[KH-alt] Kapitel 7: Unterricht für alle

Es war Abend geworden. Ein kräftiges Orange färbte den Himmel ein und die Sonne näherte sich Minuten um Minuten ein kleines Stücken mehr dem Horizont. Kakashi und Asuma hatte an einem kleinen See halt gemacht und dort ihre Zelte aufgestellt. In deinem sicheren Abstand dazu hatten sie ein kleines Feuer gemacht, vor welchem beide nun lagen und sich entspannten. Würde ein Fremder diese Beiden nun sehen, würde er denken, sie wären nur zu Zweit. Weit gefehlt, den da waren noch zwei, welche auf Anhieb nicht zu erkennen waren.

Kin und Kurama spielten fangen und umkreisten dabei das kleine Lager. Dieses Spiel war zum einen Teil von Kins Training – Kurama zu fangen war nämlich auch für den kleinen Halbdämon nicht so einfach, Kurama zu entkommen eben sowenig – und zum Anderen konnte Kin sich so gut auspowern. Bei ihrem Spiel legten die Zwei eine ungewohnt Schnelligkeit an den Tag.
Asuma kam bei dem Tempo nicht mit, während Kakashi mit seinem Sharingan die beiden Dämonen noch halbwegs verfolgen konnte. Auf Dauer war dies allerdings recht anstrengend, weshalb die beiden Jonin beschlossen eine Runde Shogi zu spielen. Kurama würde schon auf den Jungen achten – immerhin war Kin auch der Sohn des Fuchses – und auch wenn sie die Beiden nicht mit den Augen verfolgten, zu hören waren sie deutlich genug.
Fast zwei Stunden verbrachten Kin und Kurama damit, sich gegenseitig zu jagen, dann kehrte Ruhe ein und um die Jonin wurde es ganz leise. Etwas verwundert schauten die Männer auf. Von den Dämonen war nichts zu sehen und noch weniger zu hören.

Einige dutzend Meter weiter, hinter einigen Bäumen, versteckte sich Kin mit seinem Fuchs und verschnaufte. Kurama erklärte dem Jungen worauf dieser zu achten hatte. Er wollte schauen, wie weit Kin es an die Jonin heran schaffen würde, bevor sie ihn bemerken. Anschließend schlich Kin einige Runden um den Fuchs herum, während Kurama seinen Sohn genau beobachtete. Weitere Hilfestellung brauchte der Kleine jedoch nicht, nur vielleicht etwas mehr Erfahrung – aber fürs erste Mal schlich der Knirps schon recht gut.
Bevor sie jedoch einen Versuch starten konnten, wurde Kurama auf ein Geräusch aufmerksam. Angespannt lauschte der Fuchs in den Wald und versuchte den Grund für das Geräusch zu wittern. Kin hatte das Geräusch ebenfalls bemerkt. Er hockte regungslos einen Meter neben dem Fuchs und lauschte ebenfalls.
„Kin, spring auf den Ast dort und bleib da oben.“
Kurama schaute dabei zu einem dicken Ast, welcher sich etwa zwei Meter über ihnen befand. Kin folgte dem Blick des Fuchses, sprang dem Ast entgegen und schaffte es auch, sich mit beiden Händen an diesem festzuhalten. Sein Schwung reichte sogar noch aus, um auf den Ast zu gelangen. Nun saß er da oben, ein Bein rechts und das andere links vom Ast und schaute zu seinem Fuchs hinab, welcher noch immer angespannt die Umgebung abhorchte.
Ein weiteres Rascheln drang in ihre Ohren. Es kam aus einem Gebüsch, einige Meter weiter. Leises Quieken und ein Grunzen waren darauf aus dem Gebüsch zu hören. Neugierig schaute Kin in die Richtung und war gespannt von was dieser Geräusche wohl verursacht wurden, während Kurama bereits wusste, was sie vor sich hatten.
