[KH-alt] Kapitel 13 – Flashback

Drei Tage waren vergangen. Drei Tage in denen Kin komplett durchgeschlafen hatte. Träume plagten den Jungdämonen. Er träumte von seinem Blutrausch. Von den verängstigen Gesichtern der Männer, die er getötet hatte. Doch was ihm am Meisten zusetzte war, dass er auch seine eigenen Väter angegriffen hatte. Er sah sich auf Kakashi zuhalten und wie er dann den Fuchs verletzte, weil dieser die anderen beiden Männer beschützt hatte.

Ein Traum war anders als die anderen.
Es war der letzte, bevor der Junge aufwachte:
Ein Geräusch drang in sein unterbewusst sein. Ein nerviger Ton. Extrem laut, extrem penetrant und: Es klang irgendwie wichtig! Komisch… Was war jetzt so wichtig, das er aus seinem Traumland aufwachen sollte? Ach Mist, der Wecker!
Müde griff er nach dem Objekt, dessen überlautes piepen mit jeder Sekunde schriller und nerviger wurde und schaltete es ab. Seine Augen öffnete er darauf ein klein wenig, um durch den so entstandenen winzigen Spalt nach der Uhrzeit zu spähen. Schon nach 8 Uhr, er war also wieder zu spät dran. Dabei hatte er versprochen diesen einen Tag mal pünktlich zu sein… Da kann man jetzt nichts mehr dran drehen. Am liebsten würde er jetzt weiter schlafen, doch er hatte jemanden ein Versprechen gegeben und wenn er etwas versprach, dann hielt er dies auch ein. Wenn er es schon nicht pünktlich schaffte, dann wollte er wenigst überhaupt erscheinen.
Gähnend erhob er sich und ging sich streckend ins Bad. Dabei durchwanderte er trotz geschlossener Augen zielstrebig sein Chaos ohne auf einen der vielen Gegenstände zu treten, welche im Zimmer verteilt auf dem Boden lagen. Nach einer kurzen kalten Dusche war er nun hellwach. Am liebsten würde er jetzt auf warmes Wasser umschalten, doch dies ging zuhause nicht. Schnell wusch er sich und putzte noch unter der Dusche die Zähne. Anschließend verließ er das Bad ohne sich die Mühe zu machen sich abzutrocknen. Handtücher hatte er wieder einmal keine sauberen.
Zurück in seinem Wohn- und Schlafraum durchwühlte er seine Haufen mit der sauberen Kleidung und suchte sich alles raus, was er benötigte. Neben diesem war noch ein zweiter Haufen, dort lagerte seine Dreckwäsche. Warum er seine saubere Wäsche auf dem Boden liegen hat? Sicher nicht, weil er unordentlich war. Er hatte ganz einfach keinen Schrank, wo er seine Kleidung unterbringen konnte. In seinem Zimmer befand sich nur sein Bett – Was nicht mal ein Bett war, sondern eine alte aussortierte Matratze aus der schon einige Feder hervor schauten! – dann hatte er noch 2 alte Decken und ein Kissen darauf liegen und in einer Ecke standen zwei Körbe. Einer davon war mit Toast, Nutella und vielen Packen Instant-Ramen befüllt. Im anderen befand sich ein offener Müllbeutel – der darin stand, damit er nicht umfiel – und einiges an Haushaltszeug.
Tisch und Stühle? Nicht vorhanden…
Schränke? Fehlanzeige…
Eine Küche? Nope…
Einziges Küchengerät: Ein Wasserkochen für die Instant-Ramen.
Einzige Dekoration: Ein Kalender an der Wand.
Auf diesen warf er einen Blick, nachdem er sich fertig angezogen hatte. Einige Tage waren bereits durchgestrichen. Der nächste Tag – der heutige – auf dem Kalenderblatt, war mit einem roten Stift dick eingereist worden. Es war der 10. Oktober und in der Kalendernotiz zu diesem Tag war >>12. Geburtstag<< eingetragen. Ein Grund, weshalb er sich freuen sollte. Er konnte sich jedoch nicht freuen. Er hasst seinen Geburtstag.
