[KH-alt] Kapitel 26 – Zukunftsplanung

Schon seit einer ganzen Weile hörte Kin den Erwachsenen nicht mehr zu. Er war auch nicht mehr bei ihnen im Wohnzimmer, sondern hatte sich mit seiner neuen Violine und den Mangas in sein Zimmer verzogen. Für diesen Tag hatte er sich genug mit seinem alten Leben beschäftigt.

Er hatte keine Lust mehr und das hatten die Erwachsenen auch schnell gemerkt, weshalb sie ihn in Ruhe ließen.
Naruto war früher überwiegend allein gewesen und die vielen Jahre, die er in überwiegender Einsamkeit verbringen musste, hatte ihn sehr stark geprägt. Zwar genoss Kin es sehr, dass diese Zeiten nun vorbei waren und er jemanden hatte, der für ihn da war, doch auf Dauer war es für ihn auch recht anstrengend, wenn er ständig jemanden um sich hatte. Sein eigenes Zimmer bot für ihn daher den idealen Rückzugsort. Er hatte seine Ruhe, konnte entspannen und war trotzdem nicht ganz allein. Seine Väter waren schließlich immer in der Nähe.
Den ersten Manga hatte er noch gelesen gehabt, doch fiel ihm schnell auf, dass er sich weder groß darauf konzentrieren konnte, noch konnte er sich dadurch entspannen. Schließlich hatte er zur Violine gewechselt und spielte einfach drauf los, ohne groß darüber nachzudenken, was er da eigentlich spielte. Ergebnis: Ein Unikat, welches man wohl nie wieder hören würde, da es weder niedergeschrieben wurde, noch aufgezeichnet, noch hätte sich Kin wohl daran erinnern können, was er an dem Abend gespielt hatte.
Es war schon nach 10 Uhr als schließlich Iruka zu ihm ins Zimmer trat und sich zu Kin aufs Bett setzte.
„He, Kleiner. Ich will nach Haus. Morgen ist wieder Schule und du kennst ja deine alte Klassen. Die haben kein Erbarmen mit mir.“, meine der Lehrer und zog Kin darauf in eine Umarmung, die der Kleinere freudig erwiderte.
„Seltsam, früher hab nur ich dich in den Wahnsinn getrieben.“, grinste Kin seinen Freund und Paten an und schwelgte kurz in Erinnerungen. Ja, er hatte so einigen Mist gebaut, wobei viele Dummheiten gut durchdacht waren und auf seinem Plan beruhte sich als Trottel darzustellen. Unter normalen Bedingungen wäre er wohl gar nicht erst darauf gekommen.
Nicht nur Kin hatte kurz in Erinnerungen geschwelgt. Auch Iruka fielen spontan einige Dinge ein, die Naruto früher angestellt hatte und mit denen ihn der Blondschopf mehr als nur einmal in den Wahnsinn getrieben hatte. Aber: „Da ist auch noch nicht aufgefallen, wie chaotisch und anstrengend die Klassen ohne dich sein kann, aber du kannst dich bald selbst davon überzeugen.“, sprach er den letzten Teil seines Gedankens absichtlich Laut aus, damit er diesen mit Kin teilen konnte.
Ein äußerst geistreiches „Hä?“ war darauf vom kleinen Engel zu vernehmen, was Iruka etwas zum Kichern brachte. Ja, in dieser Hinsicht waren Naruto und Kin noch die gleichen. Der gleiche verwirrte Blick und die gleich Art, wie das „Hä?“ ausgesprochen wurde. Trotzdem war dem Jungen deutlich anzusehen, dass er auf eine Erklärung bestand und diesmal war Iruka sich sicher, dass er sie auch auf jeden Fall verstehen würde: „Während du dich zurückgezogen hattest, haben wir etwas Zukunftsplanung betrieben. Genaueres kann dir Kakashi gleich erklären, ich muss jetzt wirklich nach Hause und ins Bett.“
„Na dann! Gute Nacht, Onkel Iruka.“, wünschte Kin seinem Paten und sprach das Onkel besonders betont aus. Für den Kleinen war es ungewohnt, nicht mehr Sensei zu sagen und er war froh, dass er es sich bisher verkneifen konnte. Dafür musste er nun lernen, Iruka als Onkel zu bezeichnen, denn immerhin war der Mann jetzt sein Patenonkel und zum kindlichen Verhalten zählte nun einmal auch, dass er bestimmte Erwachsene entsprechende betitelte.
