[KH-alt] Kapitel 14 – Verlorenes Vertrauen?

Es war später Nachmittag und der kleine Jungdämon schlief noch immer unruhig in seinem Bett. Es war bereits der dritte Tag, welchen Kin in diesem Zustand verbrachte und so langsam machte Kakashi sich sorgen. Der Fuchs hatte ihm versichert, dass solch eine lange Schlafphase nach einem Blutrausch völlig normal sei, da dieser Zustand eine sehr enorme körperliche Anstrengung bedeutet und auch der Chakraverlust eine hohes Maß an Erschöpfung mit sich bringt.

Die Sorgen des menschlichen Vater lagen mehr bei den Träumen des kleinen Jungen. Immer wieder konnten er hören, wie Kin im Schlaf weinte. Er konnte ihn wimmern hören und oft zitterte das Kind auch. Kin hatte bei seinem Blutrausch zwar keine Kontrolle mehr über sich gehabt, doch miterlebt hatte er alles. Jede Einzelheit seine blutigen Tat. Jede Sekunde, in welcher er mit den Banditen und auch mit Kurama kämpfte. Jene Sekunden, in welche er auch Kakashi und Asuma angegriffen hatte.
Für die Männer war es schon nicht einfach dieses Erlebnis zu verarbeiten. Dabei hatten sie in ihren Jahren als Ninja einiges erlebt und zu verarbeiten gehabt. Mit der Zeit lernt man damit umzugehen. Kin war jedoch noch sehr jung. Ihn musste es sehr belasten.
Wieder einmal saß er am Bett des jungen Dämonen und leistete diesem Gesellschaft. Er wollte Kin das Gefühl geben, das er bei ihm war. Behutsam strich er seinem Sohn eine Strähne des schneeblonden Haares aus dem Gesicht und gab ihm darauf einen Kuss auf die Stirn. „Bin gleich wieder da.“, sprach er leise und begab sich kurz ins Bad.
Keine zwei Minuten war er verschwunden. Kein Geräusch drang zu ihm durch, welches hätte andeuten können, das im Nebenraum etwas passierte. Völlig unerwartet begann Kin zu schreien. Der Junge schrie so Laut und so voller Schmerz, dass man denken konnte, ein Fremder wäre in das Zimmer eingedrungen. Ein Fremder, welcher versuchte, das Kind zu töten.
Dies konnte natürlich nicht sein, das wusste Kakashi. Kurama würde schon verhindern, das ein Fremder dem Jungen zu nahe kam. Dennoch hatte sich der Schreck über Kin Schrei tief in seine Knochen gefressen. Schnell eilte Kakashi zurück in das Zimmer. Doch dort war niemand. Nur Kurama stand auf dem einem Bett, den Kopf leicht schief gelegt, und schaute besorgt zu Kin, welcher in seinem eigenen Bett war. Schwer atmend saß der Junge da. Sein Schrei war bereits verklungen und hatte Platz für wimmernde Laute gemacht, welche zusammen mit einigen schluchzenden Geräuschen von dem Kind zu hören waren.
Seufzend ging er auf den Jungen zu und umarmte diesen mit seinem unverletzten Arm. Er wollte Kin trösten und ihm zeigen, dass er da war. Kin schien dies jedoch nicht sonderlich zu gefallen, weshalb er den Arm und den dazugehörigen Körper von sich stieß, wodurch Kakashi mit dem verletzten Arm voran gegen die Wand prallte und vor Schmerzen stöhnend auf den Boden sank und dort sitzen blieb.

