend aus dem alten Hokage heraus. Sämtliche eigenen Sorgen und Probleme waren wie fortgespült. Naruto hatte auch bei ihm die höchste Priorität, da wurden alle anderen Aufgaben schnell egal.
Eine Antwort bekam Hiruzen aber nicht. Stattdessen beobachtete eine für Kakashi sehr untypische Reaktion. Der ANBU stand da wie in Stein gemeißelt, ohne jede Regung, nur seine Hände zitterten leicht und waren zu Fäusten geballt. Trotz Maske, die einen Teil der Geräusche verschluckte und grad die leisen Töne von Kakashi unhörbar machten, konnte der Hokage den hektischen Atem hören.
»Kakashi?«, fragte Hiruzen erneut, doch noch immer blieb eine Antwort aus.
Kakashi schien völlig abwesend und von seinen Emotionen gefangen. Würde es nicht vor seinen Augen passieren, so würde es Hiruzen nicht glauben – und doch passierte es. Er kannte den jungen Mann nicht emotional, das war Kakashi schon als Junge nie gewesen. Auch jetzt als Erwachsener verschloss er für gewöhnlich seine Gefühle und ließ niemanden nah genug an sich heran.
Besorgt erhob sich der Sandaime aus seinem Sessel und trat um den großen Schreibtisch herum auf den jungen Mann zu, der kurz davor war, sich selbst zu verlieren.
»Kakashi?« Wieder kam keine Reaktion des Angesprochenen, weshalb Hiruzen beschloss einen Blick unter die Maske zu werfen. Behutsam schob er das weiße Tiergesicht mit den blauen Streifen aufwärts und enthüllte das Gesicht des Mannes. Mund und Nase waren noch immer verdeckt, durch die dunkle Stoffmaske, die Kakashi immer trug, doch Hiruzen reichte, was er sah. Aus dem Gesicht schien jede Farbe verschwunden. Die Augen waren deutlich gerötet und ein feuchtes Glitzern zeigte sich am unteren Rand. Der Blick des Mannes war starr gradeaus gerichtet und schien durch alles hindurchzusehen. Was auch immer er sah, er war mental nicht mehr anwesend.
»Komm wieder zur Besinnung!«, forderte Hiruzen, diesmal mit mehr Nachdruck.
Der Schreck saß tief, doch Kakashis Aufmerksamkeit fand wieder in die Realität zurück. Erkennbares Anzeichen dafür war, dass er blinzelte und verstört um sich sah. Sein Körper bebte so stark, dass er das Gleichgewicht verlor und auf die Knie ging. Darauf hielt das Zittern noch für einige Sekunden, bis es abebbte und schließlich ganz verschwand.
Einige Worte murmelte Kakashi vor sich hin. Undeutlich und für den Hokage nicht verständlich.
»Geht es wieder?«, fragte der Alte. Noch immer ruhte sein besorgter Blick auf dem Anderen, der ungewöhnlich starke Probleme hatte, das gesehene zu verarbeiten. Hiruzen vermutete etwas Schwerwiegendes, sonst würde es Kakashi nicht derart aus der Fassung bringen.
»Nein« Die Stimme von Kakashi war nicht mehr als ein schwacher Hauch, als er antwortete. »Flashbacks sind scheiße!«, setzte er kurz darauf noch hinterher.
»Was ist nun mit Naruto?«, fragte Hiruzen darauf, in der Hoffnung, dass Kakashi seine Frage diesmal beantwortete.
»Es ist meine Schuld. Ich hab nicht aufgepasst. Ich«, stammelte der Hatake vor sich hin, ohne eine wirkliche Antwort auf die Frage zu liefern. »ich war nicht bei ihm!« Erneut zeigte sich das feuchte Glitzern in den Augenwinkeln von Kakashi. Diesmal quollen die Augen über und einige Tränen suchten sich ihren Weg die Wangen hinab. Offenbar gab er sich die Schuld, nur für was?
