[KH-alt] Kapitel 27 – Kakashis Maske

Der Abwasch war erledigt und das Geschirr weggeräumt. Die nächste Beschäftigung fanden die Jungs im Wäsche waschen, denn Kin hatte bisher nie eine Waschmaschine bedient. In den ersten Jahren hatte sich wohl Taki darum gekümmert, oder der Junge ist einfach dreckig herumgelaufen.

Bis Iruka begann sich um Naruto zu kümmern, hatte der Junge seine Wäschen angeblich sogar im Fluss gewaschen, was Kakashi schon etwas erstaunt hatte. Nun aber sollte Kin lernen, wie man es richtig macht – aber auch damit waren sie viel zu schnell fertig und erneut fehlte ihnen eine Beschäftigung. Von Müdigkeit war der kleine Dämon nämlich noch weit entfernt.
„Du Papa?“, begann Kin schließlich, als beide wieder im Wohnzimmer auf dem Sofa saßen. „Heute Morgen, da hast du versprochen, dass ich dir auch ein paar Fragen stellen darf.“
>Ach, hatte ich das?<, grübelte Kakashi vor sich hin und schien diese Kleinigkeit bereits vergessen zu haben. Dennoch war er bereit seinem Sohn (fast) alle Fragen zu beantworten, die dieser ihm stellen könnte. „Was möchtest du wissen?“
„Ich wüsste gern etwas mehr über meine richtigen Eltern und auch von deinen Eltern, immerhin sind sie jetzt mein Großeltern. Und woher kannst du so gut kochen? Aber zuerst möchte ich etwas anderes Wissen: Wie bist du zu deiner Maske gekommen? Wie hat das angefangen?“
„Hui, gut! Lass mich nachdenken.“ Sollte er wirklich erzählen, wie er zu seiner Maske kam? Warum eigentlich nicht. Kin war immerhin die erste Person, seit seinem Sensei, für die er seine Maske abgenommen hatte. Niemand sonst hatte jemals einen Blick dahinter werfen dürfe. „Das ist wirklich schon sehr lange her.“, begann er schließlich und zog Kin auf seinen schoss. „Ich war damals fast vier. Früher hab ich meine Mutter immer zum Unterricht begleitet. Sie hat anderen Kindern beigebracht auf der Violine zu spielen. Mich wollte sie auch unterrichten, aber erst nach meinem vierten Geburtstag. Alle Kinder fingen bei ihr mit vier Jahren an und so sollte es auch bei mir sein.“
Bis zu diesem Moment hatte es für Kin noch den Anschein gehabt, sein Vater würde sich über die Erinnerungen freuen. Bei den ersten Erinnerungen mag dies wohl auch noch der Fall gewesen sein, doch bei den Folgenden wechselte sein Gemüt recht schnell ins Traurige, wobei es auch eine ganze Zeit blieb.
„Kurz vor meinem vierten Geburtstag fing es dann an. Sie ist Krank gewesen und lag viel im Bett. Unterricht gab sie auch nicht mehr. Damals ahnte ich noch nicht, was genau mit ihr ist und hab mir nicht viel bei gedacht. Sie war halt Krank, kommt vor. Ich war ja auch schon Krank gewesen. Das es etwas schlimmeres sein könnte, kam mir nicht in den Sinn.“, berichtete Kakashi weiter und versuchte zwanghaft die Bilder zu unterdrücken, welche mit diesen Erinnerungen verbunden waren. Er wollte sie jetzt nicht sehen.
„An meinem 4. Geburtstag bekam ich dann von ihr Spielzeug geschenkt. Das war meine erste Ninjaausrüstung. Plastikshuriken und so etwas. Dabei war auch so eine Maske, nur in einem hellen Blau. In der ersten Zeit war die Maske nichts weiter als ein Spielzeug, aber die Worte meiner Mutter blieben mir dennoch im Gedächtnis: Unter deiner Maske kann niemand sehen, wie du wirklich bist. Niemand sieht deine Trauer.
Zwei Monate später ist sie gestorben. Nach der Beerdigung hat mein Vater mir gesagt: Ein starker Ninja weint nicht. Du musst für deine Mutter stark sein, damit sie sich nicht für dich schämt.
