[KH-alt] Kapitel 39 – Belustigte Lehrer und unerwarteter Besuch

Mit einem seltsamen Gefühl von Unruhe saß Kin im Klassenzimmer und versuchte zwanghaft Irukas Unterricht zu folgen. Lediglich 2 Stunden hatte er in der vergangenen Nacht schlafen können. Definitiv zu wenig, selbst für seinen eher geringen Bedarf. Mit seinen durchschnittlich 5-6 Stunden schlief Kin so schon recht wenig. Andere Kinder in seinem alter kamen locker auf das Doppelte, wenn nicht sogar mehr. Statt durch die recht schlaflose Nacht jedoch irgendein Anzeichen von Müdigkeit zu verspüren, zeigte sich eher das Gegenteil. Seit 4 Uhr morgens war er nun schon wieder auf den Beinen und seitdem hatte er dieses unruhige Gefühl und den enormen Drang sich zu bewegen.

Bereits beim Frühstück hatte er Iruka in sein seltsames Befinden eingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt waren sie noch der Meinung, dass die Schule kein Problem sein würde. Sie waren eher davon ausgegangen, dass Kin vielleicht im Unterricht einschlafen würde und hatten sich dafür auch schon eine Ausrede zurecht gelegt. Dass es nun offenbar genau anders herum kam, damit hatte keiner von beiden gerechnet.
Während der nächsten halben Stunde ließ Iruka die Kinder einige Aufgaben lösen und überlegte sich in der Zeit, was er mit Kin anstellen konnte. Dauerhaft war der Unterricht zu viel für den Jungen, dass konnte man ihm jetzt bereits ansehen. Bevor die anderen Schüler davon Wind bekamen, musste er sich für Kin etwas anderes ausdenken.
Noch vor Ablauf der halben Stunde holte er sein Patenkind zu sich, in der Annahme, dass er seine Aufgaben sicher schon beendet hatte. Die war jedoch offenbar eine Fehleinschätzung, denn Kin hatte noch nicht einmal damit begonnen, da er sich einfach nicht konzentrieren konnte. Dennoch gut, dass er den Jungen zu sich gerufen hatte. So bekam wenigst keiner mit, dass der Kleine heute nicht die gleiche Leistung zeigen konnte, wie am Freitag.
Leise sprachen sie miteinander und dann verbannte Iruka sein Patenkind kurzerhand mit einigen Pseudoaufträgen aus dem Klassenzimmer. Angeblich sollte der Junge was einkaufen und dann noch etwas abholen. Nur für den Fall, dass wer fragt. Eigentlich wollte Iruka den Jungen nur aus der Klasse haben, damit er sich bewegen konnte ohne dass es auffällt. Den Fuchs sollte er dann noch füttern (und auch mit ihm rausgehen) und zur Mittagspause würden sie sich dann im Lehrerzimmer treffen. Kurama durfte er auch mitbringen.

Und da war er nun wieder, zwei Stunden später. Mit Mittagessen im Rucksack und seinem Fuchs an der Leine spazierte Kin über den Schulhof und machte sich auf den Weg zum Lehrerzimmer. Erst seit wenigen Momenten hatten die Schüler ihre Mittagspause und doch war der Hof bereits komplett mit spielenden und schreienden Kindern überfüllt, zu denen leider auch Kins Fanclub zählte. Sie hatten von allen wohl die lautesten Stimmen, weshalb Kurama sie auch schnellstens verscheuchte.
Durch Kuramas knurrende Wegbereitung hatten sie den Hof recht schnell überqueren können. Schneller sogar noch, als Kin es gedacht hatte. Das Lehrerzimmer hatten sie im Anschluss schnell erreicht, da sie auf den Fluren nur selten ein Schüler aufhielt – und wenn sie doch mal jemanden trafen, dann waren es eher die Streber und jene, die in Ruhe ein kleines Schläfchen hielten.