»Das erklärt mir aber noch immer nicht, was passiert ist.«
»Er …« Kakashi brach ab und haderte einen Moment mit sich selbst. »Er stirbt. Ist gestorben, ich weiß es nicht. Als ich ihn Tsunade übergeben habe, hat er noch gelebt, aber – « Erneut stockt er in seinen Worten und schien mit sich selbst zu kämpfen. »Ich soll euch holen, wegen dem Kyuubi.«
»Verstehe«, seufzte Hiruzen betrübt. Er hatte geahnt, dass es irgendwann soweit kommen würde. Ein Teil von ihm hatte immer gehofft, dass es sich hinauszögert, bis Naruto älter war und bereits dazu fähig, auf sich selbst aufzupassen und notfalls auch zu verteidigen, womit der Tod vielleicht umgangen worden wäre.
»Wenn Naruto jetzt wirklich stirbt, dann quittiere ich den Dienst«, hörte er neben sich von Kakashi. »Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht für ein Dorf kämpfen, das so einen Hass für ein unschuldiges Kind aufbringt. Das geht gegen alles, wofür Konoha steht.«
»Ich kann dich verstehen. Ich würde meinen Posten auch gern abgeben.« Das war eine Tatsache, über die der alte Sarutobi sehr oft nachdachte. Der Zeitpunkt war nur nicht der Richtige dafür. »Leider gibt es derzeit niemanden, der mein Amt vernünftig ausführen würde. Danzo würde zudem alles dafür tun, dass er zum nächsten Hokage ernannt wird.«
»Danzo! Wegen ihm haben wir diese Probleme doch erst.« blaffte Kakashi mit bissiger Stimme. Er mochte den Ältesten nicht. Keinen der Drei.
»Ich weiß, nur können wir ihm das nicht nachweisen.« Neben sich hörte er Kakashi seufzen. »Na komm«, forderte er den Jüngeren auf und streckte ihm eine Hand hin. »Erzähl mir unterwegs, was passiert ist.«

Es dauerte keine fünf Minuten bis zum Krankenhaus. Beide beeilten sich, dort anzukommen. Auf dem Weg dahin fasste Kakashi das Geschehene in einem kurzen Bericht zusammen, der alles Nötige erklärte.
»Wir haben also 3 Tätergruppen, die Naruto nacheinander attackiert haben – und der Letzte hat ihn in den Wald gejagt und dort gefoltert«, fasste Hiruzen zusammen und war erzürnt über die Brutalität, die sein Dorf wieder an den Tag gelegt hatte.
»Tsunade war sich nicht sicher, ob sie ihn retten kann. Die gebrochene Rippe hat wohl die Lunge durchbohrt. Dass er überhaupt noch gelebt hat, grenzte ihrer Meinung nach schon an ein Wunder.« berichtete Kakashi weiter. Er hatte seine ANBU-Maske wieder über das Gesicht gezogen und zeigte sich wieder ganz professionell und ohne jede Emotion.
Sie hatten das Gebäude bereits betreten und durchquerten einige lange weiße Gänge, bis sie zu den OP Sälen kamen. Im Wartebereich konnten sie Iruka entdecken. Er saß auf einer Bank, zusammengesunken wie ein Häufchen Elend. Neben ihm befand sich eine Krankenschwester, die sich offenbar um ihn kümmern sollte.
Kurz bevor Hiruzen und Kakashi bei den beiden ankamen, sah die Krankenschwester zu ihnen auf und sprach sie auch direkt an. »Hokage-sama. Tsunade möchte sie umgehend in Saal 2 sehen.«
Innerlich seufzte der Sandaime auf. Es konnte nichts Gutes verheißen, dass Tsunade ihn zu sich bat, statt selbst aus dem OP zu kommen. »Was ist mit dem Jungen?«, fragte er trotzdem nach, auch wenn er die Antwort bereits ahnte.
»Er hat nicht überlebt.« Die Worte der jungen Frau bestätigten es Hiruzens Befürchtung. Vor ihm saß Iruka, ähnlich aufgelöst wie zuvor Kakashi, nur weit emotionaler. Er hatte sich immer gern um Naruto gekümmert, so wie um alle seine Schüler. Es war daher klar, dass es dem Lehrer nahegehen würde, dass grade Naruto nun verstorben war.