Kurz überlegte er, ob er sich nicht doch lieber zurück ins Bett legen sollte, doch das wollte er seinem Sensei nicht antun. Sensei Iruka, sein Lehrer in der Akademie. Der Einzige, der sich für ihn interessierte. Sein einziger Freund. Nun, dies stimmte nicht ganz.  Da gab es noch jemanden. Jemand, der ihn heimlich beschützte. Gesehen hatte er diese Person bisher nicht, aber er wusste das da jemand war. Sensei Iruka hatte ihm dies erzählt.
Sensei Iruka…
Vielleicht lud ihn sein Sensei wieder zu Ichirakus ein. Er hoffte es. Dies war der einzige Lichtblick für diesen verhassten Tag. Seufzend ging er zur Tür und zog sich seine Sandalen an, um sich anschließend auf den Weg zur Akademie zu machen.

Sein Weg verlief ungestört, bis er wenige Straßen entfernt von der Akademie unerwartet an eine Mauer gedrückt wurde und keine Sekunde später eine Faust seinen Magen begrüßte. Vor Schmerz hatte er die Augen zusammengekniffen. Schwer atmend hörte er mehrere kichernde Stimmen und öffnete zögernd die Augen um seinen Peinigern ins Gesicht zu sehen. Er kannte die Jungs aus der Akademie. Sie hatten ihre Prüfungen vor wenigen Wochen erst Bestanden und waren nun Genin.
Sie sagten kein Wort. Das war auch nicht nötig. Ihr fieses abfälliges Grinsen sagte deutlich genug, was sie von ihm hielten. Zwei hielten ihn fest, während der dritte einige Male mit der Faust auf ihn einschlug. Dabei zielte der Junge immer auf den Oberkörper. Mit halb offenen Augen er kannte er, wie sich die Faust ein weiteres Mal ihm näherte, diesmal jedoch seinem Gesicht. Bevor sie treffen konnte, wurde sie jedoch abgefangen.
Ein Mann in einem seltsamen grünen Kampfanzug stand neben dem Genin und warf diesem einen bösen Blick zu. Hinter dem Mann stand ein Junger Genin in dem gleichen Outfit, sowie zwei weitere Genin, die offenbar zu seinem Team gehörten.
„Verschwindet.“, meinte der Erwachsene in einem ruhigen und bestimmenden Ton und das Trio, welches ihn zuvor verprügelt hatte, verschwand.
„Geht es dir gut?“, wurde er darauf von seinem Retter gefragt.
Das war ja mal was ganz neues. Einem Fremden interessierte es, wie es ihm den ginge! Er hatte noch immer Schmerzen, doch diese verdrängte er, wie immer. Nur Iruka vertraute er soweit, das er ihm davon erzählen würde.
„Ist doch egal, wie es mir geht. Das interessiert hier doch eh niemanden.“, antwortete er und ein äußerst genervter Ton schwang in seiner Stimme mit. Seinen Retter schauten dabei nicht an. Sein Blick war auf den Boden gerichtet und er wandte sich schon zum gehen. „Danke für die Hilfe.“, meinte er traurig, bevor er seinen Weg fortsetzte und verschwand.
Was der Mann und seine Genin jetzt dachte, war ihm egal. Er wollte einfach nur weg. Eine kleines Stück weiter kreuzte sich eine weitere Weg mit dem seinen und er blieb kurz stehen. Vorsichtig warf er einen Blick zurück. Es war das erste Mal gewesen, das sich jemand außer Iruka für ihn eingesetzt hatte. Traurig stellte er fest, das sein Retter und dessen Genin nicht mehr da waren.
