Kin Hatake #001 – Der ANBU

Morgens 4:10 Uhr

In Gedanken versunken hockte Kakashi Hatake auf seinem versteckten Wachposten. Kühle Nachtluft umgab ihn. Hin und wieder streifte ihn eine leichte Briese und ließ ihn frösteln. Seine Augen hatte er geschlossen. Doch auch mit offenen Augen würde er nicht viel erkennen. Die Nacht war bewölkt und dementsprechend dunkel.
Unter ihm auf der Straße befand sich das Wachhäuschen am Nordtor von Konoha. In dieser Nacht hatten Genma und Hayate den regulären offenen Wachdienst. Begleitet wurde dieser von Kakashi und zwei weiteren ANBU, die sich in der Nähe versteckt hielten.

Nachtwache war eine der Aufgaben, die Kakashi am Wenigsten leiden konnte. Nachts war einfach nichts los. Die Stille, die mit der Dunkelheit einherging, brachte seinen Verstand auf Touren. Lies die Gedanken kreisen und lenkte ihn ab. Lesen durfte er während des Wachdienstes nicht – zumindest als ANBU war es verboten, sich mit Dingen abzulenken, die nichts mit der Aufgabe zutun hatten. Er musste immer und zu jeder Zeit voll einsatzbereit sein. Wäre er jetzt unten in der Hütte und würde seinen Dienst offen ausführen, wäre es kein Problem.
Innerlich seufzte er auf. Warum hatte er sich auch ausgerechnet für eine Doppelschicht melden müssen? Die schlaflose Nacht hätte er auch Zuhaus verbringen können. Schlaflos wäre sie in jedem Fall geworden. Schließlich begann in dieser Nacht nicht irgendein Tag, sondern DER Tag. Seit genau 2 Stunden war es auf den Zeitpunkt genau 10 Jahre her.
Für die meisten Bewohner war es ein Festtag. Für Kakashi war es jedes Jahr eine Qual. Der 10. Oktober. Der Tag, an dem der Kyuubi Konoha heimsuchte. Der Tag, an dem der Yondaime Hokage sein eigenes Leben aufgab und für die Rettung seines Dorfes und seiner Familie opferte. Der Tag, an dem der Sohn des Mannes geboren wurde. Letzteres war den meisten Bewohnern nicht einmal bekannt.
Der Junge hatte den Namen Naruto Uzumaki bekommen. Uzumaki war der Clan seiner Mutter. Zu Minato Namikaze, dem Yondaime Hokage, konnte daher niemand eine Verbindung herstellen. Seltsam eigentlich, denn Minato und Narutos Mutter Kushina waren bereits seit Jahren ein Paar. Im ganzen Dorf wusste man davon. Zudem sah der Junge genau so aus wie sein Vater und je älter er wurde, je deutlicher war er erkennbar. Er hatte die gleichen blauen Augen. Seine blonden strubbeligen Haare standen in alle Richtungen ab, genau wie bei Minato. Sogar das Lachen war dasselbe.
Die Bewohner Konohas waren für diese Tatsache allerdings blind. Für sie war der Junge nichts weiter als der Fuchsbengel. Das Kind, was den Kyuubi in sich trug. Das kam daher, dass Minato damals den Fuchs in seinem Sohn versiegelt hatte, um das Dorf zu beschützen. Naruto trug den Fluch eines Jinchuuriki. Führte ein Leben abgekapselt von allen anderen, von der Bevölkerung gemieden und bestraft. Allen Jinchuurikis erging es in dieser Hinsicht gleich. Sie wurden gehasst für das, was sie sind, dabei sollten die Menschen dankbar dafür sein, dass es sie gab. Immerhin beschützten sie alle anderen, indem sie den Dämon in sich bewahrten, wo er nichts anstellen konnte.

