[KH-alt] Kapitel 24 – Narutos geheime Hobbys

Für einen Moment war Kakashi verschwunden gewesen, als er zurückkehrte hatte er den Koffer mit der Violine unter dem Arm und legte ihn auf dem Couchtisch ab. „Ich weiß leider nicht, ob sie noch in Ordnung ist. Auf ihr wurde über 20 Jahre nicht gespielt und ich habe sie in der Zeit auch nicht angerührt.“

Für Kin war auf den ersten Blick klar, dass dies eine alte Violine war und sie sich in einem sehr guten Zustand befand. Leicht verstaubt und sicher auch etwas verstimmt, doch ansonsten in gutem Zustand. Ehrfürchtig nahm er das Instrument aus dem Koffer und besah es sich genauer. Sie wies starke Ähnlichkeit zu einer Violine auf, deren Bild er mal in einem Buch gesehen hatte. Nur in welchem Zusammenhang? Er wusste es nicht mehr.
Vorsichtig wischte er den Staub ab und prüfte die Saiten. Es dauerte nicht lang und er hatte das Instrument gestimmt, doch nun, wo er darauf spielen wollte, war es etwas ungewohnt. Sein nun viel kleinerer Körper musste die Violine etwas anders halten, als er es in den letzten Jahren gewohnt war.
„Ich bin aber nicht wirklich gut. Seit Taki mich nicht mehr unterrichtet, habe ich nur für mich allein gespielt – und ich hab auch keine Ahnung, wo meine Fehler liegen.“, warnte er die Anderen vor und begann eines der Lieder zu spielen, welche er damals noch mit Taki geübt hatte.
Einige Minuten lauschten sie den wohlklingenden Tönen. Ob es Fehler gab, konnten sie nicht einschätzen, da sich niemand von ihnen gut genug auskannte. Doch in einem waren sie sich einig: „Das war wunderbar. Du spielst sehr gut.“, lobte der alte Sarutobi schließlich und die anderen konnten ihm nur zustimmen. Kin bedankte sich und spielten noch ein zweites Lied, welches ebenfalls sehr gut bei seinen Zuhörern ankam.
„Und was genau hast du jetzt gespielt? Was waren das für Stücke?“, wollte Iruka darauf wissen, da er sich kein bisschen mit klassischer Musik auskannte.
Dass sein Pate keine Ahnung von dieser Art von Musik hatte, wusste Kin ja, weshalb er nur leicht den Kopf schüttelte. Asumas Vermutung, dass die beiden Stücke von Brahms und Mozart waren, sorgte bei dem kleinen Musiker darauf für entsetzten und innerlich schlug er die Hände vors Gesicht. Als dessen Vater dann jedoch damit kam, die Stücke wären von Beethoven und Schubert gewesen, da hätte sich Kin am liebsten irgendwo verkrochen. Der ehrenwerte Sandaime Hokage, bekannt als Liebhaber von klassischer Musik – und dann sowas? Das ging ja mal völlig daneben.
Gerettet wurde das Ganze schließlich von jemanden, mit dem Kin weniger gerechnet hatte. „Ihr Ahnungslosen! Das waren Bach und Chopin.“, meinte nun Kakashi und verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. Soviel Ahnung sollte man doch zumindest haben. Seine Mutter hätte sich im Grabe umgedreht wenn er das nicht erkannt hätte.
„Kami sei Dank! Wenigst einer mit Ahnung.“, seufzte Kin darauf und legte die Violine wieder in den Koffer.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du so gut mit der Violine umgehen kannst. Wenn du möchtest, kannst du sie behalten. Ich kann damit eh nicht umgehen. Ich bin mir sicher, meine Mutter würde sich freuen, dass ihr Enkel jetzt darauf spielt.“, meinte Kakashi mit einem Lächeln und umarmte seinen Sohnemann.
„Danke.“, grinste Kin darauf und freute sich darüber, dass er das Instrument behalten durfte. „Aber so gut bin ich noch nicht. Ich spiele voll schlecht und ohne Lehrer ist es nicht einfach die Fehler zu finden. Immerhin übe ich seit Jahren ganz alleine.“
„Da lässt sich jetzt sicher jemand finden, der dir Unterricht geben könnte.“, sprach der Hokage dem Jungen Mut zu und und lächelte darauf.