Die Tür zum Raum der Senseis stand weit geöffnet, weshalb Kin sich zunächst in den Rahmen stellte und an diesem anklopfte. Soviel Zeit und Respekt musste dann doch sein. Er hatte in diesem Raum immerhin nichts verloren – normalerweise. Die anderen Senseis schienen ihn schon erwartet zu haben, weshalb Mizuki ihn auch sofort lächelnd zu sich winkte. Kuramas Anwesenheit schien ebenfalls kein Problem zu sein.
„Iruka kommt gleich, er muss noch kurz etwas erledigen.“, teilte Mizuki ihm mit, als Kin sich zu den Erwachsenen an den Tisch setzte. Kurz Blickte er nochmal zurück, um nach Kurama zu sehen, doch der hatte es sich neben der Tür bequem gemacht und döste vor sich hin. Anschließend lenkte er seine Aufmerksamkeit zu den Personen, bei denen er sich nun aufhielt.
„Ebisu hat uns gerade vom Samstag erzählt und eurer kleinen Konfrontation.“, erzählte Mizuki mit einem fetten Grinsen, wodurch Kin größte Mühe hatte, sich ein Lachen zu verkneifen. Auch Ebisu war hier an der Akademie Lehrer, dass hatte er fast vergessen. Kurz wandte er seine Augen zu besagter Person, die offenbar nicht gut gelaunt deswegen war.
„Hat es denn Spaß gemacht für 10 Minuten bewundert zu werden?“, grinste der Kleine schelmisch und hatte gleich darauf auch schon sein nächstes fieses Kommentar auf der Zunge. „Normalerweise rennt meine Altersgruppe ja eher vor dir weg.“
Während Ebisu vor aufschäumender Wut rot anlief, sich aber (noch) jeglichen Kommentars enthielt, konnten seine so schon belustigten Kollegen nun nicht mehr anders als zu lachen, wodurch sie nicht weniger rot anliefen. Ausschließlich Kin gab keinen weiteren Ton von sich.
„Es waren mehr als zehn Minuten!“, giftete Ebisu und verschränkte die Arme vor der Brust. Die Art des Jungen gefiel ihm gar nicht. Er war definitiv zu sehr wie sein Vater.
„Und jetzt glaubst du, dass du meinen Test bestanden hast.“, stellte Kin nüchtern fest. Sein Grinsen war ihm vergangen. Er musste nun scharf nachdenken, damit er sich aus diesem Mist elegant heraus manövrieren konnte. Nicht das Ebisu noch auf die bekloppte Idee kam, dass er jetzt einen Freischein fürs Trainieren gewonnen hatte. Das musste er sofort unterbinden.
„Und ob ich das habe! Es waren weit mehr als die geforderte Zeit und die Mädchen haben kein bisschen gemerkt, dass du es nicht warst.“, prahlte Ebisu mit seiner Leistung schien neben seiner Wut auf Kin auch etwas Stolz auf sich selbst zu sein. „Damit hab ich ausreichend bewiesen …“
Bevor der Mann weiter reden konnte wurde er nun jedoch von Kin unterbrochen. „Hast du nicht!“ Soviel Mist auf einmal hatte Kin seinem Gefühl nach nicht einmal von sich gegeben, als er noch Naruto war und sich gezielt dumm gestellt hatte. Wie konnte es da ein erwachsener schaffen? Und noch dazu Einer, dem man auch noch erlaubte Lehrer zu sein?
„Das Einzige, was du bewiesen hast ist, dass du dich von einem Kind reinlegen lässt – und noch dazu von einem 4jährigem! Dadurch, dass du auf meine Herausforderung überhaupt eingegangen bist, hattest du schon verloren.“, erläuterte der kleine Hatake ruhig und sachlich, während er mit einem übertrieben unschuldigem Blick auf Ebisu starrte. Was er damit aussagen wollte, war den anderen Lehrern natürlich sofort klar: Ebisu war voll und ganz Selbstschuld.
