Kin Hatake #002 – Der Sensei

Morgens 7:55 Uhr

Ungeduldig stand Iruka am Fenster des Lehrerzimmers. Er hielt Ausschau nach einem ganz bestimmten Schüler, Naruto. Bisher hatte er den Jungen nicht kommen sehen. Ein winziger Teil in ihm hoffte, dass er den blonden Jungen nur übersehen hatte. In der Masse an Kindern, die bereits durch das Tor gekommen waren, wäre es durchaus möglich gewesen. Doch Iruka wusste es besser.Naruto war sein Sorgenkind. Der Junge zeigte sich immer gut gelaunt und unbeschwert, doch Iruka erkannte die Wahrheit. Das aufgesetzte Lachen und die Trauer in seinen Augen. Die winzigen Unterschiede zwischen echter und gestellter Emotion, die nur einer erfahrenen Person auffiel. Diese Kleinigkeiten machten dem Lehrer deutlich, wie sehr der Junge litt. Naruto war alles andere als ein fröhliches Kind.
Auch als die Schulglocke zum Unterrichtsbeginn läutete, war von dem Jungen noch nichts zu sehen. Seufzend griff sich Iruka seine Sachen und machte sich auf den Weg zum Klassenraum. Vielleicht hatte er ja Glück und Naruto war doch schon da. Er bezweifelte es jedoch stark, obwohl Naruto es ihm versprochen hatte, dass er dieses Mal pünktlich zum Schulbeginn anwesend wär. Sie hatten schließlich nicht irgendeinen Tag, sondern den 10. Oktober. Das war kein Tag, an dem Naruto seine Wohnung gern verließ.
Im Klassenraum musste Iruka seinen Blick nur kurz schweifen lassen, um zu wissen, dass Naruto nicht anwesend war. Aber er hatte es ja geahnt. Etwas Zeit wollte er dem Jungen noch geben, vielleicht kam er ja noch.

Zwei Schulstunden später war Pause für die Kinder und Naruto war noch immer nicht aufgetaucht. Iruka hatte zudem in der dritten Stunde eine Freistunde und beschloss, die Zeit zu nutzen. Er musste sicher sein, dass es seinem Schüler gut ging. Sein erster Weg führte ihn zu Narutos Wohnung, doch auch nach mehrmaligem Klopfen kam keine Reaktion. Nicht einmal das leiseste Geräusch drang aus dem Inneren. Offenbar war der Junge nicht zuhaus.
Die darauffolgenden Minuten hastete Iruka durch das Dorf. Er suchte verschiedene Orte auf, von denen er wusste, dass Naruto sich gern dort aufhielt. Seine Suche blieb jedoch erfolglos. Die Zeit arbeitete gegen ihn. Zur vierten Stunde musste er sich wieder in der Akademie einfinden. Er dachte bereits ans Aufgeben und war auch schon auf den Rückweg, als ihm am Dorfplatz die Feststände auffielen. Viele waren bereits aufgebaut, doch an einigen Stellen herrschte Streit statt eifriger Aufbau. Drei ANBU konnte er erkennen, die sich mit verschiedenen Parteien befassten. Jedes Jahr derselbe Unsinn. Eine der ANBU-Masken war ihm sogar sehr vertraut. Mit der Person dahinter hatte er öfter zu tun. Vor allem, wenn es um Naruto ging. Zu Irukas Glück schien der Mann seine beiden Streitparteien endlich beruhig zu haben.
Zielstrebig ging der Chunin auf den Mann zu, von dem er sich Hilfe erhoffte. Es dauerte nicht lang und er wurde bemerkt, noch bevor er bei dem ANBU angekommen war.

