Kin Hatake #003 – Die Suche nach Naruto

Datum: 10. Oktober – Morgens 10:40 Uhr

Seufzend lehnte Iruka seinen Kopf gegen den Holzrahmen. Erneut stand er vor der Tür seines Schülers und wartete vergeblich auf eine Reaktion. »Naruto.  Mach doch bitte auf«, sagte er noch einmal, doch auch nach mehreren Minuten geschah nichts.
Hinter dem Lehrer war der dumpfe Aufprall zweier Schuhe auf Holz zu hören. Kaum wahrnehmbar, doch in der Stille von diesem Teil des Dorfes war es für ihn deutlich genug. Schnell drehte er sich um und sah den ANBU an, der hinter ihm gelandet war.»Hast du was gefunden?«, fragte Iruka ihn voller Hoffnung, als er erkannte, dass es sich um die Maske von Kakashi handelte.
»Nein, alle Fenster sind fest verschlossen. Die Vorhänge sind zugezogen. Wenn er dadrin ist, dann will er nicht gesehen werden.« Schon während Kakashi antwortete, kramte er in seiner kleinen Tasche, die er links über seinem Gesäß am Gürtel trug. Hervor holte er einen Schlüsselbund. Wohl sein Eigener, denn es hangen mehrere kleine und große Schlüssel an dem Ring. Einer von ihnen war mit einem gelben Faden markiert. Genau diesen nahm sich Kakashi zur Hand und führte ihn zur Tür.
Für Iruka schien es eine Ewigkeit zu dauern, bis die Tür offen war. Quälend langsam nahm er Kakashis Bewegungen wahr. Sekunden dauerten Minuten, wenn nicht sogar Stunden, so gespannt waren seine Nerven. Es war unerträglich, wie sich der ANBU vor seinen Augen in Zeitlupe bewegte. Metallisches kratzen war zu hören, als der Schlüssel in das Schloss glitt. Ein Klicken folgte, als der Schlüssel gedreht wurde und das Schloss entriegelte.
Quietschend schwang die Tür auf, nachdem sie einen kleinen Stups bekommen hatte, und gab die Sicht auf das Innere frei. Ein Flur war zu sehen, noch sehr ordentlich. Nach hinten hin führte er in die 1-Zimmer Wohnung des Jungen. Seitlich ging links nur eine Tür vom Flur ab, hinter welcher sich das Bad befand. Ein kurzer Blick reichte jedoch, um zu wissen, dass Naruto sich nicht dortdrin befand.
Zum Wohnraum hin war keine Tür im Flur eingelassen. Direkt links um die Ecke an der Wand befanden sich zwei Körbe. Einer davon war mit Toast, Nutella und vielen Packen Instant-Ramen befüllt. Keine besonders gesunde Art sich zu ernähren, aber es war billig und füllte den Magen. Im anderen Korb befand sich ein offener Müllbeutel, der wahrscheinlich darin Stand, damit er nicht umfiel, sowie einiges an Haushaltszeug.
Neben den beiden Körben befanden sich 2 Säcke. Einer war aus Plastik und enthielt ebenfalls Wäsche. Diese Kleidung war eindeutig kaputt. Der Sack daneben war aus dunklem Stoff und enthielt Dreckwäsche. Ein richtiger Sack war es auch nicht, sondern eher ein zweckentfremdeter alter Kopfkissenbezug, den Naruto allen Anschein nach aus dem Sperrmüll gefischt hatte.
An der Wand gegenüber war Narutos Bett, oder eher dass, was Naruto als sein Bett bezeichnete. Es bestand nur aus einer alten aussortierten Matratze, die er höchstwahrscheinlich ebenfalls aus dem Sperrmüll hatte. An einigen Stellen schauten sogar die metallischen Federn heraus. Das Kissen und die beiden Decken, die darauf lagen, waren eher als Flickenteppiche zu erkennen. Neben der Matratze stand ein kleiner verbeulter Frosch mit einer großen Uhr als Bauch, der die Funktion von Narutos Wecker übernommen hatte.
Hinten an der Wand beim Bett befand sich zudem ein Wäschehaufen. Dort erkannte man noch so etwas wie Ordnung zwischen den einzelnen Wäschestücken, die nicht wirr übereinander lagen. Narutos frische Kleidung.
Die Fläche zwischen Flur und Bett war etwa so groß, dass ein Erwachsener fünf große Schritte brauchte, um den Raum zu durchqueren. Vorausgesetzt er hatte freies Feld, doch das war bei Naruto nicht der Fall. Es herrschte das übliche Chaos. Überall lag etwas rum. Ordnung hatte der Junge nie richtig lernen können. Wie auch, wenn es niemandem gab, der es ihm zeigt. Zudem gab es in der Wohnung nicht einmal Regale oder Schränke, wo Naruto etwas unterbringen könnte. Einzig im Bezug auf die Wäsche schien Naruto ordentlich zu sein. Schriftrollen, Zettel und Stifte lagen einfach so auf dem Fußboden herum. Gleiches galt sogar Narutos Kunai und Shuriken, welche großflächig auf dem Boden verteilt zusehen waren. Ein Wunder, dass Naruto noch in keinen hineingetreten war.
Von dem Jungen war in der Wohnung nichts zu sehen. Eine Möglichkeit sich dort zu verstecken, hatte Naruto nicht. Gesehen hätten sie ihn daher auf jeden Fall, wäre er Zuhaus gewesen. Wie zuvor angekündigt, rief Kakashi seine Hunde und ließ sie in der Wohnung den Geruch des Jinchuuriki aufnehmen. Es dauerte nicht lang und sie wuselten auch schon los, mit den Schnauzen auf dem Boden und folgten der Spur.