Mit einer solch heftigen Reaktion hatte er nicht gerechnet und für einen Moment musste er sein rechtes Augen zukneifen, da sich viele bunte Punkte vor davor tummelten und sich einige Schmerzwellen in seinen lädierten Arm ausbreiteten.
Neben ihm konnte er hören, wie sich die Tür öffnete und jemand schnellen Schrittes den Raum betrat.
„Kakashi, bist du verletzt?“, hörte der Hatake die besorgte Stimme Asumas fragen und der Mann schien sich neben ihn zu knien.
„Nicht mehr, als…ich es zuvor…schon war.“ Seine Antwort kam zögerlich und wurde von einem deutlich schmerzverzerrtem Klang begleitet. „Ich bin nur…mit der Verletzung voran…gegen die Wand.“
Vorsichtig wurde ihm von Asuma aufgeholfen und darauf setzte dieser ihn einige Schritte weiter auf seinem Bett wieder ab. Sein Blick fiel auf das andere Bett, wo er den Jungen vermutete, doch Kin war nicht mehr da. Suchend sah er sich um und entdeckte beide Dämonen einige Meter weiter in der Ecke des Raumes, in welcher Kin zitternd hockte und den Fuchs an sich drückte. Der Blick des Kindes war völlig starr gegen die Wand gerichtet und zeigte Furcht und Schmerz.
Seinen eigenen Schmerz hatte er durch diesen Anblick schon fast vergessen, doch nun kehrte dieser in voller Stärke zurück, da Asuma sich am Verband zu schaffen machte. Durch die Kollision mit der Wand hatte die Verletzung erneut begonnen zu bluten. Um sich abzulenken wandte Kakashi seinen Blick wieder Kin zu.
Es machte ihn traurig den Kleinen so zu sehen und nichts für ihn tun zu können. Wenn dieser im Moment lieber nur den Fuchs bei sich hatte, dann musste er das akzeptieren. Zumindest erlaubte Kin überhaupt einen von beiden die Nähe. Das war besser, als wenn er sich ganz zurück zog.
Seufzend wandte der Hatake seinen Blick wieder von den Dämonen ab und gab kurz darauf einen erschrockenes und schmerzverzerrtes Quieken von sich.
„Seid wann bist du so wehleidig?“, kam die verwunderte Frage des Sarutobi, dem diese überempfindliche Seite von Kakashi recht seltsam vorkam.
„Bin ich nicht wehleidig!“, schmollte Kakashi und sah absichtlich von dem Sarutobi weg und stattdessen wieder in die Ecke des Raumes, in welcher Kurama beruhigend auf Kin einredete. „Ich hab mich nur erschrocken.“, gab er schließlich zu, doch dies schien sein Gegenüber ihm nicht zu glauben.
„Ja, ist klar.“, meinte Asuma darauf und packte mit einem extra festen Griff an den verletzten Oberarm. „Und das hier tut auch kein bisschen weh.“ Der Satz ertrankt schon fast in Ironie und schmales Lächeln zeigt sich auf dem Mund des selbsternannten Sanitäters, als er einen eindeutig schmerzhaftes Stöhnen von seinem Partner vernahm.
„Sadist!“ Nun, dies Stimmte nicht ganz. Asuma war kein Sadist – zumindest nicht bei jedem. Genau genommen war Kakashi sogar der einzige, welcher unter Asumas gelegentlich durchkommenden sadistischen Ader zu leiden hatte.
Der Sarutobi wusste genau, wie sein Lieblingsopfer dies gemeint hatte und quittierte die Aussage mit nichts weiter als einem breitem Grinsen, während er dem Mann den neuen Verband anlegte. Eine weitere Aktion verkniff er sich allerdings. Wenn er Kakashi quälte, dann sollte dies lieber außerhalb von Kins Reichweite sein. Den Zorn des kleinen Dämonenbengels wollte er lieber nicht auf sich ziehen. Sein eigener und eher gering ausgeprägter Sadismus war nichts im Vergleich zu dem, was Kin ihm antun würde, wenn er Junge das irgendwann einmal herausbekommen sollte.
Mühsam schüttelte er seine Gedanke ab, da ihm einige Bilder von sich selbst und dem, was Kin beim Blutrausch angestellt hat in den Sinn kamen. Daran wollte er lieber nicht denken. Es gab im Moment deutlich wichtigeres, als diese unangenehmen Erinnerungen.