Morgens 10:20 Uhr

Seit 7 Uhr war Kakashi von der Nachtwache erlöst. Jetzt war es bereits nach 10 Uhr. Mehr als 3 Stunden durfte er sich bereits das Theater auf dem Festplatz antun. Hatte er einen Streit geschlichtet, ging es direkt an der nächste Stelle weiter. Es war sogar so schlimm geworden, dass einige Kollegen eingreifen mussten, um die Menge zu beruhigen.
Der 10. Oktober war ein furchtbarer Tag. Er begann furchtbar, behielt diesen Zustand bei und endete schließlich auf die gleiche Weise. Der Stress und die vielen Konflikte, die sich an diesem Tag ergaben, war einfach unfassbar. Hingen die Ereignisse nicht mit Naruto zusammen, so war es das Fest am Abend, dem alle entgegen fieberten. Es machte die Bewohner unruhig und reizbar. Alles musste perfekt sein für ihren Helden, dabei bekam Minato nicht einmal mit, was sein einstiges Dorf hier veranstaltete. Die Menschen konnten von Glück reden, dass er es nicht wusste. Würde er es wissen, würde er sich vor Scham im Grab umdrehen, bei dem was sie seinem Kind bereits alles angetan haben, während sie ihn auf ein Podest stellen und feiern wie einen Gott.
Jedes Jahr aufs Neue fragte Kakashi sich, wie dieses Fest überhaupt zustande kam. Welcher Bewohner hatte wohl die glorreiche Schnapsidee? Es gab viele Personen, die dafür in Frage kamen.
Das Fest an sich war Kakashi völlig egal. Er würde es eh nicht besuchen. Er hatte nur Augen für eine Person und die befand sich weit weg vom Festplatz. Naruto feierte seinen Geburtstag einsam und allein. Verlassen von der Welt. Wenn es ihm schon nicht offen gestattet war, dem Jungen Gesellschaft zu leisen, so wollte er wenigst als ANBU in dessen Nähe sein. Einige Male hatte er sich mit Naruto bereits unterhalten. Immer hatte er dabei seine Maske getragen. Wer dahinter steckte, wusste der Kleine nicht.
In diesem Jahr war Kakashi am Überlegen, ob er seinem Schützling nicht ein besonderes Geschenk machte. Etwas, das nur der Junge sehen durfte. Ein ANBU im Dienst durfte seine Maske nicht abnehmen, aber für Naruto wollte er eine Ausnahme machen. Er sollte sehen, wer die Person ist, die ihn jedes Mal beschützte, damit er etwas hatte, an dem er sich festhalten konnte. Er sollte wissen, dass es einige wenige Menschen gibt, denen er nicht egal war.