Einige Minuten redeten die Erwachsenen über eher belanglose Dinge, weshalb Kin ihnen nicht mehr zuhörte und stattdessen seinen eigenen Gedanken nachging. Er musste ihnen an diesem Abend noch von seinem Mörder erzählen. Nur wie? Er war sich selbst nicht mehr sicher, ob Mizuki es war. Der Mann war immer freundlich zu ihm gewesen und er kein auch kein mieses Gefühl bei dem Lehrer. Sonst hatte er dies bei allen Personen, welche ihm gegenüber mal handgreiflich geworden waren. Es irritierte ihn nahm seinen Verstand völlig ein. So sehr, dass er nicht einmal mitbekam, wie er angesprochen wurde.
Einige Male hatte Kakashi den Junge bereits angesprochen. Kins Augen hatten begonnen von innen heraus zu leuchten und glühten in einem starken goldgelben Farbton, was bei Iruka und dem Sandaime für Verwirrung gesorgt hatte. Da sich der Junge jedoch von nichts in die Realität zurück bringen liegt, griff Kurama zu härteren Maßnahmen und zwickte seinen Sohn in den Arm – was jedoch auch nicht half…
Schließlich ließen sie ihn einfach ein paar Minuten und beobachteten ihn stattdessen. Nach einiger Zeit hörte das Glühen schließlich auf und Kin begann seine Umgebung wieder wahrzunehmen. Sofort fühlte er sich beobachtet und bemerkte das alle Augen auf ihn gerichtet waren. „Ist was?“, fragte er nichtsahnend und kam sich vor wie ein Tier im Käfig, weil sie ihn alle so seltsam anstarrten.
Verwirrt betrachteten sie den Jungen, der seine Umgebung nun endlich wieder wahrnahm. Hatte er wirklich nichts bemerkt? „Deine Augen haben geglüht und du hast Minutenlang auf nichts reagiert.“, klärte Kurama seinen Sohn auf.
„Hä? Ich hab doch nur nachgedacht. Seltsam …“ Nun war auch Kin verwirrt. Solch abwesende Momente kannte er von sich gar nicht. Obwohl … Er selbst bekam sie ja offenbar nicht mit und bisher hatte sie nie jemand für ihn interessiert, weshalb es auch niemanden gegeben hatte, der es hätte bemerkten können.
„Ist jetzt auch egal.“, meinte der Hokage darauf und darauf schüttelte er leicht den Kopf, in der Hoffnung, sein verwirrter Zustand würde sich etwas legen. „Wir wollten von dir wissen, ob du noch mehr Geheimnisse aus Narutos Leben hast, von denen du uns erzählen willst. Wenn nicht, dann würden wir das Gespräch gern in eine Richtung lenkten, welche vielleicht unangenehm für dich sein könnte, doch dann hast du es zumindest hinter dir.“, deutete der alte Sarutobi an, da er vor Kin nicht aussprechen wollte, worum es gehen würde. Leider hatte er den Verstand des Jungen nicht mit einkalkuliert.
Seufzend ließ sich Kin nach hinten fallen und landete an Kakashis Brust. Er wusste genau, worum es sich dabei handelte. „Ich wollt über meinen Mörder reden.“, stellte er fest und hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Es war klar, das sie darüber reden wollten, doch er wollte in diesem Gespräch die Führung haben. Zudem war es ihm recht, dass es für sie offenbar auch interessant war, mehr über Naruto zu erfahren, weshalb er sich auch einem weiteren Geheimnis widmete.
„Es gibt noch eine Sache, die ich als ein weiteres Geheimnis ansehe: Ich war ein Einbrecher.“, offenbarte er und sah in die geschockten Gesichter der Erwachsenen. Kichernd besah er sich jedes einzelnen, bevor er weitersprach: „Ich rede jedoch nicht von der Art Einbrecher, die in fremde Häuser einsteigen, um dort zu stehlen. Ich bin immer am gleichen Ort eingebrochen und ich habe nie etwas entwendet oder beschädigt.“
Ein einheitliches erleichtertes Seufzen erklang und die Atmosphäre schien sich wieder zu entspannen. „Was hast du dann gemacht?“, wollte Kakashi nach einem kurzen Moment wissen. Er hatte erst seinen Schock verdauen müssen, bevor er reden konnte und den Anderen ging es offenbar genauso.