Sie waren noch nicht weit von Narutos Wohnung entfernt, Kakashi schätzte es auf etwa 200 Meter, da hielten seine Hunde an. Bisher waren sie dem Verlauf der Straße gefolgt. Den Weg ging Naruto an jedem Morgen, wenn er sich zur Akademie begab. Offenbar hatte er wirklich vorgehabt, sein Versprechen einzuhalten und zur Schule zu kommen.
Um die beiden Männer herum liefen die Hunde und schnüffelten den Platz ab. Der kleine Mops Pakkun war der Anführer der sieben Spürnasen und beäugte den gesamten Ort kritisch. Langsam ging er der Spur nach, hielt mehrmals an und schnupperte in der Luft, ehe er seinen Weg fortsetzte.
»Naruto ist hier angegriffen worden. Dem Geruch nach von drei Jungen zwischen 12 und 15 Jahren. Sie haben ihn an die Mauer gedrückt und verprügelt.« berichtete Pakkun schließlich.
»Und was ist dann passiert?« Kakashi wusste, dass Pakkun eine außerordentliche Begabung für das Erschnüffeln von Tatsachen hatte. Der kleine Mops konnte viel mehr im Geruch der Umgebung erkennen, als andere Hunde. Eine Begabung, bei der sogar die Inuzuka gelegentlich neidisch wurden.
»Jemand ist dazwischen gegangen. Wenn mich meine Nase nicht täuscht, müsste das Gai gewesen sein.« Noch immer hielt der kleine Mops seine Schnauze hoch. Mehrmals sog er die Luft durch seine Nase und versuchte sich ein genaueres Bild zu machen. »Es war Gai, allerdings riecht er heute Morgen sehr seltsam. Er scheint ein neues Deo ausprobiert zu haben. Dieser Duft geht ja mal gar nicht.« endete Pakkun in angewidertem Ton und schüttelte sich darauf ausgiebig.
Hinter seiner Maske musste Kakashi grinsen. »Ich werd ihn darauf hinweisen. Und was war als Nächstes?«
»Die drei Jungs haben von Naruto abgelassen und sind dann weggelaufen. In diese Richtung«, deutete der kleine Mops mit einer Kopfbewegung an und schaute darauf dorthin, wo sie herkamen.
Darauf wandte Pakkun sich wieder zur anderen Seite. »Naruto ist weitergegangen, wieder den Weg zur Akademie entlang und Gai blieb wohl noch einen Moment stehen und schaute ihm nach. Er ging dann aber in eine andere Richtung weiter.«