Grade erst war er die letzten beiden Streithähne losgeworden, da hörte er an einer anderen Stelle schon die nächsten Zanken. Genervt seufzte er auf und sah sich einmal um. Eine Person auf dem Platz gehörte nicht dorthin und sie kam direkt auf ihn zu. Der Chunin Iruka Umino war ein guter Bekannter von Kakashi. Eine Person, von der er sich Erlösung versprach. Was auch immer Iruka wollte, sein Anliegen würde ihn sicher von den verrückt gewordenen und streitsüchtigen Standbesitzern wegführen.
»Hallo Iruka, was kann ich für dich tun?«, empfing er den Lehrer.
»Hast du heute schon Naruto gesehen?«, kam es prompt von diesem zurück. Kein Gruß, weder mit Worten noch per Handschlag kam von dem Mann. Aber das war auch nicht nötig. Einen ANBU grüßte man nicht. Selbst wenn man wusste, wer sich unter der Maske befand.
»Nein.« war die schlichte Antwort des Maskierten.
Iruka seufzt leise auf, so dass nur Kakashi es hören kann. Gezwungen ruhig klang seine Stimme, als er sich erneut äußerte: »Ich kann ihn nicht finden.«
»Er wird sich Zuhaus verbarrikadiert haben. Er geht nicht vor die Tür, wenn wir diesen Tag haben«, versuchte der Hatake ihn zu beruhigen.
»Das dachte ich auch zuerst, aber er scheint nicht Zuhaus.« Diesmal schwang deutliche Unruhe in der Stimme mit und der Blick des Chunin strahlte pure Verzweiflung aus. »Ich mache mir Sorgen. Ich habe ihn dazu überredet, dass er heute in die Schule kommt – aber da kam er nicht an und jetzt ist er verschwunden.«
Beruhigend legte Kakashi einen Arm um die Schultern von Iruka und zog ihn mit sich. Sie mussten vom Platz herunter, wo es zu viele neugierige Ohren gab. Nach nur ein paar Dutzend Schritten betraten sie eine Seitenstraße. Dort war nahezu nichts los, da alle Aktivität des Dorfes auf dem Festplatz gebündelt schien.
Nachdem sie sich etwas vom Platz entfernt hatten, warf Kakashi sorgsam einen prüfenden Blick um sich. Auf ungebetende Mithörer konnte er verzichten. Als er sicher war, dass sie allein waren, wandte er sich wieder Iruka zu. »Wir werden jetzt bei Naruto zuhaus vorbeischauen. Ich hab einen Schlüssel für seine Wohnung. Vielleicht ist er ja doch dort und hat sich nur nicht getraut aufzumachen.«
»Und wenn er nicht dort ist?«, wand Iruka ein. Hibbelig verlagerte sein Gewicht immer wieder von einem auf den anderen Fuß und sah sich dabei ebenfalls nach Mithörern um. Er glich einem Paranoiden, der unter Verfolgungswahn litt und hinter jeder Ecke jemanden vermutete, der nicht existierte. Nur das Iruka damit nicht so paranoid war, wir es aussah.
Es gab tatsächlich Menschen in Konoha, die um jeden Preis verhindern wollten, dass Naruto Fürsorge bekam, von welcher Person auch immer. Kakashi als ANBU hatte es da noch gut. Er handelte auf Befehl des Hokage und hatte ein Auge auf Naruto. Zivilisten verschwanden jedoch für gewöhnlich spurlos, sobald sie Naruto mit Sympathie begegneten. Wer auch immer dahinter steckte, schien verhindert zu wollen, dass der Junge Hilfe bekam.
Ob Iruka ebenfalls gefährdet war, wussten beide Männer nicht. Er war ein Chunin und im Ninjadienst und somit kein Zivilist. Seine Qualitäten als Akademielehrer waren herausragend. Die besten jungen Genin kamen allesamt aus seiner Obhut. Ihn ebenfalls verschwinden zu lassen, wäre sehr unklug und würde dem Dorf nicht gut tun, auch wenn die Meisten Bewohner von Konoha sich dessen sicher nicht bewusst waren. Vorsichtig waren Kakashi und Iruka dennoch, sie wollten nicht zuviel riskieren.
»Iruka beruhige dich wieder. Solang du in meiner Nähe bist, wird dir nichts passieren. Zeig dich etwas ernster, vielleicht sogar sauer, weil Naruto wieder nicht in der Schule war. Wenn es den Anschein hat, dass du ihn suchst, weil er wiedereinmal unerlaubt dem Unterricht fernbleibt, dann hast du eine gute Begründung. Du als sein Lehrer bist während der Schulzeit immerhin für ihn zuständig.«
Seufzend zwingt sich Iruka zur Ruhe, auch wenn es ihm schwerfällt, er darf seine Sorge um Naruto nicht so offen zeigen. Er konnte nur hoffen, dass seine Worte auf dem Festplatz nicht von den falschen Leuten gehört wurden. »Ist ja gut. Ich mache mir halt Sorgen. Du kennst mich, ich kann einfach nicht anders.«
»Ja, du bist und bleibst ein sentimentaler Idiot.« Hinter seiner ANBU-Maske grinste Kakashi breit. »Aber genau das zeichnet dich aus und macht dich zu einem so guten Lehrer. Du gehst auf deine Schüler ein und versuchst ihnen auch da zu helfen, wo alle anderen nur wegsehen.«
Diese Worte waren wie Balsam für Irukas derzeitige Verfassung. Er wusste, dass er es richtig machte, egal was andere vielleicht sagten. Ein winziges dankbares Lächeln huschte über seine Lippen. Nur kurz, aber Kakashi hatte es gesehen.
Erneut legte Kakashi seinen Arm um Irukas Schultern »Und nun komm, wir müssen schauen, ob Naruto Zuhaus ist. Und wenn er es nicht ist, dann werden wir ihn suchen. Mit allen Hunden, die ich habe.« und darauf zog er den Chunin einfach mit sich.

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Eine Antwort zu Kin Hatake #002 – Der Sensei

  1. tsunamiofdreams schreibt:

    I love the story💗

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