Der neue Verband an Kakashis Arm war fertig und nun warf auch Asuma einen Blick zu den Dämonen, welcher er bisher mühsam ignoriert hatte.
Der kleine Junge saß zusammen gekauert in der Ecke und zitterte am ganzen Körper. Sein Blick war starr gegen die Wand gerichtet und einige getrocknete Tränen hatten salzige Spuren auf seinen Wangen hinterlassen. Den Fuchs hielt er mit beiden Armen und drückte ihn fest an seine Brust. Jedes normale Tier hätte gegen diese Behandlung protestiert und um sich geschlagen oder gebissen – oder auch beides. Doch nicht Kurama. Er ließ es zu, da er wusste, dass Kin seine Nähe brauchte und redete stattdessen beruhigend auf seinen Sohn ein.
„Was war überhaupt? Ich hab Kin bis runter in den Gastraum schreien gehört und die haben sofort alle besorgt geschaut.“, wollte der Mann wissen und packte das nicht weiter benötigte Verbandsmaterial wieder ein.
„Wird jemand rauf kommen?“, stellte Kakashi darauf sofort die Gegenfrage und warf seinem Partner einen besorgten Blick zu. Das ein Fremder nun hier im Raum auftauchen könnte, passt ihm gar nicht. Niemand wusste, was wirklich passiert war und er wollte nicht, das jemand Kin in diesem Zustand sah, was die Situation dadurch vielleicht sogar noch schlimmer machen könnte.
„Glaube ich nicht. Ich habe ihnen gesagt, dass Kin in den letzten Tagen Albträume hatte und er deswegen öfter weinend aufgewacht ist. Wenn ich gleich wieder runter gehe, gebe ich es als einen weiteren Albtraum aus.“, erklärte er darauf und warf Kakashi einen fragenden Blick zu. „Und was war nun?“
„Er ist halt aufgewacht.“, seufzte der Hatake und war dankbar für Asumas spontane Einfälle. „Ich weiß nicht, warum er geschrien hat, da ich leider im Bad war, als er wach wurde. Vielleicht weiß Kurama da mehr.“ Beide Ninja wandten ihren Blick darauf zu den Dämonen und bemerkten sofort, dass dem Jungen erneut die Tränen von den Wangen liefen.

Für den kleinen Dämonen war unterdessen seine gesamte kleine Welt zerfallen. Die Erinnerungen an seine zwei Wochen in denen er als Kin lebte, seine dämonische Herkunft, Kakashi als Vater, seine Freunde. Alles war aus seiner greifbaren Reichweite verschwunden und hatte platz für andere Erinnerungen gemacht.
All gegenwärtig: Das Gesicht von Sensei Mizuki.
Er sah es in jeder seiner grausamen Erinnerungen. In jedem Raum an der Akademie. Auf dem Hof und dem Trainingsplatz vor der Akademie. In allen Straßen und Gassen im Dorf, an welche er sich erinnern konnte. In jeder Person, welche ihm über den Weg gelaufen war. Einige Bilder kamen ihm vom Wald in den Sinn und er sah an jeder Ecke den Ort, an welchem Mizuki ihn gequält hatte. Ein weiteres Mal kamen ihm die Tränen und dann hörte er sie.
Diese Stimme, die ihm so bekannt vorkam. Die Stimme, welche ihn schon so oft getröstet hatte. Bilder von Sensei Iruka zeigten sich vor seinem Auge – und dann stand er wieder im Wald. Er sah einen lächelnden Iruka. Er stand in Richtung Konoha und winkte ihm zu. Sein Sensei rief nach ihm und wollte, das er den Mann begleitete. Darauf drehte er sich zum Dorf und marschierte los. Ein weiteres Mal drehte sich der Mann nicht um. Er konnte sich dem Mann nachlaufen sehen, doch mit jedem Schritt, welchen er in Irukas Richtung machte, schien er sich noch weiter von diesem zu entfernen. Nach kurzer Zeit war der Mann verschwunden. Er blieb stehen sah seinem Sensei nach. Stunden schienen zu vergehen, ehe die Bilder verschwanden und den Blick auf die kahle Holzwand des Herbergszimmer wieder freigaben.
Eine weitere sanfte Stimme drang in sein Ohr und sein Blick suchte kurz nach dem Ursprung. Es war Kyuubi. Der Fuchs, den er noch immer eng an seine Brust drückte. Einen Moment kam ihm der Gedanke, das es für den Kyuubi sicher unbequem sein musste, oder auch unangenehm, und er lockerte seine Umarmung etwas. Doch gleich darauf überkamen den Jungen wieder die Erinnerungen und die verhassten Blicke der Dorfbewohner schlichen sich erneut in seine Gedanken.
„Warum? Warum hasst mich jeder?“, fragte der Junge so leise, das nur Kurama die flüsternde Stimme vernehmen konnte.
Der Fuchs unterbrach darauf seine Versuche den Jungen zu beruhigen und starrte seinen Sohn zunächst perplex an. Er konnte sich nicht erklären, wie Kin darauf kam, dass jeder ihn hassen würde.

