[KH-alt] Kapitel 15 – Spiegeltherapie

Einige Minuten betrachteten Kakashi und Asuma die beiden Dämonen bereits. Das Kin sich nun an die Ereignisse erinnern konnte, welche mit seinem sozusagen letztem Leben und dem dazugehörigem Ableben zusammen hingen, hatte sie erst einmal verdauen müssen. Beiden war klar, das diese Erinnerungen den Jungen verschreckt hatten und er sie derzeit nicht um sich haben wollte, da er den Männern nicht mehr vertraute.

Einige Gedanken von Kakashi drehten sich auch im den Kyuubi. Er wusste nicht woran es lag, doch hatte er das Gefühl genau zu wissen, was den Fuchs beschäftigte. Er hatte Schuldgefühle, weil sein Vorhaben gescheitert war. Die Erinnerungen an Naruto hatte er löschen wollen und nun waren sie zurückgekehrt. Kakashi bemerkte auch Sorge um den Jungen und Verzweiflung, da dieser sein Vertrauen in die Menschen verloren hatte.
Plötzlich kam dem Hatake eine Idee, welche an sich total bescheuert war. Er bezweifelte stark, dass es funktioniert würde, aber wer weiß? Vielleicht würde es den Jungen etwas öffnen.
Langsam stand er auf und ging auf Kin zu. Dies blieb von beiden Dämonen natürlich nicht unbemerkt und der Junge schaute misstrauisch dabei zu wie der Mann sich ihm näherte. Einige Schritte vor den Beiden blieb Kakashi stehen und hockte sich hin. Er hatte darauf geachtet, das dieser kleine Sicherheitsabstand so groß war, das er selbst mit einem ausgestrecktem Arm nicht an Kin heran kam. Immerhin wollte er den Jungen mit seiner Nähe nicht zu sehr verängstigen.
„Sagst du mir deinen Namen?“, bat er den Jungen in einem freundlichen Ton und wurde zunächst sowohl von Kurama, wie auch von Kin verwirrt angeschaut.
„Du weißt doch seinen Namen. Was soll also die blöde Frage?“, kam kurz darauf von Asuma, welcher den Sinn von Kakashis Aktion eindeutig nicht begriffen hatte.
„Ich hab ihn gefragt, weil ich wissen möchte, wie er selbst derzeit darüber denkt. Und jetzt ruhe da hinten!“, fauchte er Asuma an und wandte sich wieder Kin zu. „Sagst du mir nun deinen Namen?“
Der kleine Dämon war sich nicht sicher, was er davon halten sollte und sah zunächst den Fuchs fragend an. Dieser hatte nun begriffen, warum Kakashi gefragt hatte und ermutigte seinen Sohn zu einer Antwort, welche der Junge nach einigen Minuten weiteren Nachdenkens auch gab: „Naruto – glaub ich.“
Die Antwort klang recht schüchtern und man konnte noch immer die Furcht heraushören. Doch es war zumindest schon einmal einige Worte, welche der Kleine nun an Kakashi gerichtet hatte. Das Kin sich selbst nicht sicher war, ob sein Name Naruto war, gab Kakashi zusätzlich die Hoffnung, das noch immer einige Erinnerungen von Kin vorhanden waren. Nun hieß es stark bleiben und nicht aufgeben.
„Hast du noch einen anderen Namen?“, fragte er neugierig und wartete gespannt ab, was der sein kleiner Sohn nun sagen würde.
Kin schloss darauf die Augen und atmete einige Male tief durch. Darauf schien der Junge etwas entspannter und auch konzentrierter. Die Antwort ließ dennoch auf sich warten. Wieder dauerte es einige Minuten bis der Junge zögerlich mit einem weiteren Namen raus rückte.
„Kin?“ Dies Klang deutlich mehr nach einer Frage, als nach einer Antwort, dennoch lag er richtig und Kakashis Hoffnungen verstärkten sich. Etwas von seinem kleinen Kin war noch da drin.
„Das ist Richtig. Beide Namen gehören zu dir.“, bestätigte Kakashi und sah sich den Jungen nochmals an. Furcht und Misstrauen waren ihm noch immer anzusehen, doch er war nun ruhiger und ließ mit sich reden.
„Naruto, kannst du mir sagen, wie alt du bist? Und beschreiben, wie du aussiehst?“, war die nächste Frage von Kakashi.
Erneut schien der junge einen Moment darüber nachzudenken. Diesmal kam eine Antwort jedoch schneller. „Zur ersten Frage: Ich bin 11 …  Nein, das stimmt nicht. Ich hatte ja Geburtstag! Dann bin ich jetzt 12. Und mein Aussehen … ähm. Kurz blonde Haare, stehen nach allen Seiten ab und lassen sich einfach nicht bändigen. Ach und meine Augen, die sind Blau. Dann hab ich noch Narben auf den Wangen, die sind hier.“ Dabei zeigte der Junge mit der einen Hand auf seine Wange und versuchte die Linien nachzuziehen. Schien jedoch etwas verwundert, als er sich mit den Fingern über die Wange strich. „Das sind jeweils drei Narben. Komisch, sonst konnte ich die immer fühlen.“
Nun musste Kakashi leicht kichern. Er wusste, warum Kin die Narben nicht fand, denn sie waren nicht mehr vorhanden. Mit der Veränderung zu Kin waren sie verschwunden und konnte nun natürlich auch nicht mehr von dem Jungen wahrgenommen werden.