Bis zu Tür hatte Kin seinen ‚Onkel‘ noch gebracht und sich dort auch von Asuma und dem Hokage verabschiedet. Es dauerte keine Sekunde, nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, da wandte er sich auch schon an seinen Vater: „Papa, was hat Iruka mit Zukunftsplanung gemeint?“
„Erkläre ich dir beim Essen. Mittlerweile müsstest du doch am verhungern sein.“, vermutete Kakashi und betrachtete kurz seinen Sprössling. Darauf hatte Kin bisher überhaupt nicht geachtet und nun, wo sein Vater das Thema Nahrung ansprach, war sein Magen auch schon lautstark am protestieren. Amüsiert begann der Ältere zu kichern, als sich bei Kins ein leicht beschämter Gesichtsausdruck bemerkbar machte. „Leugne gar nicht erst. Dein Magen hat meine Vermutung schon bestätigt.“
„Tz … Hatte ich auch nicht vor!“, brachte der Knirps darauf in beleidigtem Ton hervor. Gedanklich machte sich Kin eine Notiz dafür, dass er sich demnächst mal genauer mit seinen zukünftigen Macken beschäftigen sollte. Das ‚Tz‘ von eben hatte ihn sehr an Sasuke erinnert, der konnte das auch immer sehr gut – und kann es wohl auch immer noch. Verhaltenstechnisch irgendwann mal als Miniversion des Uchiha durchzugehen, war nicht unbedingt etwas wo er Lust drauf hatte. Anderseits … Warum eigentlich nicht? Sein erstes Fangirl hatte er immerhin schon – auch wenn Sora zum Glück noch zu Jung war, um sich so zu benehmen wie Sakura und Ino. In einem war sich Kin jedenfalls sicher. Das würden anstrengende Zeiten werden, wenn die jüngere Generation von Mädchen ihn genauso vergöttern würde, wie es die älteren bei Sasuke taten. Aber wozu Gedanken machen? Bis er – wenn überhaupt – zum Mädchenschwarm wurde, würden sicher noch einige Jahre vergehen.
Mit erhobenem Haupt und die Arme hinter dem Kopf verschränkt, spazierte Kin an seinem Vater vorbei in die Küche. Im Türrahmen blieb er nochmal kurz stehen und blickte Kakashi entgegen. „Kommst du jetzt oder soll ich allein essen?“

Eine halbe Stunde später saßen sie am Küchentisch und aßen eine Gemüse-Pfanne. Kin war darüber sehr überrascht, da er nicht vermutet hatte, dass sein Vater so gut kochen konnte. Auch wenn er noch immer sehr auf seine Ramen fixiert war, probierte er alles, was ihm vor die Nase gesetzt wurde. Immerhin waren seine geliebten Ramen jetzt weitgehendst Tabu für ihn, womit er sich ein alternatives Lieblingsgericht suchen musste – und dies fand er eben nur, wenn er alles durchprobierte. Die Gemüse-Pfanne schmeckte ihm überraschend gut, womit er zunächst nicht gerechnet hatte. Wo sein Vater die Kochkünste her hatte, war ihm dennoch ein Rätsel.
„Was war jetzt mit eurer Zukunftsplanung?“, fragte Kin zwischen zwei Happen und beobachtete, wie sich bei seinem Vater eine Stirnfalte bildete.
„Der Hokage hat derzeit eine wichtige Mission, die vorzugsweise ich übernehmen soll. Problem dabei: Ich kann dich auf keinen Fall mitnehmen. Daher waren wir am überlegen, was wir mit dir anstellen, während ich weg bin.“, erzählte Kakashi und machte darauf eine Pause, um selbst weiter zu essen.
„Und was habt ihr entschieden?“, wollte der Junge neugierig wissen und musste zunächst einige Minuten auf eine Antwort warten. Offenbar war Kakashi nicht gewillt ihm alle Einzelheiten während des Essens mitzuteilen, weshalb er zunächst seinen Teller leerte.