„Dein Vater war ein Arsch!“, stellte Kin fest und verschränkte die Arme vor der Brust. Wie konnte ein Vater so etwas nur zu seinem Kind sagen? Er verstand es nicht. Zum Glück war Kakashi nicht so …
„Oh ja, dass war er – aber ich wäre heute wohl nicht mehr am Leben, wenn er mich in jungen Jahren nicht so gut ausgebildet hätte.“, deutete der Mann darauf an und dachte einen kurzen Moment an seine ersten Jahre zurück. Es gab einige Situationen in denen er hätte draufgehen können. „Dankbar bin ich ihm dafür schon, aber er hätte es auch etwas einfühlsamer angehen können. Er hat mich praktisch von jetzt auf gleich in das Ninjaleben gezwungen ohne mir überhaupt die Chance zu geben um meine Mutter zu trauern.“
Für Kin hatte es Ähnlichkeit mit seiner Erzählung am Vormittag. Nicht vom Inhalt er, den dieser unterschied sich doch gewaltig. Die Reaktion von Kakashi kam seiner eigenen jedoch sehr nahe. Der Plötzliche Rollentausch kam für den Jungen etwas unerwartet, den diesmal war nicht er es, der sich bei seinem Vater aus heulte, sondern umgekehrt. Offenbar hatte Kakashi den Tod seiner Mutter nie ganz überwunden und sein Vater hatte offenbar auch eher zum Gegenteil beigetragen.
Tröstend wurde Kakashi von Kin umarmt. Der Junge kraulte ihm sanft den Nacken, so wie auch er es bei seinem Sohn tat, wenn er traurig war. Es war ein angenehmes Gefühl, wenn jemand da war, der sich um einen sorgte. Er konnte Kin wirklich gut verstehen, wenn er sagte, dass es ihm egal sei, ob richtiger Vater oder nicht. Hauptsache es war jemand da. Und auch er hatte nun endlich wieder jemanden. Einen Sohn, der sich genauso um ihn kümmerte, wie er sich um seinen Sohn.
Einige Minuten verstrichen, bis er sich wieder einigermaßen gefasst hatte. „Ich hasse es zu weinen. Ich komm mir dann immer so schwach vor.“, flüsterte er schon fast, doch Kin hatte genau verstanden, was sein Vater gesagt hatte.
„Ach, quatscht. Weinen ist ganz natürlich.“, meinte Kin und löste sich wieder von seinem Vater. Mit vor der Brust verschränkten Armen kniete der Junge über seinem Schoss und setzte einen Blick auf, der ihn an einen Oberlehrer erinnerte. Wollte Kin ihn jetzt etwa belehren? Offenbar ja, denn der Junge hatte bereits damit angefangen: „Es beweist, dass du noch immer lebst und es macht dich menschlich – und wie du bei mir schon sehen konntest, muss man nicht zwingend ein Mensch sein, um weinen zu können. Ich bin ein Dämon und kann das genau so gut.“ Die Art, wie Kin diese Wort von sich gegeben hatte, brachte Kakashi zum Schmunzeln. Ja, der Kleine war wirklich ein Segen für sein Leben.
„Da du jetzt wieder aufgemuntert bist: Wie kam es nun zu deinem Maskentick?“, fragte Kin nun und Kakashi begann zu seufzen.
Einmal atmete er tief durch und konzentrierte sich, damit er nicht sofort wieder von seinen Gefühlen abgelenkt wurde. Darauf erzählte er weiter:
„Die Maske wurde damals nach der Beerdigung meiner Mutter zu meinem ständigen Begleiter. Ich habe sie praktisch immer getragen, sogar beim Schlafen. Sie hat mich immer an meiner Mutter und ihre Worte erinnert. Meine Gefühle hab ich hinter ihr versteckt und das harte Training meines Vater hat mich mit fünf Jahren zum Genin gemacht. Der Moment nach meiner Genin-Prüfung war das erste und einzige Mal, wo er mich an den Arm genommen hat und meinte, er wäre Stolz auf mich. Einige Monate später starb auch er.“
Etwas seltsam fühlte Kin sich schon dabei, dass sein Vater auch sehr früh seine Eltern verloren hatte und praktisch allein war. Nur hatte Kakashi dies bewusst miterlebt und danach keine Probleme mit seinem Umfeld gehabt.
„Hast du nach dem Tod deines Vaters allein gewohnt?“, fragte Kin weiter, da Kakashi kurz davor war sich in seinen Gedanken zu verlieren.