„Nun, du hast recht Naruto. So sahst du aus.“ Einen Moment überlegte Kakashi, ob er sein nächstes Vorhaben wirklich umsetzten sollte und entschied sich letztlich dafür. Jedoch ermahnte er sich, es vorsichtig angehen zu lassen. „Ich würde dir gern etwas zeigen, wenn ich darf. Dazu müsstest du allerdings kurz auf meinen Arm kommen.“
Kins Misstrauen war nun weitaus deutlicher zu erkennen, als zuvor. Diese Reaktion hatte Kakashi jedoch geahnt und sich schon etwas überlegt, wie er den Jungen doch dazu bekam, mit ihm mitzukommen.
„Ich weiß, das du mir nicht traust, aber du vertraust Kurama.“ Ein bestätigendes Nicken kam darauf von dem Jungen. „Kurama wird mitkommen und aufpassen. Dann braust du keine Angst zu haben. In Ordnung?“
Ein schüchternes „Ist gut.“ kam von dem Jungen und darauf ließ der Kleine den Fuchs los, welcher zuvor noch immer in Kins Umarmung gefangen war. Es dauerte einen Moment, in welchem man Kin deutlich ansehen konnte, wie sehr er mit sich selbst kämpfte. Schließlich stand der Junge doch auf und stellte sich vor Kakashi, welcher noch immer in der Hocke saß.
Sie waren in diesem Moment genau gleichgroß. Etwas, dass bei Kin für deutliche Verwirrung sorgte, denn der Junge hatte sich selbst größer in Erinnerung. Warum war er jetzt gerade mal so groß, wie ein hockender Erwachsener?
Dieses Mal ahnte Kakashi nicht den Grund für den verwirrten Zustand seines Sohnes. Auch er konnte nicht an alles denken, doch sollte es nicht lang dauern, bis er erfuhr, was den jungen beschäftigte.
„War ich nicht mal größer?“, ging dem Jungen durch den Kopf und offenbar hatte er nicht gemerkt, das er diesen Gedanken auch laut ausgesprochen hatte.
„Darüber reden wir gleich. Nun komm.“ Darauf reichte Kakashi dem Kind seinen unverletzten Arm. Kin näherte sich leicht zögerlich dem Mann und hielt sich mit den Armen an dessen den Schultern  fest. Nun legte Kakashi den Arm um Kins Beine und zog den Jungen näher zu sich. Dadurch saß diesen nun halb auf Kakashis Unterarm.
Die Nähe machte Kin nervös, dass sah man den Jungen an. Daher versuchte Kakashi seinen Sohn zunächst zu beruhigen, bevor er aufstand. „Ganz ruhig. Ich werde dir nichts tun und Kurama kommt mit und passt auf, damit du keine Angst haben musst.“ Einen Moment wartete Kakashi darauf noch ab, bis sich Kin sich etwas entspannt hatte. „Gut, dann gehen wir jetzt ins Bad. Ich möchte dir etwas im Spiegel zeigen.“ Mit diesen Worten stand Kakashi auf und wandte sich zum Bad.

Kurama war auf Asumas Schulter geklettert und hatte den Mann gebeten ihnen zu folgen. In der Tür zum Bad blieb der Sarutobi dann stehen, da das Waschbecken und der Spiegel direkt neben der Tür waren. Er lehnte sich an den Türrahmen und schaute dem kleinen Jungen dabei zu, wie er sich selbst und Kakashi im Spiegel betrachtete.
Das Spiegelbild hatte den Jungen deutlich verwirrt. Er sah nicht mehr den 12-jährigen goldblonden Jungen, mit den blauen Augen und Narben auf den Wangen. Er sah einen kleinen Jungen mit schneeblondem Haar. Die Augen waren von einem dunklen Gelb und sahen fast schon golden aus. Vielleicht war es auch Gold. Er selbst konnte es nicht einschätzen. Wenn er das alter des Kindes schätzen müsste, so würde er 4 oder 5 Jahre vermuten, aber auf keinen Fall älter. Wer war dieses Kind? Und wo war sein Spiegelbild hin?
„Wer ist das?“, wollte Kin wissen und beobachtete dabei, wie sich der Mund des Kindes im Spiegel zu seinen Worten bewegte. Etwas in ihm wusste genau, das er selbst dieses Kind war, doch sein Verstand schien es noch nicht begreifen zu wollen.
„Nun“, begann Kakashi und zeigte zunächst auf sein eigenes Spiegelbild. „Das dort bin ich. Ich heiße Kakashi Hatake und ich bin 26 Jahre alt. Und das dort“ Jetzt zeigte er auf das Kind im Spiegel. „Das ist mein Sohn. Sein Name ist Kin Hatake und er ist 4 Jahre alt.“ Darauf senkte er seinen Arm wieder. Zum Zeigen hatte er den verletzten Arm benutzt, da Kin ja mit dem anderen Arm getragen wurde. Auch wenn diese Bewegung nur kurz war, so hatte es doch mehr geschmerzt, als der Mann erwartet hatte.