Anschließend kehrte sein überlegenes fuchsartiges Grinsen zurück, sowie Haltung und  Blick, die deutlich aussagten, dass er ein Hatake ist und Ebisu allein deswegen schon verloren hatte und sich auch in Zukunft lieber nicht mit ihm anlegen sollte. „Ist dir gar nicht aufgefallen, dass wir nicht mehr da waren?“
Kins Grinsen wechselte von überlegen füchsisch zu extrem fies, ehe er weiter sprach. „Ich hab dich nur als Köder für meinen Fanclub benutzt, damit ich in Ruhe mit meinen Freunden abhauen kann, dass war alles. Wenn du das nicht mitbekommen hast, dann steht es um deine Fähigkeiten sogar noch schlechter, als ich ohnehin schon vermutet habe.“
Das bisher noch leise Gelächter seiner Kollegen, nahm nur stark an Lautstärke und Intensität zu. Einige hielten sich die Bäuche, andere die Seiten. Irgendwer rechts von Kin war sogar vom Stuhl gefallen. Ebisu war mittlerweile derart rot angelaufen, dass es schon ungesund aussah. Eine Erwiderung auf Kins Worte konnte er allerdings nicht von sich geben, was auch sein Glück war, denn sein Geduldsfaden war eigentlich schon längst zerrissen.
Kins Rettung vor einer unschönen Auseinandersetzung (aus welcher der Jungen  höchstwahrscheinlich auch als Sieger hervor gegangen wäre) bestand aus zwei Armen, die sich von hinten um den Jungen gelegt hatten und ein Kopf, der sich seitlich an seinem vorbei schob und ihm einem Kuss auf die Wange gab. Übeltäterin war keine andere als Tsunade, die nun grinsend hinter Kins Stuhl stand und den Jungen noch immer umarmte. Neben ihr befand Iruka, der ebenfalls grinste und gleichzeitig so aussah, als wenn er sich zwanghaft ein Lachen verkniff. Offenbar hatten beide das Wortgefecht mitbekommen.
„Oma Tsunade!“, rief Kin erfreut aus und drückte auch ihr einen Kuss auf die Wange, da ihr Kopf gerade dafür in Reichweite war.
Dass er sie als Oma bezeichnet hatte wusste er, da mittlerweile sämtliche Erinnerungen aus der ersten Zeit als Kin wieder vollständig zurück gekehrt waren. Auch wusste er, wie Tsunade aussehen würde, wenn sie ihr wahres Alter nicht verbarg. Die Nebenwirkungen dieses Jutsus war echt extrem, denn weder mit noch ohne dieses Jutsu sah sie noch ihrem Alter von 50 Jahren entsprechend aus. Während sie verjüngt etwa halb so alt aussah, hatte es ohne den Anschein, als wäre sie doppelt so alt – und das fand Kin echt gruselig.
„Was hältst du davon, wenn wir beide gleich einen kleinen Ausflug machen?“, hörte Kin die Frau sagen und begann zu Grinsen. Ausflug war immer gut, dass verband er sofort mit bewegen. Beim Gedanken an die körperliche Betätigung, fühlte er sich aber leider auch gleich wieder etwas zappeliger.
„Vorher gehen wir aber noch was Essen.“, sprach Tsunade unbeirrt weiter und gleich nach diesen Worten knurrte auch schon ihr Magen. Da hatte ganz offensichtlich jemand Hunger. „Was hältst du von Ramen?“
Überrumpelt von diesem Vorschlag, schaute Kin die Frau verwirrt an. „Was ist? Magst du keine Ramen?“, wollte sie dann wissen, als sie den Gesichtsausdruck des Kindes bemerkte.
Klar mochte Kin Ramen, mehr als alles andere sogar, dass hätte er ihr auch am Liebsten sofort gesagt, doch zum Glück war sein Verstand schneller als sein Mundwerk. Der kleine Hatake kannte diese super leckere Nudelsuppe noch gar nicht, weshalb er einen kindlich neugierigen Blick auflegte und „Was ist Ramen?“ fragte.
Lächelnd antwortete Iruka dem Jungen und musste sich dabei stark zusammenreißen, um ein verräterisches Zucken seiner Gesichtsmuskeln zu vermeiden. Am Liebsten hätte er nämlich laut losgelacht. Schnell räumte er noch Kins Rucksack aus, um an sein eigenes Essen zu kommen und scheuchte dann sein Patenkind samt Fuchs aus dem Raum, damit der Kleine endlich mal wieder zu seinen Ramen kam.