„Nein. Ich war ja zwar schon Genin, aber mein Sensei fühlte sich zum Glück so sehr für mich verantwortlich, dass er mich zwang bei sich einzuziehen. Damals war mir noch alles egal und ich hab es einfach gemacht. Im Nachhinein war ich sehr froh darüber, dass er darauf bestanden hat. Mein Sensei ist für mich sehr schnell zu einem Vaterersatz geworden.“ Freudig stellte Kin fest, wie sich bei seinem Vater endlich eine andere Emotion meldete. Die Gedanken an seinen Sensei schienen ihn so sehr aufzumuntern, dass er endlich wieder zu einem Lächeln fähig war. „Willst du seinen Namen wissen?“, hörte Kin den Älteren darauf fragen und nickte seinem Vater zu.
„Minato Namikaze.“, präsentierte dieser und Kin staunte nicht schlecht. Der Name war ihm bereits bekannt. Zum Einen aus den vielen Büchern in der Bibliothek, in welchen er unter anderem die Geschichte von Konoha nachgelesen hatte, und zum Anderen hatte Kakashi ihm den Namen bereits zuvor einmal genannt.
„Mein Vater?“, fragte der Jüngere sicherheitshalber nochmal nach und sah wie der Kopf seines jetzigen Vaters eine leichte kaum wahrnehmbare nickende Bewegung machte.
„Ja.“, bestätigte der Hatake darauf nochmals und wuschelte seinem Sohn lächelnd durch die Haare. „Deswegen habe ich dich früher auch schon immer haben wollen. Für mich warst du nie das Monster, dass alle gesehen haben. Damals habe ich schon fast 10 Jahre bei Minato gelebt. Ich hab ihn und auch Kushina so stark als meine Familie angesehen, dass du für mich automatisch zum kleinen Bruder wurdest, den ich unbedingt beschützen wollte.“
Bei dieser Aussage staunte Kin nicht schlecht. Wären all diese negativen Ereignisse nicht passiert, wäre Kakashi also auch ein Teil seiner Familie gewesen. „Vom kleinen Bruder zum Sohn.“, gab er mit einem sanften lächeln von sich. Wirklich vorstellen konnte er sich das nicht – aber er war jetzt auch daran gewöhnt ihn als Vater zu sehen, womit diese Vorstellung allgemein nicht so einfach war.
Erstaunt betrachtete Kakashi seinen Sohn, dessen Neugierde und Wissensdurst überhaupt nicht nachlassen wollte. Es hatte nicht lange gedauert und Kin hatte bereits die nächste Frage gestellt: „Hat mein Vater damals versucht dir die Maske wieder abzugewöhnen? Oder hat er es einfach akzeptiert?“
Gespannt, wann die Fragerei seines Sohnes wohl enden würde, machte sich Kakashi daran einen Moment über die Antwort auf dessen Frage nachzudenken. Wie war das den damals noch gleich?
„Eine Zeit lang hat er es kommentarlos akzeptiert. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich ihm soweit öffnen konnte, dass ich ihm von der Maske und ihren Grund erzählt habe. Er akzeptierte es und wollte mir die Erinnerung an meine Mutter auch nicht nehmen. Er bestanden jedoch darauf, dass ich sie zumindest zu Seite lege, wenn wir zu Hause waren und es niemand außer ihm sehen konnte. Seiner Meinung nach brauchte ich dringend mehr Selbstvertrauen, damit ich mich nicht immer nur verstecke. Er war die einzige Person, die ich damals von mir ausgehend unter die Maske schauen lassen habe. Nachdem er einige Jahre mit deiner Mutter Kushina zusammen war, habe ich es auch ihr gezeigt, weil Minato mich darum gebeten hatte.“
„Hattest du selbst mal den Gedanken, die Maske wegzulassen?“, wollte Kin als nächstes wissen.
Seufzende machte sich Kakashi daran auch diese Frage zu beantworten:
„Einige Male, nachdem ich den Tod meiner Mutter überwunden hatte. Mit ihrem Tod hatte ich auch viel mehr zu kämpfen, als mit dem von meinem Vater. Allerdings hatte ich mich über die Jahre so an die Maske gewöhnt, dass ich ohne sie auch nicht mehr konnte, womit sie letztlich doch ein Teil meiner täglichen Bekleidung blieb. Ab diesem Moment wechselte ihre Bedeutung dann jedoch von Erinnerung zu Spiel, weil schon immer jeder wissen wollte, was sich dahinter verbirgt und wie ich ohne sie aussehe.“
Kaum hatte Kakashi seinen Bericht beendet, da stellte Kin bereits seine nächste Frage: „Und was hat sich jetzt geändert?“
So langsam kam es Kakashi mehr vor, als würde sein Sohn ihn verhören. Kaum hatte er etwas zu ende erzählt, da stellte der Junge bereits die nächste Frage. Hoffentlich fanden sie bald ein Ende, denn auch ihm verging recht schnell die Lust daran über seine Vergangenheit zu reden, weshalb er sie normal auch für sich behielt. Aber das konnte er Kin nicht antun. Immerhin hatte er ihm auch einige sehr persönliche Dinge erzählt, die er bisher immer für sich behalten hatte, da musste nun auch Kakashi etwas preisgeben.