Stimmen rissen Kakashi aus seinen Gedanken. Neben den leisen Stimmen von Genma und Hayate war noch eine dritte Stimme zu hören. Weiblich und Kakashi gut bekannt. Tsunade war wieder im Dorf. Ungewöhnlicher Zeitpunkt, immerhin kommt sie nur einmal im Monat für einige Tage vorbei und ihr letzter Besuch war noch keine Woche her.
In der klaren und stillen Nacht konnte Kakashi das Gespräch sehr gut verfolgen:
»Und wie lang wirst du dieses Mal bleiben?«, hörte er Genma fragen.
»Das kommt darauf an, wie lang ich brauche. Die Herstellung eines Medikaments ist nicht mal eben in 5 Minuten erledigt. Dafür werde ich einige Stunden brauchen. Und dann muss ich natürlich auch sichergehen, dass es wirkt. Zuerst werde ich mir jetzt aber ein Schläfchen gönnen. Die richtigen Kräuter zu finden, hat länger gedauert, als erwartet.« erzählte Tsunade und gähnte darauf herzhaft.
Ein leises Lachen war zu vernehmen, wohl von Genma, denn diesmal war es Hayate, der sprach und das Lachen war noch immer im Hintergrund zu hören. »Dann schlaf schön. Und gute Besserung an deinen Patienten.«
»Werde ich ihm ausrichten. Gute Nacht.« wünschte Tsunade noch, ehe sie ihren Weg fortsetzte. Ihre Schritte hallten auf den Straßen Konohas wieder. Zunächst laut und mit zunehmender Entfernung immer leiser werdend, bis Kakashi sie nicht mehr hören konnte.
Dem Gespräch der beiden Wachmänner folgte Kakashi nicht weiter. Auch Genma und Hayate suhlten sich in Langeweile. Ihre Gespräche handelten überwiegend von belanglosen Dingen.

Erneut begannen Kakashis Gedanken zu kreisen, waren wieder bei Minato. Der Mann war so viel mehr gewesen, als nur das Dorfoberhaupt von Konoha. Er war ein Kriegsheld und über viele Jahre sein Sensei. Gleichsam Ersatzvater und großer Bruder. Als er schließlich zum 4. Hokage ernannt wurde, schien alles Perfekt. Es war ein Kindheitswunsch von Minato, dass er mal Hokage wird. Als seine Partnerin Kushina dann auch noch mit der Botschaft kam, dass sie ein Kind bekommt, war ihr Glück vollkommen.
Bis zu dem Tag der Geburt. Dieser Tag veränderte alles.
Ihrem gemeinsamen Sohn wurde ein Leben aufgebürdet, was kein Leben war. Oftmals fragte Kakashi sich, was Minato sich damals dabei gedacht hatte, als er ausgerechnet Naruto zu einem Jinchuuriki gemacht hat. Seinem Sohn so etwas anzutun grenzte schon an Ablehnung. Dabei wusste Kakashi genau, dass Minato und Kushina sich beide sehr auf das Kind gefreut hatten. Warum also? Was hatte ihn dazu bewogen? Er war Hokage und kannte daher die Schicksale der Jinchuuriki gut genug. Er muss sich für seinen Sohn doch etwas Besseres vorgestellt haben, als so ein Leben zu führen.
Egal wie lang und wie oft Kakashi sich diese Fragen stellte, er kam nicht dahinter. Minato war nicht mehr am Leben. Ihn nach den Antworten zu fragen, war daher nicht möglich. Auch Kushina hatte damals nicht überlebt, weshalb Naruto als Waise aufwuchs. Abgelehnt von dem Dorf war er bereits im zarten alter von 3 Jahren auf sich allein gestellt. Einzig die ANBU kümmerten sich um den Jungen, wobei Kakashi sich sicher war, dass er der Einzige von ihnen war, der es freiwillig tat. Die anderen handelten allein auf Befehl ihres dritten Hokage, der nach Minatos Tod erneut die Führung übernommen hatte.
Grummelnd zwang er sich zur Ruhe. Er ließ sich viel zu sehr von seinen Gefühlen ablenken. Für den Rest der Nachtwache zwar er seine Gedanken zur Ruhe.

Endlich erlöst.
Die nächste Schicht hatte begonnen und pünktlich um 7 Uhr lösten andere ANBU Kakashi und seine beiden Kollegen ab. Während die anderen Zwei sich verabschiedeten und auf dem Weg nachhause machten, hatte Kakashis Arbeitstag noch nicht geendet.
Der 10. Oktober war kein Tag, an dem er schlafen konnte. Weder in der Nacht noch nach einer Nachtschicht. Zuviel Hass schwappte an diesem Tag durch das Dorf. Den wenigsten fiel diese Tatsache auf. Nach außen hin gab man sich freundlich. Es wirkte sehr familiär, wie man hier miteinander umging. Alle waren nett und hilfsbereit, auch Fremden gegenüber. Nur eine Person war ausgegrenzt.
Das Schicksal eines Jinchuuriki glich in den meisten Fällen einem Leben in der Hölle. Ausgrenzung und Beschimpfungen waren noch das kleinste Problem, mit dem sie alle zu Kämpfen hatten. Naruto wurde schon sehr jung zu diesem Leben gezwungen und hatte keinerlei Mitspracherecht, als ihm diese Bürde auferlegt wurde. Er war eines der Besten Beispiele für die Intoleranz, die Menschen für jemanden aufbringen konnten, der – aus welchen Gründen auch immer – anders war als sie.
Jeden Tag, jede freie Minute sah Kakashi nach dem Jungen. Versuchte ihn zu beschützen, wann immer er mitbekam, dass sich jemand nicht an die Regeln hielt, die vom dritten Hokage aufgestellt worden. Die Zeiten, in denen Naruto allein mit Beschimpfungen zu leben hatte, waren schon lange vorbei. Es gab regelmäßig Einbrüche in seiner Wohnung, in denen der wenige Besitz des Jungen zerstört wurde. Angriffe auf sein Leben, die oftmals mit mittelschweren Verletzungen endeten. Eigentlich verging kaum ein Tag, an dem nichts passierte.
Was der kleine Blonde in seiner jungen Jahren alles mitmachen musste, reichte für zehn Leben, wenn nicht sogar mehr.