Kurz darauf brachen zwei kleine braun-gelb gestreifte Schweinchen aus dem Gebüsch und jagten sich gegenseitig. Ein großes Dunkelbraunes Wildschwein sowie drei weitere Frischlinge folgten aus dem Gebüsch. Der Blick der Muttertiers fiel fast sofort auf den Fuchs und sie nahm eine schützende Position ein. Die zwei tobenden Frischlinge hatten den Fuchs nun auch bemerkt und suchten sofort hinter ihrer Mutter Schutz.
Kurama wusste, das Muttertier würde auf ihn losgehen, da sie ihn für einen normalen Fuchs hielt, welcher ihren Kindern gefährlich werden konnte. Da der Fuchs aber wusste, das sie ihm nicht viel anhaben konnte, war dies weniger sein Problem. Eher wollte er nicht, das Kin dies mitansehen muss. Auch war unnötiges Töten oder Kindern ihre Mutter nehmen nicht sein Stil. Daher sah er im Moment nur eine Möglichkeit, um alle unbeschadet aus dieser Situation zu bringen. Er verwandelte sich und wurde größer – so groß, dass er sogar mit seinem Kopf über den Ast reichte auf dem Kin saß – darauf knurrte er die Wildschwein Familie an, welche sofort die Flucht ergriff.

Kin war dadurch ebenfalls erschrocken und starrte den Fuchs an, blieb jedoch weiterhin ruhig auf dem Ast sitzen. Kurz darauf wurde Kurama auch schon wieder kleiner. Dies beobachtete nicht nur Kin.
„Was treibt ihr beide den hier?“
Kakashi war vor Kin auf dem Ast gelandet und sah sofort den verängstigten Blick, welcher der Junge dem Fuchs zuwarf. Er und Asuma hatten das laute und recht bedrohlich klingende Knurren bis ins Lager hören können und waren sofort nachsehen gegangen. Asuma stand unter dem Ast und schaute zu Kakashi und Kin rauf, ebenso wie Kurama, welcher sich bereits mit seinem schlechten Gewissen herumschlug.
„Musstest du Kin so erschrecken?“, fuhr Kakashi den Fuchs an und nahm seinen Sohn auf den Arm – Kin kuschelte sich auch sofort bei seinem Papa an. – bevor er zu den anderen Beiden auf den Boden sprang.
„Das ich auch ihn damit erschrecken könnte, hab ich nicht bedacht.“, gab der Fuchs kleinlaut zu. Daran hatte er wirklich nicht gedacht. Er wollte lediglich nicht, dass der Junge mitansehen musste, wie er sich mit dem Wildschwein prügelte. „Wäre es dir etwa lieber gewesen, wenn ich die Wildschweine vor Kins Augen zerfleischt hätte? Ein kleiner Schreck ist da harmloser.“, meinte der Fuchs darauf leicht gereizt und verschwand in Richtung Lager. Er hatte schon genug damit zu kämpfen, das Kin ihn verschreckt und ängstlich angesehen hatte.
Asuma schaute sich kurz um und entdeckte einige frische Tierspuren. „Kakashi, hier war vor kurzem noch eine Bache mit vier oder fünf Frischlingen. Kurama hat damit nicht nur Kin beschützt. Sondern auch die Kinder der Wildsau, welche nach einem Kampf sicher keine Mutter mehr gehabt hätten.“
Seufzend gab sich Kakashi geschlagen. Er musste zugeben, das er wohl nicht viel anders gehandelt hätte, wobei es ihn ein weiteres Mal wunderte, wie harmlos der Fuchs doch sein konnte. >>Dämonen sind wohl nicht zwingend boshaft.<<, dachte er sich noch und ging mit Asuma zurück zum Lager.