Einige Stunden später marschierten Kin und Tsunade durch den Wald um Konoha. Der Fuchs lief einige Meter vor ihnen und beobachtete die Gegend, damit die Beiden in Ruhe miteinander reden konnte und niemand das Gespräch belauschte.
Nach dem Mittagessen waren sie noch kurz bei den Hatake in der Wohnung gewesen und anschließend in den Wald gegangen. Nachdem sie genügend Abstand zwischen sich und dem Dorf gebracht hatte, hatte Kin damit begonnen Tsunade über die letzten Wochen aufzuklären. Der Trainingsausflug, den sie mit einer Mission verknüpft hatten. Die Begegnung mit den Banditen und dem Blutrausch. Und auch alles weitere, bis hin zum Besuch beim Tierarzt, seinen ersten Tag in der Schule, die Prügelei und den  nervigen Fangirls, die er seitdem hat.
Ein Bisschen was hatte Tsunade ja schon vom Hokage und Iruka erfahren gehabt, doch nun alles nochmal genauer von dem Knirps zu erfahren, war doch etwas anderes. Auch erfuhr sie viel über Narutos Leben, seine Hobbys, Vorlieben und Ängste. Prägende Ereignisse, wie den Tod von Taki und von dem geheimen Versteck im Wald, welches sie derzeit ansteuerten.
Für die Senju waren viele Details aus Narutos Leben erschreckend. Nie hätte sie gedacht, dass der Junge soviel hatte erleiden müssen. Gleichzeitig war sie aber auch froh, dass er mit seiner neuen Identität nun die Chance hatte, ein besseres Leben zu führen. Sie bewunderte Kin für seinen starken Willen, durch welchen er trotz seiner vielen schlechten Erfahrungen nicht aufgab. Vieles von Kushina und Minato erkannte sie in dem Jungen. Beide hatten trotz vieler Widrigkeiten immer an das Gute im Menschen geglaubt und geholfen wo sie nur konnten. Auch Kin konnte man diese Eigenschaft bereits ansehen, nur das dieser sich noch etwas damit zurück hielt.
In einer kleinen Höhle endete schließlich ihr Weg und Tsunade fragte sich, wo der Kleine sie den hingeführt hatte. An diesem Ort gab es schließlich nichts. Der Junge grinste jedoch nur und versuchte mit seinem Chakra die verborgene Tür zu öffnen. Da sich dessen Konsistenz jedoch durch die Veränderung zu Kin ebenfalls verändert hatte, blieb sie vorerst geschlossen. Zusammen mit Kurama versuchte er es nochmal und diesmal öffnete sich die Tür auch und er trat hindurch.
Erstaunt betrat auch Tsunade durch die Pforte und fand sich nun in einer sehr großen Höhlenkammer wieder. Diese waren größtenteils natürlich belassen, doch an vielen Stellen waren auch Veränderungen vorgenommen worden. So gab es zum Beispiel einen kleinen Zaun in etwa der Mitte des Raumes. Als sie näher an diesen herantrat erkannte sie, dass es dahinter Steil bergab ging und sich unten ein kleiner See befand. An der Seite hatte man Stufen in den Stein gehauen, damit man einen sicheren Pfad zum See hinab hatte. Um den See herum waren die Wände an vielen Stellen mit einem seltsamen glühenden Moos bedeckt. Bei näherem Betrachten erkannte Tsunade jedoch, dass sich bei dem Moos nicht um Pflanzen handelte, sondern um einen winzigen grünlich leuchtenden Kristall, welcher die Höhle auf natürliche Art beleuchtete.