Der Weg zum zweiten OP Saal war nicht weit. Er lag direkt um die Ecke. Eine schwere gläserne Tür trennte den Flur mit den Sälen vom Wartebereich ab. Für gewöhnlich war sie geschlossen, doch diesmal hielt man sie offen. Ein Keil war am unteren Rand eingeklemmt und hielt sie an ihrer Stelle.
Als er die Schwelle durchschritt, sah er Tsunade rückwärts aus dem linken Saal taumeln. Sie hielt die Arme schützend vor sich in Erwartung eines Angriffs.
»Tsunade?«, sprach er sie an und ging weiter auf sie zu.
»Es tritt Chakra aus«, antwortete sie ihm, ohne ihn dabei anzusehen.
»Wo sind die anderen?«, fragte Hiruzen darauf und blieb neben seiner ehemaligen Schülerin stehen.
»Ich hab sie weggeschickt, nachdem Naruto eindeutig tot war. Kyuubis Chakra sollte sie nicht gefährden«, erklärte sie und darauf sahen sie gemeinsam in den Raum hinein.
Rotes Chakra kreiste um Narutos toten Körper. Es drang an der Stelle aus, wo das Siegel lag, um den Bauchnabel herum. Neben Hiruzen und Tsunade erschien Kakashi, der auch Iruka dabei hatte. Alle vier sahen sie mit an, wie mehr und mehr der roten dämonischen Energie aus dem Kinderkörper hervortrat und ihn langsam einhüllte.
Das Chaos war nicht weit entfernt. Um Schlimmeres zu verhindern musste sie schnell handeln. »Wir müssen ein weiteres Siegel anbringen, sonst bricht der Fuchs aus«, begann der Hokage und überlegte bereits, welches die Masse an Chakra zurückhalten könnte.
»Was für ein Siegel ist stark genug, um ein Dämon in einem toten Körper zu bannen?«, fragte Kakashi neben ihm.
»Keines«, antwortete Hiruzen ehrlich. »Aber wir können eines anbringen, was den Ausbruch verzögert. Damit bekämen wir etwas Zeit.«
»Ich mach das!«, sprach der Hatake selbstsicher. Er wollte es unbedingt, daran konnte niemand zweifeln. Seine Entschlossenheit war deutlich erkennbar. »Welches Siegel soll ich nutzen?«
»Das Siegel der Chakraunterdrückung wäre möglich. Leg man es als verbundene Dreiereinheit um das Hauptsiegel an, könnte es den ursprünglichen Effekt verstärken«, schlug Tsunade vor.
»Ja, das musste gehen«, bestätigte Hiruzen und gab Kakashi darauf die Erlaubnis es zu versuchen.
Vorsichtig betrat Kakashi den Raum. Das rote Chakra kreiste sehr weitläufig und er musste aufpassen, um nicht davon getroffen oder gezielt angegriffen zu werden. Durch seine behutsamen Vorstöße zu Narutos Leichnam kam er nicht schnell voran, aber er gelangte sicher ans Ziel.
Dort angekommen hatte er größte Mühe gegen den aufkommenden Brechreiz anzukämpfen. Was dem Jungen angetan wurde, war schrecklich und so nahe, wie er dem toten Körper nun war, konnte er das gesamte Ausmaß der Folter deutlich erkennen.
Um sich auf seine Aufgabe konzentrieren zu können, atmete Kakashi einmal tief durch und zählte im Geiste einen Countdown runter. Zunächst musste er das Siegel freilegen. Derzeit befand sich ein Verband um den Bauch des Jungen, den er mit einem Kunai schnell aufschnitt.
Um die richtigen Stellen für sein Siegel zu finden, legte Kakashi eine Hand auf den Bauchnabel, um den Wirkungskreis zu analysieren. Soweit kam er jedoch nicht. Kaum war die Hand zum Liegen gekommen, schoss Kyuubis Chakra in Massen aus dem Siegel. Es hüllte Naruto ein, Kakashi ebenso und leuchtete derart extrem hell auf, dass alle geblendet waren.

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