[KH-alt] Kapitel 8: Von Fischen und Regeln

Sehr lang hatte es nicht gedauert und Kin war in Kakashis Armen eingeschlafen. Als er den Jungen in seinen Schlafsack legte, bemerkte der Jonin, das Kins Augen leicht feucht waren, offenbar hatte sein kleiner Sohn von allen unbemerkt geweint. Sanft streichelte er Kin über die Wange und legte den kleinen Blauen Teddy zu dem Jungen in den Schlafsack. Den Teddy hatte Kin von Tsunade bekommen und der Knirps schlief seid dem jede Nacht mit dem kleinen Stofftier.

Er verließ das Zelt wieder und setzte sich zu Asuma, welcher Kurama erklärte, wie man Shogi spielte. Wozu der Fuchs dies wissen wollte, war Kakashi jedoch schleierhaft. Einige Minuten später sollte er es jedoch erfahren, den Kurama forderte die beiden Jonin zu einer Runde Shogi heraus. Kakashi und Asuma waren beide mittelmäßig gut und oft endeten ihre Partien in einem unentschieden, da sie entweder nicht weiterwussten oder gestört wurden. Kurama hingegen war ein blutiger Anfänger, den würden sie locker schlagen. Eine Stunde später dachten sie darüber jedoch anders. Selbst zu zweit kamen sie nicht gegen den Fuchs an. Nach einer weiteren Stunde gaben sie letztlich auf.
Seufzend ließ sich Asuma nach hinten fallen.
Gegen einen Fuchs verloren!
Mit einem halb jaulenden halb knurrende Gähnen streckte sich Kurama und legte sich darauf neben Kin ins Zelt. Dieser bemerkte die Anwesenheit des Fuchses sofort und zog den Dämon näher zu sich, um sich an das weiche warme Fell zu kuscheln – ohne jedoch dabei aufzuwachen. Kyuubi hatte sich bereits an das Gekuschel des Jungen gewöhnt und auch die kraulenden Berührungen hinter seinen Ohren genoss der Fuchs. Früher hätte er keins von beiden zugelassen.
Wie sehr ein Kind doch das Leben verändern kann.
Zu seiner eigenen Überraschung mochte der Fuchs nicht nur den Jungen. Auch an Kakashi und die wenigen anderen Menschen, welche wusste das er der Kyuubi ist, hatte er sich bereits gewöhnt. Kakashi und Iruka mochte er jedoch besonders. Sie waren früher schon immer so gut zu seinem Sohn gewesen und auch jetzt kümmerten sie sich gut um Kin und akzeptierten den Fuchsdämon in ihrer Nähe. Nie hätte Kurama es für möglich gehalten, das er selbst mal eine kleine Familie haben würde – und noch weniger, das diese zum Teil sogar aus Menschen bestand! Diese Gedanken und dieses neue Leben waren für ihn ungewohnt und auch dieses positive Gefühl, welches er immer verspürte, wenn Kin mit ihm kuschelte. Zum ersten Mal in seinem Leben wusste der Fuchs, das auch er glücklich sein konnte. Eine Weile hing er noch seinen Gedanken nach, bevor der Fuchs mit einem Lächeln einschlief.