Auf der anderen Seite des Zaun, befanden sich einige kleine Räume im Fels, welche allem Anschein nach auf natürliche Weise entstanden waren. Auch sie wurden von den Kristallen beleuchtet. Aus Stein und Holz waren provisorische Möbel gefertigt worden. In einen Raum befand sich Tisch und Stühle. In dem anderen fanden sich Waffen und Zielobjekte fürs Training. Eine kleine Treppe führte in eine Höhle weiter oben, wo es zwei Schlafplätze gab, sowie Regale mit Büchern und anderen Gegenständen, die in den meisten Fällen wohl eher sentimentalen Wert hatten.
Auf einem der Schlafplätze saß Kin und hatte einen kleinen Koffer auf dem Schoss. Sanft strich er über das Holz, während seine Augen einen traurigen Ausdruck angenommen hatten. Gedanklich befand sich der Junge wieder in seiner Vergangenheit – bei Taki, wie Tsunade annahm.
Langsam trat sie an ihn heran, um Kin nicht zu verschrecken und setzte sich dann neben ihn. „Ist sie das? Seine Violine?“
Keine Antwort. Für einen Moment tat sich nichts. Schließlich öffnet der Junge langsam den Koffer und offenbarte das Instrument im Inneren. Auch diese Violine war schon etwas älter, doch war sie nicht mit der von Kakashis Mutter vergleichbar. Sie war  neuwertiger und zeigte zudem weitaus mehr Abnutzungsspuren. Auf dieser Violine hatte Taki gespielt – und auf ihr hatte Naruto gelernt, wie man darauf spielt.
„Ich trau mich nicht, sie anzufassen.“, kam es leise, fast schon flüsternd von Kin, während ihm eine Träne über die Wange kullerte. „Es war Takis Violine. Er hat sie Naruto geschenkt, aber ich bin jetzt nicht mehr Naruto. Was ist, wenn ich ihn damit verärgere.“
Mehr und mehr Tränen suchten sich ihren Weg über seine Wangen und tropften ihm auf den Schoss. Sofort legten sich zwei Arme um Kin, die ihn an Tsunades Brust zogen. Für die Senju war es unfassbar, was der Junge sich für Gedanken machte. Jeder andere Person hätte es als Selbstverständlichkeit angesehen, dass dieser Gegenstand erneut in seinem Besitz war, jedoch nicht Kin. Er war wirklich etwas besonderes.
„Ich glaub nichts, dass Taki etwas dagegen hätte.“, sprach sie, während sie mit einer Hand tröstend über Kins Rücken strich und mit der Anderen durch seine Haare streichelte. „Für Taki warst du nie ein Monster, denn er hat immer nur in dein Herz gesehen – und das ist noch immer das Selbe. Dein Äußeres und dein Name mögen sich geändert haben. Dein Verhalten hast du dementsprechend etwas angepasst, aber in deinem Herzen bist du noch immer die gleiche Person. Solange du das nie vergisst und auch Taki immer in deinem Herzen behältst, kann er dir gar nicht böse sein.“
Für einen Moment schien es, als würde Kin über die Worte nachdenken, ehe sich ein sanftes Lächeln auf seine Lippen schlich und ein „Danke“ flüsterte. Darauf saßen sie eine Zeit lang auf Kins provisorischem Bett. Lang hielt die Ruhe jedoch nicht, denn Kin war noch immer viel zu überdreht.
Nachdem er einige Male tief durchgeatmet hatte und sich offenbar erst Mut machen musste, griff er dann etwas zögerlich nach der Violine und befreite sie aus dem kleinen Koffer. Fachmännisch kontrollierte er sie, stimmte die Saiten und spielte anschließend eine Melodie vor sich hin, während Tsunade den angenehmen Klängen lauschte.
Die Zeit verging wie im Fluge und irgendwann machte Kurama auf sich aufmerksam. Sie konnten nicht ewig in der Höhle bleiben und mussten zurück ins Dorf. Die Violine wollte Kin mitnehmen, sowie einige weitere kleine Erinnerungsstücke, die er von Taki hatte. Als sie die Höhle schließlich verließen, stellten sie fest, dass es bereits Abend geworden war.