„Ich bin Vater geworden.“, begann er mit seiner Erklärung zur letzten Frage und überlegte kurz wie er sie fortsetzten sollte: „Anfangs wusste ich nicht, wie du darauf reagierst. Bevor du deine Erinnerungen zurück hattest, warst du ja wirklich nur ein 4jähriger und ich wollte dich nicht verwirren, weshalb ich sie dann weggelassen habe. Kurz vor der Mission habe ich dir jedoch erklärt gehabt, dass die Maske für mich zur Arbeit gehört und ich sie bei einer Mission tragen werde. Das hattest du verstanden und akzeptiert. Privat ohne Maske zu sein, daran hab ich  mich jetzt zwar gewöhnt, aber es muss trotzdem nicht gleich die ganze Welt wissen, wie ich ohne aussehe.“, schloss er seinen Bericht zu diesem Thema und war überrascht, dass Kin nicht sofort mit der nächsten Frage kam.
Noch mehr überraschte es Kakashi, dass Kin tatsächlich für einige Minuten ruhig war und nicht mehr fragte. „Dann muss ich wohl später auch eine Maske tragen.“, meinte der Junge schließlich und blickte in das verwirrtes Gesicht seines Vaters.
„Wie kommst du jetzt darauf?“ Kakashi war sich wirklich nicht sicher, wie der Junge jetzt darauf kam. Warum sollte er später auch eine Maske tragen müssen? Er konnte doch auch ohne rumlaufen, wenn er wollte.
„Ich sehe doch aus wie du.“, antwortete Kin, allerdings schien Kakashi noch immer nicht zu verstehen, weshalb er seine Gedanken dazu noch etwas verdeutlichte: „Wenn man mein Gesicht sehen kann, dann hat man von deinem zumindest eine sehr gute Vorstellung. Wenn ich erst mal aus dem kindlichen Aussehen raus gewachsen bin, wird unsere Ähnlichkeit sicher noch viel extremer sein – und als Erwachsener bin ich dann erst recht eine jüngere Kopie von dir.“ Kichernd betrachtete er, wie bei seinem Vater sich ein entsetzter Blick zeigte. Offenbar schien der Herr langsam zu verstehen, worauf sein Sohn hinauswollte. „Entweder wir tragen später beide eine Maske, oder dein Plan bringt nichts. Allein durch mich wird jeder wissen, wie du aussiehst!“
„Verdammt!“, meinte schließlich der Hatake. In dieser Tatsache gab es deutlich mehr als nur ein Funken Wahrheit. Das war ein ganzer Waldbrand! „Ach, weißt du was?“, meinte er darauf und sein Blick nahm wieder gelassene Züge an.
„Hn?“ Nun war Kin gespannt, was sein Vater wohl als nächstes sagen würde. Im Moment konnte er nämlich nicht im geringsten deuten, was in Kakashi vorging. Wieso konnte er das überhaupt manchmal? Darüber würde später mal nachdenken müssen. Jetzt gab es wichtigeres!
„Die Maske bleibt einfach ganz weg, dann haben wir das Problem gar nicht erst. Sieht mich halt jeder. Das wird die nächste Zeit eh für einige Verwirrung sorgen.“, überraschte er Kin nun mit seiner Aussage. Bis zu einem gewissen Grad war er auch von sich selbst überrascht, denn er hätte nie für möglich gehalten, dass er wirklich mal soweit gehen würde.

Wie Kin schon vermutet hatte, war der Abend für das Fuchsrudel noch sehr lang geworden. Durch das viel zulange Schläfchen über die Mittagszeit, war es für den kleinen Dämonen fast unmöglich überhaupt halbwegs normal ins Bett zu kommen. Nachdem recht späten Abendessen und dem Gespräch währenddessen und auch anschließend, hatten sie noch einen kleinen Nachtspaziergang durch den Wald gemacht, damit Kin sich noch etwas austoben konnte. Im Dorf war dies ja fast unmöglich, da selbst des Nachts zu viele Beobachter unterwegs waren. Auch wenn man sie nicht sehen konnte, die ANBU war immer anwesend – leider!

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