Es dauerte nicht lang, da hatte Kin seinen Schrecken überwunden und tollte wieder mit Kurama herum. Trotz der fielen Bewegung an diesem Tag war der junge Hüpfer noch immer nicht müde. Doch auch ein Dämon halt irgendwann mal keine Lust mehr und will entspannen, daher wechselten sie von der aktiven Beschäftigung zur theoretischen. Kurama hatte auf ihrer kleinen Mission ebenfalls etwas zum Lehrplan beizutragen und in diesem Fall war nicht nur Kin sein Schüler.
Der Kyuubi hatte es sich in den Kopf gesetzt, den beiden Menschen, mit denen er unterwegs war, mal genauer zu erläutern, was Dämonen nun eigentlich sind, den die Vorstellung der Menschen war des bezüglich doch etwas fehlgeleitet. Kakashi und Asuma waren überrascht deswegen, da auch sie etwas lernen würden, aber auch neugierig.
„Zunächst erst einmal Dämon bedeutet nicht, das etwas Böse ist. Dämonisch ist alles, was vom normalen abweicht. Es gibt mindestens genau so viele gutmütige Dämonen, wie es boshafte gibt – und neutrale Dämonen, denen das gut/böse Prinzip auf den Geist geht, gibt es ebenfalls.“ Darauf folgte eine Pause, und Kurama überlegte, wo er weitermachen sollte.
„Eine Kleinigkeit noch zu Kin: Ich habe bereits gemerkt, das ihr den kleinen manchmal als Halbdämon anseht, oder zumindest euch fragt, ob das bei ihm zutrifft.“, begann der Fuchs und überlegte kurz, wie genau er dies erklären sollte. „Kin ist kein Halbdämon. Halbdämonen kann es nicht geben, allein durch die Bedeutung des Wortes ‚Dämon‘ geht das nicht. Kin weicht halt von der ‚Norm‘ ab und ist damit ein Dämon. Halbblut hingegen wäre bei ihm zutreffend.“
„Das mit den Dämonen hab ich verstanden, aber wie passt nun das Halbblut da rein?“, fragte Asuma darauf und sprach damit auch Kakashis Gedanken aus.
„Es gibt bei uns Dämonen eine klare Grenze zwischen den Animalischen Dämonen, welche allesamt eine Abweichung von existenten Tieren sind, und den Human Dämonen, welche körperlich eher den Menschen ähneln.“ Aufmerksam betrachtete er die Gesichter der beiden Menschen, welche eine Kreuzung aus Verständnis und Verwirrung zeigten. Über Dämonen gab es einiges was Kurama ihnen erzählen konnte, den Blick würde er sicher noch öfter bei ihnen zusehen bekommen.
„An sich ist es nicht möglich, das Humane und Animale Dämonen sich miteinander fortpflanzen. Es geht auch Dämon mit Tier oder Dämon mit Mensch normalerweise nicht. Kin ist jedoch eine Kombination aus nicht-dämonischen Humanoiden Lebewesen und einem dämonischen Tierwesen, womit er Mensch und Tier vereint. Daher Halbblut.“, schloss Kurama seine Erklärung und schaute sich seinen Sohn genauer an. Der kleine hatte bisher stumm zugehört und verzog keine Mine. Auch jetzt tat er dies nicht.
„Kin, du darfst nie jemanden davon erzählen, das du ein Dämon bist. Menschen sind in den Meisten fällen Dumm. Wenn sie etwas nicht kennen haben sie Angst – was an sich verständlich ist. Nur drehen die Menschen speziell beim uns Dämonen so extrem durch, dass sie sogar töten würden, um uns wieder loszuwerden.“ Darauf sah Kin seinen Papa etwas seltsam an, was Kakashi allerdings entging. „Keine Angst, dein Papa wird dich immer beschützen – und Asuma auch.“
Kin schien dadurch deutlich erleichtert, sagte aber nichts weiter dazu.
„Kurama, mich wundert dein Verhalten schon seid letzter Woche. Immerhin kennen wir dich nur als den großen bösen Kyuubi – und nun zeigst du dich ganz anders. Zu welcher Sorte Dämon zählst du? Gut, Böse oder neutral?“, wollte Kakashi darauf wissen und sah den Fuchs neugierig an.