Seufzend wandte er seinen Blick wieder seinem Weg zu – und bekam direkt eine Faust ins Gesicht. Von der Wucht des Aufpralls wurde er einige Meter in die Seitenstraße geschleudert. Jemand griff nach ihm und zerrte ihn einige Meter weiter auf einen kleinen Hinterhof. Dort warf man ihn unsanft auf den harten steinernen Untergrund. Es war ihm nicht groß möglich darauf zu reagieren, den es dauerte keine zwei Sekunden, da begrüßten ihn auch schon die ersten Tritte.
Warum hatte er sich überhaupt die Mühe gemacht aufzustehen? Er hätte wirklich liegen bleiben sollen. Jedes Jahr der gleiche Mist. Er hätte sich auch denken können, das wieder einige nur auf ihn warten, um ihn zu verprügeln. Warum nur? Was hatte er ihnen überhaupt getan? Was hatte er verbrochen, um so behandelt zu werden?
Er wehrte sich nicht, blieb einfach stumm und regungslos. Irgendwann würden sie schon aufhören, wie immer. Nach einigen Minuten ließen seine Peiniger von ihm ab und verließen den Hinterhof. Sie lachen und amüsierten sich lauthals darüber, das sie – mal wieder! – den Fuchsbengel verprügelt hatten. Es waren Erwachsene gewesen. Nachdem das Gelächter verklungen war, versuchte er aufzustehen. Vorsichtig erhob er sich. Seine Schmerzen waren jetzt bereits furchtbar, wie sollte er den restlichen Tag nur überstehen? In Gedanken wankte er zwischen zurück nach Haus und doch noch zur Schule, bis er erneut unterbrochen wurde.
Offenbar waren nicht alle verschwunden.
Da war noch mindestens einer.
Schnell sprang er auf – seinen Schmerz unterdrückte er so gut wie möglich – und wankte einige Schritte zurück, wo er mit dem Rücken gegen eine Mauer prallte. Er hatte etwas Blut im Mund, welches er vor sich auf den Boden spuckte. Ein Shuriken kam ihm entgegen geflogen und fügte ihm einen Kratzer am Arm zu. Leicht geschockt verließ er im Eiltempo den Hinterhof und lief Richtung Wald. Das er verfolgt wurde war eindeutig an den Shuriken zu erkennen, welche immer wieder sehr nahe an ihm vorbei flogen. Ihn wunderte es, das er bisher nicht noch ein weiteres Mal getroffen worden war.
Der Wald war schnell erreicht. Panisch rannte er an den Bäumen vorbei und versuchte seinen Verfolger abzuschütteln. Einige hundert Meter war er bereits in den Wald hinein gelaufen, als er von etwas umgestoßen wurde und ihm kurzzeitig schwarz vor Augen wurde.
Er spürte, wie jemand ihn packte. Wie ihm sein Shirt vom Körper gerissen wurde. Den harten Waldboden, auf welchem er kniete. Den Baum in seinem Rücken. Das Seil an seinen Handgelenken, welches seine Arme unsanft nach hinten zwang. Kalten Stahl auf seiner Haut, welcher eine schmerzende und feuchtwarme Spur auf seiner Brust hinterließ.
Vor Schmerzen stöhnen riss er seinen Kopf nach hinten, bis in den Nacken und atmete einige Male durch. Ein boshaftes Kichern konnte er vernehmen. Die Person schien vor ihm zu sein und so öffnete er die Augen, um seinem Peiniger anzusehen. Er sah schulterlange weiße Haare und dunkle Augen. Die Person kannte er aus der Akademie. Der Mann war ein Sensei.
Sensei Mizuki…
„Warum?“, fragte er mit schockiertem Blick. Warum tat Sensei Mizuki dies? Warum fügte sein Sensei ihm schmerzen zu? Warum war der Blick des Mannes plötzlich so hasserfüllt? Warum wurde er von allen gehasst? Ob seine Eltern ihn auch gehasst haben? Lebte er deswegen allein? Haben sie ihn so gehasst, das sie ihn allein gelassen haben?