Ein Schrei ließ Kakashi aus dem Schlaf hochschrecken. Leicht verpeilt blinzelte der Mann einige Male und stellte fest, das es draußen bereits hell war. >>Wo kam den nun der Schrei her?<< Kin lag nicht mehr in seinem Schlafsack und auch der Fuchs war nicht mehr im Zelt. Ein weiterer Schrei kam von draußen und an der Art des Schreis konnte Kakashi erkennen, das es ein Jubelschrei war.
Seufzend ließ sich der Ninja zurück in den Schlafsack fallen.
„Ich hab ihn! Ich hab ihn!“, rief eine Stimme von außerhalb des Zeltes, welche der Jonin seinem Sohn zuordnen konnte.
„Halt ihn gut fest, nicht loslassen.“ Diese Stimme konnte Kakashi den Fuchs zuordnen.
Nachdem sich Kakashi ausgiebig gestreckt hatte, verließ er das Zelt und sah neben dem Feuer einige Fische liegen. Die Meisten wiesen Bissspuren auf und waren wohl von Kurama gefangen worden, einer hingegen war völlig unversehrt neben dem Haufen.
„Ich hab noch einen!“, rief Kin vom Ufer.
„Gut, dann bring ihn zu den anderen.“, war kurz darauf wieder vom Fuchs zu hören.
Noch bevor Kakashi zum See blicken konnte, stand auch schon Kin neben ihm und legte seinen neusten Fang zu den anderen. Der Junge trug nur seine Shorts und war komplett nass. Der Vormittag war noch jung und der Oktober gehörte nicht unbedingt zu den warmen Monaten im Jahr. Dies war an diesem Morgen deutlich spürbar und wie auf Kommando wehte ein kühles Lüftchen durch das Lager und ließ Kakashi frösteln.
„Kin, warte mal.“, hielt Kakashi den Knirps auf und zog den Kleinen zu sich. Erstaunt stellte er fest, das Kin sich recht warm anfühlte. Keine Gänsehaut und auch kein anderes Anzeichen war zu finden, dass der Junge frieren könnte. Zur Sicherheit beschloss Kakashi, dass der Junge für diesen Tag genug im Wasser gespielt hat und trocknete den Kleinen gründlich ab. Dabei fragte er seinen Sohn nach den Fischen und Kin strahlte voller Stolz, weil er es geschafft hatte zwei davon zu fangen.
„Und was machen wir jetzt mit euren Fischen?“, fragte der Jonin, nachdem sein Sohn trocken und mit frischer Kleidung vor ihm saß.
„Kurama meinte, die sind fürs Frühstück.“, antwortete Kin und sah sich die Fische mit einem undefinierbaren Seitenblick an. Offenbar war der Junge sich nicht ganz sicher, was er davon halten sollte.
„Dann gibt es also Fisch zum Frühstück. Willst du mir helfen?“, fragte Kakashi darauf und bekam von Kin einen kurzen verwirrten Blick, worauf der Junge jedoch nickte.
Zusammen machten sie sich daran, die Fische auszunehmen. Oder eher: Kakashi machte sich daran, während Kin zunächst neugierig und anschließend angewidert – und auch etwas traurig – zuschaute. Kein Wort sagte der Junge und schaute seinem Vater einfach nur zu. Jedes Mal, wenn Kakashi das Messer bei einem der Fische ansetzte und sie fast schon fachmännisch aufschlitzte, zuckte der Junge leicht zusammen und jedes Mal wurde Kins Blick darauf ein kleinen wenig trauriger.