Ein weiteres Mal musste Kurama grübeln. Über diese Sache hatte er sich bisher selbst noch keine Gedanken gemacht. „Ich bin eher neutral, würde ich sagen. Ein Einzelgänger. Mein Gemüt war schon immer eher ruhig und relaxed, aber wenn man mich ärgert, kann ich auch ganz schön fies werden.“
„Und wieso hast du damals Konoha angegriffen?“, fragt Asuma darauf.
Seufzend beschloss Kyuubi den beiden Menschen die Geschichte zu erzählen. „Madara Uchiha hat mich damals durch Zufall gefunden und mich mit seinem Sharingan in die Knechtschaft gezwungen, das hat mir natürlich nicht gepasst, aber mir war es nicht möglich, mich dagegen zu wehren. Euer erster Hokage hat mich von ihm befreit, allerdings war ich dadurch erneuter Knechtschaft ausgeliefert und wurde versiegelt, weil ich für Böse gehalten wurde.“ Er machte eine Pause und atmete tief durch, ehe er seine Erzählung fortsetzte: „Bei Narutos Geburt damals wäre normal nichts passiert – auch wenn das Siegel recht schwach war, durch die Geburt. Wir Dämonen kümmern uns um unsere Welpen und würden niemals einem Kind seine Mutter nehmen, wenn wir es verhindern können. Wäre ich ausgebrochen, hätte das Kushina geschadet und auch ihrem Kind, daher verzichtete ich darauf. Leider kam es dann doch anders. Kurz nach Narutos Geburt kam ein Fremder in den Raum und hat versucht Naruto zu töten. Minato konnte dies zum Glück verhindern, jedoch ließ er dabei Kushina kurz allein. Das nutzte der Fremde aus, um mich zu entsiegeln. Ich war wieder frei, doch hatte ich nichts davon. Kaum hatte ich ihren Körper verlassen, befand ich mich in der erneuten Knechtschaft des Sharingans. Ich kann nicht sagen, wer dieser Fremde war, aber es war eindeutig jemand mit einem Sharingan. Er hetzte mich auf das Dorf. Das nächste woran ich mich entsinnen konnte, waren Minato und Kushina, welche vor mir standen und mich in ihrem Sohn versiegelten. Dies war auch der Moment, in dem mir bei Naruto der deutliche dämonische Geruch auffiel, welcher mir sofort sagte, das ich mit ihm verwandt war. 12 Jahre musste darauf mitansehen, wie schrecklich man dies Kind behandelte. Was danach passierte wisst ihr ja.“
„Ich wurde zu Kin.“
Entsetzt schauten alle drei zu dem kleinen Jungen, welcher auf Kakashis Schoss saß und traurig in das Feuer schaute.
„Woher weißt du das?“, wunderte sich Kurama, da er nicht damit gerechnet hatte, das der Junge dies wusste.
„Nur weil ich vor einer Woche nicht verstanden habe, worüber ihr redet, heißt das nicht, das ich es vergessen habe. Heute verstehe ich, was ihr gesagt und gemeint habt. Ich weiß, ich war Naruto und das etwas passiert ist. Ich weiß, das auch du meine Papa bist, Kurama. Mein Dämonenpapa. Und ich weiß, das Kakashi nicht wirklich mein Papa ist, aber das ihr das alles nur macht, um mich zu beschützen. An Naruto selbst kann ich mich nicht erinnern, oder warum ihr mich so zwingen beschützen müsst – und ich will es auch nicht wissen. Naruto ist nicht mehr da.“ Darauf drehte sich Kin zu Kakashi, umarmte seinen Papa und kuschelte eine Weile mit ihm. Kein weiteres Wort war an diesem Abend von dem kleinen Jungen zuhören.

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