„Weil ich dich hasse!“, war die Antwort des Senseis. Doch das hatte er schon gewusst. Wie sollte es auch anders sein? Immerhin hasste ihn wirklich jeder im Dorf. Na ja, jeder bis auf Iruka, seinen geheimen Beschützer und den Sandaime Hokage. Für alle anderen war er nichts weiter als ein Stück Dreck, das es nicht wert ist zu leben.
Tränen stiegen ihm in die Augen, doch er wollte nicht weinen. Diese Blöße wollte er sich nicht geben. Nicht vor einem seiner Peiniger, egal wer es war. Mühsam verkniff er sich die Tränen und vertrieb das traurige Gefühl aus seinem Körper indem er es mit Hass und Wut ersetzte.
Mizuki hatte seinen Spaß daran gehabt ihn zu quälen. Er wusste nicht, wie lange er diese Tortur schon ertrug, doch es kam ihm wie Stunden vor. Schließlich ließ der Mann von ihm ab.
„Ich muss zurück zur Akademie, sonst wird mein Fehlen zu auffällig. Du bleibst hier, ich setzte mein Spiel nachher fort.“, kam darauf von Mizuki und eher dieser sich auf den Weg zurück ins Dorf machte, bekam er noch einen Tritt von ihm. Ein Tritt auf die Brust, wodurch man ein lautes Knacken von Knochen vernehmen konnte.
Ihm blieb die Luft weg. Sein ganzer Oberkörper schmerzte und sein inneres schien sich zusammen ziehen zu wollen. Er wusste, das mindestens eine Rippe gebrochen war. Er fühlte, den Schmerz auf seiner Brust. In seiner Brust. An vielen anderen Stellen auf seinem Körper.
Langsam wurde ihm schwarz vor Augen. Dieses Gefühl der ausbreitenden Dunkelheit. Er möchte es nicht und doch begrüßte er es dieses Mal.
Er konnte nicht mehr.
Er wollte nicht mehr.
Es war zu viel.

Schreiend wachte Kin auf. Tränen liefen ihn über die Wangen. Noch immer hatte er das Gesicht seines ehemaligen Senseis vor Augen. Er konnte die Schmerzen fühle, die er ihm zugefügt hatte. Mehr und mehr Erinnerungen von Naruto liefen vor seinem inneren Auge ab.
Ein Arm legte sich um den Jungen und wollte ihn trösten, doch Kin entzog sich weiteren Berührungen und schubste den Mann einfach weg. Hastig wich er von dem Mann und kauerte sich in die freie Ecke des Raumes. Er zitterte und war verwirrt von den vielen grausamen Erinnerungen, welche die neuen und angenehmen Erinnerungen der letzten Wochen fast vollständig zu überlagern schienen. Es waren zu viele, als dass er sie hätte ignorieren können.
Zuviel Hass.
Zuviel Schmerz.
Zuviel Angst.
Fragen schwirrten ihm durch den Kopf, doch er war zu gelähmt vom Schock um diese auszusprechen. Hatte sein Vater… Nein! Hatte Kakashi ihn auch gehasst? Hatte er ihn auch verletzt? Und Asuma? War er ebenfalls dabei gewesen? Er hatte angst vor den Männern.
Ein kleiner Fuchs tauchte in seinem Augenwinkel auf. Er wusste wer das war. Der Kyuubi. Vor dem Dämon hatte er keine Angst, warum auch immer. Das Tier machte nicht den Eindruck, als müsste er sich vor ihm fürchten.
Vorsichtig kam der Fuchs näher, da er nicht wusste, wie Kin auf ihn reagieren würde. Er war daher positiv überrascht, als sich Kins Hand auf seinen Kopf legte und der Junge den Fuchs darauf an sich zog. Kurama ließ es geschehen. Er wusste, das sein kleiner Sohn jetzt seine Nähe brauchte. Beruhigend redete er auf den Jungen ein und hoffte, das sich der kleine wieder beruhigt.

Noch gingen sie davon aus, das Kins Verhalten mit der Tötung der Banditen zusammenhing. Von den zurückgekehrten Erinnerungen wussten sie nichts.

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