„Nun, öffentliche Bibliothek bedeutete hier in Konoha offenbar: Offen für alle, außer das Monster. Sie haben mich schon rausgeschmissen, bevor ich auch nur in der Nähe der Tür war. Daher kam ich irgendwann auf die Idee, einfach dort einzubrechen. Bemerkt wurde es nie, da ich immer darauf geachtet hatte nichts zu beschädigen. Ich bin nach der Schließzeit rein, hab gelesen und bin vor dem Morgengrauen wieder abgehauen.“, erklärte Kin mit einem Grinsen, welches Kakashi wieder stark an das frühere fuchsartige Grinsen von Naruto erinnerte.
Kopfschüttelnd betrachtete der Hokage den kleinen Buben. „Und was hast du dort gelesen?“, fragte er nach einigen Minuten, da er es nicht wirklich glauben konnte, was der Junge wegen Büchern eingebrochen war. Sicher, Bildung war etwas, wofür es sich gelohnt hätte, zumal man sie ihm offenbar verwehrt hatte, doch konnte er nicht glauben, dass der Junge sich wirklich nützliche Dinge durchgelesen hatte.
„Unterschiedlich. Angefangen hatte es damals mit Büchern über Komponisten und Musikstücken, weil ich mal etwas neues mit der Violine ausprobieren wollte. Ich hab mir auch einiges über das Instrument selbst durchgelesen und ihre ersten Erbauer.“, begann Kin zu erzählen und setzte wieder einen nachdenklichen Blick auf.
„Durch ein Buch über berühmte Violinisten kam ich dann auf einen Absatz, welcher erwähnte, dass eine Romanfigur Namens Sherlock Holmes Violine spielte. Erwähnt wurde auch, dass es sich bei den Büchern um Kriminalromane handelte und der Mann ein Detektiv sein. Das hatte mich damals fasziniert, weshalb ich mir auch davon ein Buch durchgelesen habe. Tja, bei einem blieb es dann nicht. Mittlerweile kenne ich sie alle. Was ich in den Romanen damals nicht verstanden, hatte ich immer in den Lexikons und Sachbüchern nachgeschlagen, die es in der Bibliothek ja auch zuhauf gibt. Sherlock Holmes ist zu einem Vorbild für mich geworden, obwohl die Figur nur erfunden ist.“, erzählt der Junge stolz und lächelte dabei.
Mit so ziemlich allem hatte der Hokage gerechnet gehabt, von den Kinderbüchern und Mangas bis hin zu den sexuell orientierten Büchern. Nicht jedoch, dass der Junge sich wirklich gezielt im musikalischen Bereich gebildet hatte und darüber zu den Krimis kam. „Musiker und Krimi Leser. Beides etwas, dass du früher geheim gehalten hattest und jetzt offen zeigen kannst, wenn du das möchtest. Gibt es sonst noch etwas, dass wir wissen sollten?“, wollte der Sandaime nach einigen Minuten wissen.
„Nein, dafür hab ich jetzt einige Fragen.“, stellte Kin sofort klar und nahm einen äußerst ernsten und konzentrierten Gesichtsausdruck an, welcher überhaupt nicht zu dem kleinen Jungen passte.
Seufzend faltete der Hokage die Hände. Das konnte ja noch etwas werden, mit dem Jungen. Gespannt wartete er ab, bis die erste Frage gestellt wurde.