Kin staunte nicht nicht schlecht über diese Handlung, denn sein Vater ging dabei nicht unbedingt langsam vor. Er selbst ließ sich viel mehr Zeit beim Essen und auch von Kakashi war er sonst eher ein anderes Verhalten gewohnt. Aber gut, nun hatte er den Teller leer und konnte reden. Der Kleine war jetzt mehr als gespannt, was sein Vater ihm berichten würde.
Kaum war dieser fertig, begann er auch schon zu erzählen:
„Nun, zunächst einmal wird Iruka hier eines der beiden Gästezimmer beziehen, während ich auf Mission bin. Seine Wohnung ist wohl sehr klein und hier hast du zumindest deine Sachen. Ich könnte dich zwar ohne große Probleme allein lassen, aber für außenstehende wäre das sicher ein Problem, wenn ich meinen 4jährigen Sohn über 1-2 Wochen ganz allein lasse.“
„Das ist wahr.“, grinste Kin und überlegte schon, ob Kakashi auf diese Problematik allein gekommen war, oder ob ihn die Anderen darauf hinweisen mussten. Er wollte schon nachfragen, verkniff es sich dann aber schließlich. Immerhin hatte er ihn schon am Vormittag auf einige Probleme mit dem Umfeld hinweisen müssen.
„Zunächst war der Hokage der Meinung, dass wir dich vielleicht in den Kindergarten stecken könnten“, erzählte Kakashi dann weiter und erkannte beim Wort Kindergarten kurz einen sowohl verschreckten, wie auch entsetzten Ausdruck auf Kins Gesicht. „aber keine Panik, da musst du nicht hin. Es sei denn, du willst es.“ Für einen kurzen Moment war ein böses Funkeln in Kins Augen zu erkennen, doch so schnell, wie es da war, war es auch schon wieder weg, weshalb Kakashi sich nicht ganz sicher war, ob er es wirklich gesehen hatte.
„Ich verzichte!“, sprach der Junge schließlich und bestätigte damit Kakashis Verdacht. Er hatte schon bei Planung vermutet gehabt, dass Kin es nicht sonderlich gefallen würde, in den Kindergarten zu müssen. „Dachte ich mir schon.“, meinte er darauf und sah sich nun wieder dem neugierigen Blicken eines 4jährigen Gegenüber.
„Und wie kamst du darauf, dass mir diese Idee nicht gefallen wird?“, sprach der Knirps und warf seinem Vater einen abschätzenden Blick zu. Er bezweifelte stark, dass Kakashi auch nur annähernd in die richtige Richtung dachte. Verblüfft stellte er anschließend jedoch fest, dass der Mann sogar richtig lag.
„Ich hab dich lang genug beobachtet, seit der Naruto in dir wieder erwacht ist. Du bist ein guter Schauspieler und kannst dich auch gut verstellen, aber permanent zu verstellen, würde auch dir Probleme bereiten. Auch du brauchst deine Pausen. Kleine Kinder können sehr anstrengend sein und sich selbst als eins darzustellen ist sicher genau so. Du wärst gezwungen über 8 Stunden am Stück das kleine Kind zu sein, mit 10-20 anderen Kindern in einer Gruppe und ohne jegliche Rückzugsmöglichkeit, wo du dich mal entspannen kannst.“, präsentierte er seinen Grund und klopfte sich in Gedanken selbst auf die Schulter. Der Blick seines Sprösslings war ihm nicht entgangen und dieser sagte deutlich aus, dass er richtig lag. Insgeheim war Kakashi schon etwas stolz darauf, dass er es auch mal geschafft hatte, mit einem schlauen Gedanken zu punkten. Neben Kin kam er sich manchmal richtig dämlich. Aber wie sagt man noch? Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.
„Gut erkannt. Das war wirklich einer der Gründe.“, sprach Kin in einem noch immer überraschten Ton, doch Kakashi hatte nicht alles erraten. Wie den auch? Von der anderen Sache wusste er sicher nichts.