Erneut folgten sie der Spur des Jungen. Den Straßenverlauf entlang um weitere 300 Meter. Die Akademie war es nicht mehr weit entfernt. Keine fünfzig Meter weiter war bereits der kleine Park mit dem Teich. Daneben der große Spielplatz, der auf der anderen Seite an das Akademiegelände grenzte.
Noch bevor Naruto den Park erreichen konnte, hatte man ihn ein weiteres Mal attackiert. Laut Pakkun waren es zwei Männer, die ihn kurz vor dem Park in eine Seitenstraße gezerrt hatten. Wenige Dutzend Meter entlang, bis in einen kleinen Hinterhof. Dort hatten drei weitere Männer gewartet. Alle zusammen schlugen sie auf den Jungen ein und verprügelten ihn. Über viele Minuten hinweg, bis sie ihn schließlich liegen ließen und nicht weiter für ihn interessierten.
Der gesamte Hinterhof wurde von Kakashis Hunden systematisch abgeschnüffelt. Sie suchten alle Hinweise zusammen, um Naruto zu finden. Durch Pakkun konnten sie zudem sehr gut feststellen, was alles passiert war. Ein enormer Vorteil für Kakashi, der am Ende der Suche dem Hokage berichten musste.
»Hier, hier, hier, hier«, trällerte ein kleiner hellbrauner Hund mit dunkelbraunen herabhängenden Ohren und dunklen Pfoten. Aufgeregt und schwanzwedelnd hüpfte er vor der Holzmauer im Kreis und wartete darauf, dass Kakashi sich seine Entdeckung ansah.
»Ist ja gut Bisuke.« Beruhigend strich Kakashi mit der linken Hand über den Kopf des Hundes und kraulte ihn kurz hinter den Ohren. »Was hast du gefunden?«
»Hier ist eine Kerbe im Holz.« berichtete Bisuke und stupste mit seiner Schnauze unter die Stelle, damit sein Herr sie genau sehen konnte. »Darin ist etwas Blut von Naruto.«
»Hm«, brummte Kakashi vor sich hin und begutachtete den Fund. »Für einen Kunai ist die Vertiefung zu klein. Und auch zu schmal. Es wird ein Shuriken gewesen sein.«
Darauf wandte sich der ANBU wieder Bisuke zu, der ihn angespannt beobachtete. »Hast du gut gemacht.« lobte er den Hund. Kaum hatte er das ausgesprochen, hüpfte Bisuke freudig über den Hof und Suche weiter.
Auf der anderen Seite war Pakkun neben Kakashi aufgetaucht und schnupperte ebenfalls am Fund. »Das war keiner der 5 Männer, die Naruto verprügelt haben. Dieser hier kam erst Minuten danach und ging dann auf ihn los. Er hat den Platz auch nicht vorher betreten. Erst als er sich ein Werkzeug wiedergeholt hat.«
Ruhig hörte sich der ANBU an, was seine Superspürnase zu berichten hatte. »Weiß du, wer es war?«, wollte er darauf wissen.
Für einen Moment zögerte der kleine Hund, ehe er antwortete. »Nein, aber er kommt mir bekannt vor.« Pakkun wirkte etwas unsicher bei dieser Aussage. Etwas, dass selten vorkam, wie Kakashi wusste. Inwiefern diese Tatsache von Bedeutung war, würde man sehen. »Er ist Naruto gefolgt, als der dann wegelaufen ist.«
»Dann hinterher.« forderte Kakashi und stand auf. Seine Worte glichen einem Kommando, auch wenn sie nicht als solches ausgesprochen waren. Noch in der gleichen Sekunde stürmten die Hunde davon, Narutos Geruch hinterher, der durch das verlorene Blut jetzt noch intensiver war, als bisher.

Die Spur führte nicht zurück zum Hauptweg, dass hatte Pakkun aber schon eher gerochen. Naruto war der Seitenstraße bis zum Ende gefolgt, hatte sich dort durch eine kleine Gasse gezwängt und kam auf der anderen Seite schließlich auf einer großen Straße an, deren Verlauf er in westlicher richtung zum Tor folgte. Der letzte Angreifer folgte ihm den ganzen Weg, lief dabei jedoch über die Dächer.
Am Tor angekommen hatte sich Naruto hinter den Wachen aus dem Dorf geschlichen und war in den Wald gelaufen. Nicht zum ersten Mal war er dorthin geflüchtet. Der Junge war oft im Wald. Es gab viele Verstecke dort. Einige davon waren so gut, dass nicht einmal Kakashi und Pakkun ihn aufspüren konnten. Sie wussten zwar, dass er in der Nähe war, aber nie wo er sich befand.
Auf ihrer Suche folgten sie ihm nun in den Wald, in der Hoffnung, das Naruto seinem Verfolger entkommen war. Sie brauchten jedoch nicht lang, um an die Stelle zu gelangen, an der sich das Gegenteil herausstellte.

 

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