Asuma hatte sein Zelt ebenfalls verlassen und schaute den Beiden kurz zu. Der Blick des Jungen war ihm nicht entgangen. Anschließend kümmerte er sich um das Feuer und verschwand darauf kurz hinter die Bäume. Als er zurück kam hingen die Fische bereits über dem Feuer und die kleine Familie – samt Fuchs – saß davor. Sein Blick fiel erneut auf Kin, welcher nicht mehr ganz so traurig wirkte.
„Offenbar hat sich Kin wieder gefangen.“, stellte er fest und setzte sich dazu.
„Was meinst du?“, meinte darauf ein verwirrter Kakashi.
„Kin hat bei jedem Fisch gezuckt, als du sie bearbeitet hast und schien auch ganz traurig dabei, als wenn er Mitleid mit den Fischen hätte.“, erklärte Asuma und steckte sich darauf eine Zigarette an. „Hast du das nicht mitbekommen?“
„Nein, das ist mir entgangen.“ Kakashi hatte dies wirklich nicht bemerkt, er war ganz auf die Fische konzentriert und hatte dem Jungen in er Zeit keinen Blick zugeworfen. Was Kin wohl gedacht hatte?
Kurama schien Kakashis Gedanken zu teilen und fragte seinen Sohn: „Kin? Erzählst du uns, warum du traurig warst?“
Kin brauchte einige Minuten ehe er etwas dazu sagte. „Du hast den Fischen wehgetan. Warum?“, wollte er wissen und sah fragend seinen Papa an.
„Weil ich sie ausnehmen musste, bevor sie über das Feuer kommen. Das Feuer tut ihnen auch weh, aber weder das Messer, noch das Feuer bemerken sie. Sie waren ja schon nicht mehr am Leben, als ich damit begonnen habe.“, versuchte Kakashi zu erklären.
„Warum waren sie Tod?“, fragte Kin weiter.
Diesmal war es Kurama, der antwortete: „Der Lebensraum der Fische befindet sich im Wasser. Dadurch, das wir sie gefangen und hier an Land gelegt haben, haben auch wir den Fischen wehgetan. Und weil sie ohne Wasser nicht leben können, sind sie dann gestorben.“
Schlagartig war Kin wieder traurig und starrt den Boden vor seinen Füßen an, der in diesem Moment soviel interessanter schien, als alles andere um ihn herum.
„Kin?“, sprach der Fuchs fragend zu seinem Sohn, doch dieser zeigte keine Reaktion. „Kin, hörst du mir zu?“, fragte Kurama ein weiteres Mal und kurz darauf war ein leichtes Nicken bei Kin zu erkennen.
„Hör mir gut zu, kleiner.“, bat der Fuchs und begann anschließend mit einer weiteren Erklärung: „Leben und Tod ist etwas ganz natürliches und auch wichtiges. Es ist wie… zwei Seiten einer Münze. Sie sind Grund verscheiden und doch gehören sie zusammen. Eines kann ohne das andere nicht Existieren. Leben und Tod, Gut und Böse, Licht und Dunkel, Himmel und Erde. Alles hat einen Gegenpart, welcher jedoch wichtig ist. Auf Leben und Tod bezogen ist es ein sogar noch etwas wichtiger, denn alle Lebewesen bilden einen symbiotischen Kreislauf, in welchem jeder von jedem abhängig ist. Bei manchen mehr, bei manchen weniger.“
„Ist das nicht etwas zu kompliziert ausgedrückt? Kin ist immerhin erst vier.“, fragte Asuma darauf und auch Kakashi wunderte sich über die – für ein Kind – doch sehr komplizierte Erklärung.
Kurama ignorierte den Einwand einfach und machte da weiter, wo er auf aufgehört: „Jedes Lebewesen hat seine eigene Aufgabe, welche wichtig für das zusammenleben ist. Das gilt für die ganz kleinen Tiere, wie die Insekten, und auch für die großen, wie Elefanten. Den Tieren ist nicht bewusst, wie wichtig sie für ihre Umwelt sind und dennoch sind sie es.“
Kins trauriger Blick war schon lange gewichen. Stattdessen saß er mit leicht offenem Mund da, die Augen auf den Fuchs gerichtet und hörte diesem hochkonzentriert zu.
„Jedes Lebewesen braucht Nahrung. Das beginnt bei den Pflanzen. Sie ziehen ihre Nährstoffe aus dem Boden und die Sonne ist da auch ein wichtiger Faktor. Die Pflanze wird gefressen – sagen wir mal, von einem Schaf. Das Schaf wiederum setzt darauf ein Häufchen, aus welchem dann die Nährstoffe wieder in den Boden gelangen. Und schon beginnt alles wieder von vorn. Ich bin hingegen ein Fleischfresser, ich würde jetzt das Schaf fresse und dann mein Häufchen machen. Hast du verstanden was ich meine?“, schloss der Fuchs vorerst seine Erklärung und machte eine Pause, um den Jungen zunächst die Möglichkeit zu geben, das gesagte zu verarbeiten.
Kin sagte zunächst nichts dazu, sondern nahm sich den Fisch, den Kakashi ihm reichte. Kurama hatte soviel erzählt, das die Fische bereits fertig waren. Gedankenverloren aß der kleinen seinen Fisch auf und nahm sich noch einen Zweiten.
„Dann ist es also nicht schlimm, wenn man für sein Essen tötet?“, fragte der Junge, nachdem er auch seinen zweiten Fisch gegessen hatte.
„Nein, das ist nicht schlimm. Es gehört zum Gleichgewicht der Natur. Du musst nur immer darauf achten, das du nicht mehr Leben nimmst, als notwendig. Das ist auch Teil des Gleichgewichts. Man nimmt sich nur soviel, wie man brauch. Die Tiere beherrschen dies und auch die Dämonenvölker halten sich daran. Die Menschen hingegen haben so ihre Probleme mit dieser ‚Regel‘. Sie töten mehr als notwendig, führen ständig ihre Machtkämpfe um den Lebensraum und töten sich dabei auch gegenseitig.“ Bei seinem letzten Satz sah er die beiden Ninja giftig an, wodurch die Männer eine Gänsehaut bekamen und anfingen zu flüstern.
„Wieso bekomme ich immer ein schlechtes gewissen, wenn Kurama den Lehrer spielt und etwas erzählt?“, flüsterte Asuma dem anderen Jonin zu.
„Weil er uns Menschen dabei immer als schlecht darstellt?“, flüsterte Kakashi zurück und musste gedanklich sowohl Asuma, wie ach dem Fuchs zustimmen.

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