„Ach, und was war der Andere?“, wollte der Mann nun wissen und grübelte bereits vor sich hin. Was könnte den noch ein Grund sein?
Erneut an diesem Abend zeigte sich bei Kin das füchsische Grinsen. „Sag ich dir nicht.“, sprach er und fügte in Gedanken noch etwas hinzu: >Wenn ich dir das erzähle, bekommst du nur wieder ’nen Schock.< Kurz darauf schwand das Grinsen und der kleine Dämon wand sich wieder wichtigeren Dingen zu: „Da es nicht der Kindergarten wird, wohin komme ich dann?“, wollte er wissen und stopfte im Anschluss auch den letzten Happen von seinem Gemüse in den Mund.
Trotz des Grinsens war Kakashi nicht entgangen, das Kin versucht hatte etwas anderes damit zu überspielen. Er hatte einen Hauch von Angst spüren können und auch etwas Traurigkeit. Zudem war das böse Funkeln von zuvor noch in seinem Gedächtnis haften geblieben. Ob Kin schlechte Erinnerungen mit dem Kindergarten verband? Er war sich nicht mal sicher, ob der Junge früher überhaupt im Kindergarten war. Zunächst wollte er das Thema nicht ansprechen, immerhin hatte Kin ihm eben gesagt, dass er es nicht sagen wollte, also akzeptierte er dies – vorerst!
„Iruka nimmt dich mit in die Akademie. Du wirst die Zeit bei Iruka und deiner alten Klasse verbringen, wobei du nicht als Schüler gelten wirst, sondern als Gast.“, offenbarte er nun den Plan und war nun selbst etwas überrascht. Kins Gesicht zeigte diesmal keinerlei Emotion und vom Gefühl her würde Kakashi die Empfindung des Jungen irgendwo zwischen verwirrt und unschlüssig einordnen.
„Na, ob das gut geht?“, seufzte Kin und war sich noch immer nicht sicher, was er davon halten sollte.
„Du schaffst das schon.“, sprach Kakashi seinem Sohn etwas Mut zu. „Sei einfach der kleine Junge, der du jetzt bist und ignoriere die Tatsache, dass du die Kinder dort alle schon kennst. Ein wenig darfst du sogar beim Unterricht mitmachen. Zeig ihnen ruhig was du kannst und wenn wer fragt: Papa trainiert dich.“
Darauf muss Kakashi etwas grinsen, weil ihm seine eigene Vergangenheit in den Sinn kam. Er hatte nie die staunenden und teils auch neidischen Blicke der anderen Kinder vergessen, als er die Geninprüfung gemacht hatte. Er war damals halb so alt gewesen, wie alle anderen Teilnehmer.
„Übertreib es aber nicht.“, mahnte er anschließend seinen Sohn, da Kin doch etwas spezieller war, als er früher. „Kräftetechnisch würdest du jeden aus der Klasse locker umhauen und auch Iruka hätte gegen dich keine Chance. Dieses  Detail sollten wir vorerst für uns behalten.“
Da musste Kin seinem Vater allerdings recht geben. Es wäre wirklich besser, wenn vorerst niemand mitbekäme, wie stark er wirklich war. Asuma hatte gegen ihn ganz schön alt ausgesehen, dabei hatte er sich gegen den Jonin  sogar stark zurückgehalten.
„Und wann geht es los?“, wollte Kin schließlich wissen. Etwas Unbehagen verspürte er schon noch, doch auch Neugierde. Immerhin musste er jetzt nicht mehr verstecken, wie schlau er war und konnte weitgehendst er selbst sein.
„Das erfahren wir morgen früh. Wir sollen um 9 Uhr beim Hokage sein.“ Mehr wusste Kakashi dazu auch nicht. Bisher wusste er nicht einmal, was für eine Mission er bekommen sollte und wann diese starten würde.
Zunächst stand jedoch eine ganz andere Mission an: Abwasch!
Diese Mission erledigten Vater und Sohn nun zusammen. Kin stand auf einem Stuhl vorm Spülbecken und wusch ab, während Kakashi alles abtrocknete und direkt wegräumte. Sehr lang brauchten sie dafür nicht. Zu zweit ging es halt schneller.

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