Mit geschlossenen Augen dachte Kin einen Moment darüber nach, was er genau fragen wollte und in welcher Reihenfolge. „Gut, kommen wir zunächst zum unangenehmen Teil: Nach meinem Tod hast du während der Versammlung erwähnt, dass du meinem Mörder eine Woche zeit gibst sich selbst zu melden. Hat sich jemand gemeldet?“
„Ja und nein. Gai ist mit seinem Team vorbei gekommen und hat drei Genin gemeldet, welcher er wohl an dem Vormittag vertrieben hatte, als sie auf dich einprügelten. Zu dem Zeitpunkt ging es dir aber wohl noch ganz gut und er ist mit seinem Team dann gegangen. Dann haben wir noch die Kahari Brüder festgenommen, welche dich offenbar kurz darauf verprügelt hatte. Sie hatten in einer der Bars damit geprahlt. An dem Abend bei der Versammlung waren sie schon so betrunken, dass sie nicht mal mitbekommen haben, dass es überhaupt eine Versammlung gab und sie sind von den anderen Gäste der Bar noch am selben Abend verpfiffen worden. Sie beteuerten jedoch, das sie dich nicht getötet hätten. Inoichi hat das überprüft und bestätigt. Sie hatten dich wirklich nur verprügelt und sind dann gegangen – was an sich aber schon schlimm genug ist, weshalb sie jetzt wegen schwerer wiederholter Körperverletzung und Kindesmisshandlung sitzen. Zudem waren die Brüder an einem anderen Ort mit dir. Kakashi und Iruka haben dich ganz woanders gefunden, womit sie als Mörder ebenfalls rausfallen. Wer es letztlich war, konnten wir bisher jedoch nicht rausbekommen.“, berichtete der Hokage und seufzte darauf. Er hätte dem Jungen wirklich gern gesagt, dass er sich keine Sorgen mehr machen musste. Dass sie den Täter bereits gefasst hatten. Leider hatten sie ihn bisher nicht finden können.
Derjenige, den Kin hätte als Mörder identifizieren können, war noch frei, dass hatte der Junge ja bereits am Vormittag festgestellt, jedoch hatte er insgeheim Gehofft, das sich vielleicht jemand anders zu dem Mord bekannt hatte. Damit hätte er nun ein Problem weniger, zumal er sich bei dem Täter ja selbst nicht mehr sicher war. Aber wie sollte er ihnen nun von Mizuki erzählen? Wenn der Mann wirklich unschuldig sein sollte, dann wollte er auch nicht seinen Ruf zerstören und vor allem nicht sein Leben. Er wusste, wie sehr Mizuki Kinder liebte und was für ein beliebter Lehrer er war. Würde rauskommen, dass er wegen des Mordes an einem Kind auch nur verdächtigt wurde, dürfte der Mann sicher nicht mehr unterrichten. Das konnte er dem Mann nicht antun.
„Kin weiß, wer es war.“, deutete Kurama an und zwang Kin somit zu einer Aussagen, vor der sich der Junge eigentlich drücken wollte.
„Ja, nur bin ich mir selbst nicht mehr so sicher.“, meinte der Kleine darauf in einem nachdenklichen Ton und starrte auf die plötzlich sehr interessant gewordene Tischplatte.
„Aber du hast ihn doch gesehen und kannst dich auch daran erinnern.“, wunderte sich der Fuchs, da er der Sinneswandel des Jungen ihm seltsam vorkam.
„Schon, aber etwas ist da komisch.“, begann der Kleine und überlegte einen Moment, wie er sich am besten Ausdrückte: „Bei jeder Person, die im Laufe der letzten Jahre handgreiflich mir gegenüber geworden ist, hatte ich seit dem ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Ich wusste einfach, dass es einer von ihnen war. Ich bin heute einigen Personen über den Weg gelaufen und auch der Mörder war darunter. Es waren einige dabei, bei denen ich dies schlechte Gefühl hatte. Aber bei ihm, da habe ich das Gefühl nicht. Das dürfte normal nicht sein. Mein Instinkt hat mich da noch nie betrogen. Ich glaube nicht, dass er es war auch wenn ich ihn deutlich gesehen habe. Auch passt das, was ich an ihm gesehen habe nicht zu dem, wie wir ihn alle kennen. Irgendwas ist da faul!“ Damit war sich Kin mittlerweile mehr als sicher. Dies war wohl das Rätsel seines Lebens. Oder Narutos Lebens. Er hätte nicht gedacht, dass er selbst Teil eines Krimis sein würde, wo der offensichtliche Killer sich als unschuldig herausstellt. Ob sie den Täter jemals aufspüren würden?
„Und wen hast du nun gesehen?“, wollte diesmal Kakashi wissen und Kins Blick wanderte zu Iruka.
Er wusste, dass dieser gut mit Mizuki befreundet war. Es würde seinen Freund, Sensei und Paten sicher schocken wenn er den Namen des Mannes aussprach. Doch es ging nicht anders. Er musste es ihnen mitteilen.
„Sensei Mizuki.“

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