Nachts im dunklen Wald war es nicht unbedingt angenehm, weshalb Kin sehr froh darüber war, dass er Tsunade und Kurama an seiner Seite hatte. Letzterer machte sich auch großer, wodurch Kin auf ihm reiten konnte. In dieser Dunkelheit, würde man schon sehr nah an sie heran müssen, um etwas zu sehen, zumal das Licht des fast vollen Mondes von einer Wolkendecke abgefangen wurde.
Bis wenige dutzend Meter vor das Dorftor konnte Kurama seinen Sohn tragen, dann verkleinerte er sich wieder. Die restlichen Meter ging der Junge nun zu Fuß. Die Wachen am Tor notierten sich kurz die Neuankömmlinge und Tsunade brachte Kin dann nachhause. Am nächsten Morgen wollte sie ihn wieder abholen. Sie hatte sich eine kleine Überraschung für ihn ausgedacht.

Wie verabredet stand Tsunade am nächsten Morgen bei den Hatake vor der Haustür.  Zunächst erkundigte sie sich natürlich, nach dessen Wohlbefinden, doch auch in dieser Nacht hatte der Junge kaum bis gar nicht geschlafen. Genau genommen war Kin sich nicht sicher, ob er nun etwas geschlafen hatte, oder ob er die ganze Nacht wach lag. Definitiv hat er jedoch eine Krise bekommen, weil er sich kaum bewegen durfte und möglichst ruhig im Bett liegen bleiben musste.
Noch immer fühlte er sich putzmunter, obwohl er nun seit bereits 30 Stunden wach war. Auch körperlich schien es keinerlei Anzeichen für Müdigkeit zu geben. Dem Jungen sah man nicht an, dass ihm Schlaf fehlte. Er wirkte eher überdreht – und diesmal sogar noch schlimmer als am Vortag.
Zusammen machten sie sich dann auf die Weg zur Überraschung. Was genau Tsunade mit Kin vorhatte, wollte sie jedoch nicht verraten. Sie kamen an ein großes Gebäude, welches der Junge bisher noch nie betreten hatte. Von Außen konnte man nicht erkennen, was sich im inneren befand. Kein Fenster auf Augenhöhe, durch welches man hätte hindurchsehen können. Kein Schriftzug an der Mauer, durch dessen Worte man auf das Innere schließen konnte. Auch ein Zettel an der Tür konnte Kin nicht entdecken.
Im Inneren des Gebäudes befand sich eine größere Vorhalle, mit einer großen Treppe, die in das obere Stockwerk führte. Seitlich davon gab es zwei weitere kleine Treppen, die hinab führten. Eine davon nahmen sie und folgten ihrem verlauf. Unten angekommen ging es einen Langen Gang mit vielen Türen entlang, durch welchen sie schließlich in einen riesigen Raum gelangten.
Staunend sah Kin sich um. Er befand sich im Zentrum einer großen Halle, direkt vor einer kleinen Bühne. Um ihn herum befanden sich viele kleine terrassenartige Podeste, welche mit bequemen Sitzen voll gestellt waren. Von jeder dieser Terrassen musste man einen guten Blick au die Mitte haben. Auf der Bühne befanden sich ebenfalls einige Stühle, vor welchen sich Notenständer befanden. Etwas seitlich konnte Kin ein Piano erkennen, sowie einige Trommeln einige Schritte weiter.
„Na? Überrascht?“, fragte Tsunade lächelnd, während sie weiterhin Kins erstaunte Blicke beobachtete. Mehr als ein Nicken brachte der Junge jedoch nicht zustande.
„Gestern Abend habe ich noch mit einem alten Freund von mir geredet. Ich habe dabei auf deine Geschichte zurückgegriffen und ihm davon erzählt, dass ich ein kleinen Jungen betreue, der unter Tieren aufgewachsen ist und der erst seit kurzem unter Menschen lebt.“, begann sie zu erklären und hatte somit nun Kins vollständige Aufmerksamkeit. „Und weil ich diesem Jungen mal einige Musikinstrumente in Aktion zeigen wollte, sind wir jetzt hier. Wir schauen uns gleich etwas die Orchesterprobe an.“

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