Nach der Nachtwache am Nordtor hatte Kakashi Wachdienst innerhalb des Dorfes. Wo er sich dabei rumtrieb, war egal. Hauptsache er sorgte für Ordnung. Zumeist nutzte er diese Tatsache aus, um sich in Narutos Nähe aufzuhalten und den Jungen zu beschützen, wenn es notwendig sein sollte.
Auch an diesem Morgen war er auf den Weg zu seinem Schützling. Dabei kam er am Festplatz vorbei, wo bereits hektisches Treiben herrschte. Jeder im Dorf liebte diesen Tag, da jeden Abend des 10. Oktober ein großes Fest zu Ehren des Yondaime Hokage gefeiert wurde. Natürlich gab es auch in der Hinsicht ausnahmen. Naruto mochte den Tag sicher nicht und auch Kakashi selbst hatte mittlerweile einige Abneigung gegen das Fest entwickelt.
Der 10. Oktober war Todestag von Minato. Der Tag, an dem er sich für das Dorf geopfert hatte. Die Bewohner sehen ihn als Helden und feierten sein Opfer. Manchmal kam es Kakashi allerdings so vor, als würden sie ihn hassen, als würden sie das Fest feiern, um sich über ihn lustig zu machen.
Zeitgleich gab es an dem Tag auch noch ein anderes Ereignis. Es war Narutos Geburtstag. Ein Tag, den für gewöhnlich jedes Kind liebte. Mit Familie und Freunden feierte und an dem es Geschenke bekam. Naruto war da anders. Außenseiter und abgelehnt. Mit ihm feierte niemand Geburtstag und er bekam auch keine Geschenke. Stattdessen machte das Dorf ihm diesen Tag zu einer größeren Hölle, als er sie das ganze Jahr über schon musste.
Würde Kakashi am 10. Oktober nicht auf den Jungen aufpassen, würde er sicher irgendwann tot in einer Gasse liegen und niemanden würde es kümmern. Im Gegenteil würde sie daraus auch wieder einen Grund zum Feiern ziehen, weil sie das Monster endlich Loswaren.

Lautes Gezanke ließ Kakashi anhalten. In solcher Frühe bereits so streitlustig zu sein, war ungewöhnlich. Vor allem, wenn sich zwei ältere Personen fast an die Gurgel gingen. Als ANBU war es leider seine Pflicht sich darum zu kümmern, damit solche Streitigkeiten nicht ausarteten. Auch wenn er seinen Weg zu Naruto lieber fortsetzen wollte.
»Das hier ist MEIN Platz, rück gefälligst weiter rüber!«, hörte Kakashi den Einen meckern.
»Rück doch selbst!«, gab der Andere zurück.
»Ich hab mir diesen Ort schon vor Monaten reserviert. Hier kommt mein Stand hin!«, kam darauf wieder vom Ersten.
Kakashi brauchte nicht lang, um die beiden Streithähne ausfindig zu machen. Es handelte sich um zwei Standbesitzer auf dem Festplatz, die ihre Buden aufbauten. Für den Abend musste ja alles fertig sein. Offenbar waren sie sich nicht ganz über die Position der Buden einig.
Dass man sich wegen solcher Nichtigkeiten streiten konnte, wollte dem Hatake nicht in den Kopf. Ob er es verstand oder nicht, war jedoch egal. Er musste diesen Streit schlichten, ob er wollte oder nicht.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Big 5 Fanfictions, Fanfiktionliste, Kin Hatake (Reload) abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s