Die Jonin hatten bemerkt, das etwas anders war. Kurama redete nicht mehr auf Kin ein und starrte stattdessen den Jungen verwirrt an und auch an Kin schien etwas anders zu sein. Das Zittern hatte aufgehört und der Blick des Jungen war nicht mehr starr gegen die Wand gerichtet, sondern wanderte zwischen dem Fuchs und den Männern umher. Letztere schaute er jedoch nicht direkt an, sondern nur aus dem Augenwinkel heraus.
„Wie kommst du darauf, das wir dich hassen?“, wollte der Fuchs nach einigen Momenten wissen und achtete dabei darauf, das er seine Frage so leise wie möglich stellte, da er die Männer vorerst aus dem Gespräch herauslassen wollte.
„Ich weiß es.“, flüsterte der Junge ebenso leise und warf dem Kyuubi einen verängstigten Blick zu. „Ich kann es sehen. Ich hab gesehen, wie ich …“
„Was hast du gesehen?“ Die Stimme des Fuchses klang äußerst besorgt und diesmal achtete er auch nicht auf seine Lautstärke, wodurch die Männer seine Frage deutlich verstehen konnten.
Erneut sammelten sich Tränen in Kins Augen und ein Schluchzen war zu hören, ehe er zu einer zögerlichen Antwort ansetzte. „Ich bin gestorben.“
Die Worte kamen wieder so leise, das nur Kurama sie verstehen konnte und dieser sah den Jungen nun mehr als geschockt an, wodurch die Männer erst recht besorgt waren.
„Kurama, was ist los?“, wollte Kakashi von dem Fuchs wissen, doch dieser reagierte nicht auf die Frage. Er war viel zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Wenn Kin sich wirklich an seine Zeit als Naruto erinnerte, war dies alles andere als Gut.
„Kurama! Rede mit uns!“, verlangte Kakashi ein weiteres Mal und ein recht rauer Unterton schwang in seinen Worten mit, wodurch  der Fuchs aus seinen Gedanken gerissen wurde. Kin hatte sich durch die barschen Worte des Mannes stark erschrocken und fing wieder an zu zittern. Der Hatake bereute seinen rauen Ton sofort, doch solang Kin ihn nicht an sich heran ließ, konnte er den Jungen auch nicht trösten. Bei seinen nächsten Worten achtete er besonders darauf, das er den Jungen nicht noch weiter verschreckte und versuchte sie daher mit einem sanften Klang zu untermauern.
„Jetzt sag uns endlich, was los ist!“, flehte er schon fast, denn es störte ihn sehr, dass er seinen kleinen weinen Sohn nicht trösten konnte.
„Ich fürchte, der Blutrausch hat die Erinnerungen an Naruto wieder hervorgebracht.“
„Bist du sicher?“, wollte diesmal Asuma wissen, den auch ihm war der Ernst dieser neuen Sachlage durchaus bewusst.
Ein seufzen war von Kurama zu hören ehe er antwortete: „Er kann sich daran erinnern, wie er getötet wurde.“
Er machte eine kurz Pause und sah die Männer dabei an. „Der ganze Hass, welchen die Dorfbewohner ihm entgegen gebracht hatten. Die Angst, welche er über die Jahre durch ihre Behandlung hatte. Aller Schmerz, den er bei ihren Angriffen zu spüren bekam. Es scheint so, als wenn alles auf einmal zurückgekehrt wäre. Die Erinnerungen daran haben ihn komplett überrollt.“ Darauf legte Kurama seinen Kopf auf die Schulter des Jungen und kuschelte sich an diesen. Er musste jetzt dringend einen Moment darüber nachdenken.
Kin hatte eindeutig Angst und sein Vertrauen zu Kakashi und Asuma schien ebenfalls nicht mehr vorhanden zu sein. Er hatte deutlichen Schrecken und auch Furcht in Kins Augen sehen können, als dieser Kakashis Umarmung abgewehrt hatte. Auch wusste Kurama nicht, in wie fern die Erinnerungen an Naruto jene überlagerten, welche sein Sohn in der Zeit als Kin gesammelt hatte.
Dieses Problem musste dringend gelöst werden.
Er musste Kins Vertrauen zu Kakashi wieder stärken.
Aber wie?

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