Zunächst hatte Kin die Spiegelbilder mit Verwirrung und Unglauben beobachtet. Doch die Ähnlichkeit von Kakashi und seinem Sohn war auch für ihn unverkennbar. Zusätzlich sickerte langsam aber sicher die Erkenntnis in ihm durch, das dieses Kind im Spiegel er selbst war. Nur konnte er sich nicht erklären, warum er so anders aussah, als er sich selbst in Erinnerung hatte – und dann war er auch noch jünger als er sein sollte. Plötzlich schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, dass er nun mit der Akademie noch mal von vorn anfangen konnte, dabei wäre er fast fertig gewesen. Wieso sich ausgerechnet die Akademie in seinen Verstand mogeln musste, konnte er sich jedoch selbst nicht erklären. Immerhin gab es wichtigere Dinge, welche es zu klären galt. Allen voran: Was war passiert? Warum war er wieder ein kleines Kind? Und warum sah er jetzt anders aus?
Erneut betrachtete Kin den Mann auf dessen Arm er sich befand. Dieser Kakashi war jetzt also sein Vater und sein neues selbst sah den Mann auch sehr ähnlich. Würde es jetzt, wo er einen Vater hatte, vielleicht anders sein? Würde er jetzt endlich leben und Kind sein dürfen? Noch immer misstraute er den Männern, doch langsam schwand es und stattdessen schlich sich etwas anderes in sein Herz. Es war Hoffnung – und auch Sorge, denn in diesem Moment bemerkte er den Blick seines neuen Vaters, in welchem deutlicher Schmerz zu sehen war. Sein eigener Blick fand den Verband am Oberarm des Mannes. Dies war jedoch nur das Spiegelbild, welches er anstarrte und so wandte er seinen Blick erneut und betrachtete nun den echten verbundenen Arm.
Vorsichtig strich er mit den Fingerspitzen über den Stoff des Verbandes und fragte sich, woher diese Verletzung wohl stammen mag. „Tut es sehr weh?“, wollte er von seinem Vater wissen und betrachtete das Gesicht des Mannes. Von Schmerzen war nichts mehr zu erkennen. Er wirkte eher entspannt.
„Mach dir keine Sorgen. Es geht schon wieder.“, lächelte Kakashi. Sein Herz machte darauf einen kleinen Freudenhüpfer, denn Kin hatte sich offenbar entschlossen, ihm wieder zu vertrauen und sich bei ihm angekuschelt.
Keine 10 Sekunden später mussten die Männer nun beide lachen, denn der Magen von Kin begann lautstark zu protestieren – was auch kein Wunder war. Immerhin hatte der Jungen seid drei Tagen nichts gegessen. Asuma machte sich auf den Weg in den Gastraum. Es war bereits Abend geworden und daher holte er gleich für alle etwas zu essen.
Vater und Sohn Hatake, welche endlich wieder zueinander gefunden hatten, machten es sich auf einem der Betten bequem und Fuchspapa Kurama legte sich zu ihnen. Der Fuchs war froh, dass Kin den ersten Schrecken nun hinter sicher hatte. Zwar würde sein Sohn noch einige Zeit an diesen Erlebnissen zu knabbern haben, doch das wichtigste war nun, das sein Vertrauen zu Kakashi wieder zurück war. Ob dies auch für Asuma galt, würde sich im Laufe der nächsten Zeit zeigen.
Der kleine Dämon war noch immer etwas verwirrt und versuchte seine Erinnerungen und Eindrücke zu sortieren. Alles was ihm in den Sinn kam, hatte jedoch ausschließlich mit Naruto zu tun. Dies wunderte ihn, denn auch von Kin müssten doch Erinnerungen vorhanden sein. Es dauerte eine Weile, bis von Kin wieder eine Regung kam und was seine Väter dann zu hören bekamen, was ein genervtes seufzen.
„Was beschäftigt dich?“, erkundigte sich der Fuchs, welchem der nachdenkliche Blick seines Sohnes nicht entgangen war.
„Ich versuche mich daran zu erinnern, was nach meinem Tod passiert ist. Irgendwie muss ich ja zu Kin geworden sein. Aber ich kann mich weder daran, noch an etwas anderes aus der letzten Zeit erinnern, was mit meinem neuen Leben zusammenhängt.“ Kins Stimme klang deutlich genervt und auch verzweifelt.
„Also, das war so …“, begann Kurama und darauf erzählten er und auch Kakashi dem Jungen alles, was in den letzten 16 Tagen alles passiert war. Von Narutos Tod (aus ihrer Sicht), wie er anschließend zu Kin geworden ist und wie das Dorf die Nachricht aufgenommen hat. Von Kins richtigen Eltern, was damals passiert war und noch vieles mehr. Alle Fragen, welche der kleine Junge hatte wurden ihm an dem Abend und auch den folgenden Tagen beantwortet.

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