[KH-alt] Kapitel 12 – Die letzten 3 Tage

Der Morgen war noch sehr jung. Bis auf einen leichten rosafarbenen Hauch am östlichen Horizont, war noch kein Anzeichen des nahenden Tagesanbruches zu erkennen. Trotzdem war Asuma bereits wach. Er konnte einfach nicht mehr schlafen. Zu sehr beschäftigte ihn das, was er vor drei Tagen gesehen hatte. Das, was geschehen war.

Kakashis Verletzung, welche dessen Sohn derart geschockt hat, das dem Jungdämonen sämtliche Sicherungen durchgebrannt waren. Kins darauf folgender Blutrausch, durch welchen der kleinen Jungen neun Menschen auf grausame Art getötet hatte. Diese extrem mächtige bösartige Aura, welche Kin in diesem Moment abstrahlte und die Furcht, welche er und auch Kakashi dadurch verspürt hatten.
Am schlimmsten war für Asuma die Panik gewesen. Er hatte schon viel erlebt als Ninja und es war auch schon einige Male vorgekommen, das er bei seinen Missionen ein ungutes Gefühl bekommen hatte, welches diesem grauenhaftem Gefühl bei Kins Blutrausch sehr ähnelte. Doch die Stärke und das Ausmaß waren ein Unterschied wie Tag und Nacht. Nie im Leben hätte er gedacht, das ein derart hohes Maß an Furcht überhaupt möglich sei. Alles in ihm hatte danach geschrien, die Flucht zu ergreifen, doch dieses Gefühl war so übermächtig gewesen, das nicht einmal mehr dies möglich gewesen war. Er war wie gelähmt. Komplett unfähig sich zu bewegen. Allein der Gedanke daran reichte schon aus, um ihm eine erneute Gänsehaut zu verschaffen.
Hastig schüttelte er den Kopf und versuchte die Gedanken und diesen unangenehm kalten Schauer zu verdrängen. Es war noch immer recht früh, dennoch beschloss Asuma sein Bett zu verlassen. Er braucht Beschäftigung. Etwas, das ihn ablenkte. Zunächst begab er sich ins Bad und nahm eine heiße Dusche, um die Kälte aus seinen Gliedern zu vertreiben. Die herrlich warmen Wassertropfen prasselten auf sein Gesicht hinab, verteilten sich auf der Haut und flossen langsam seinen Körper hinunter. Es dauerte nicht lang und ihm war wieder warm. Seufzend lehnte er sich an die Wand und genoss das warme Nass, welches Körper und Geist entspannte.
Seine Gedanke schweiften erneut ab, als er sich fragte, was nach Kins Blutrausch passiert war. Bei Kin hatten sich Flügel gezeigt. Wunderschöne weiße Flügel mit einem silbernen Schimmer. Kurama hatte ihnen erzählt, dass der Kleine zur Dämonengattung der Engel zählte. Das Engel auch Dämonen sind kam für die Männer etwas überraschend. Er wusste noch das Kurama verletzt war und er die Wunde versorgt hatte. Kin war weinen in Kakashis Arm eingeschlafen und seine Flügel waren kurz darauf wieder verschwunden. Mit ihnen auch die lederne Rüstung, welche Kin während seines Blutrausches getragen hatte. Darauf sind sie weitergezogen und hatten sich in der erstbesten Herberge niedergelassen, damit sich Kakashi und Kurama ausruhen konnte.
Bis zur Herberge waren Asumas Erinnerungen klar. Auch konnte er sich daran erinnern, wie er Kakashi und Kin in deren Zimmer gebracht hatte und das kleine Gespräch mit Kurama und Kakashi im Anschluss. Er wusste noch, wie er schließlich in sein Zimmer ging und sich auf sein Bett gelegt hatte. Ob er auch geschlafen hatte, konnte er jedoch nicht sage und auch was danach war, schien sich im Nebel zu verlieren. Es war jetzt bereits der dritte Morgen in der Herberge und Asuma konnte sich kaum entsinnen, was er in den letzten Tagen alles gemacht hatte.
Es gab nur zwei Dinge, welcher er ganz sicher wusste. Erstens: Kin hatte bisher ununterbrochen geschlafen, dabei schlecht geträumt und viel im Schlaf geweint. Und Zweitens: Er hat bisher nicht wieder geraucht. Nicht eine Zigarette hatte er sich seid Kins Blutrausch angezündet. Er war Kettenraucher und das schon seid Jahren. Er konnte einfach nicht mehr ohne. Und jetzt? Er verspürte nicht einmal das geringste Bedürfnis nach einer Zigarette!
>>Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal länger als einen Tag ohne Zigarette auskomme. Fehlt nur noch, dass ich zum Vegetarier werde und ‚Hallo gesundes Leben‘! Nun hat Kins Blutrausch zumindest einen positiven Nebeneffekt hervorgebracht, wenn auch nur in meinem Fall. Kurenai hält mir eh ständig vor Augen, wie ungesund ich doch lebe.<<, seufzend beendete er seine Gedankengänge und seine heiße Dusche.
Der Gastraum der Herberge war kaum besetzt, als Asuma diesen eine halbe Stunde später betrat, um für Kakashi und sich selbst Frühstück aufs Zimmer zu holen. Dies war normal nicht gern gesehen, doch hatte man es den Ninja gestattet, damit sich die Familie ausreichend von Schock und Verletzung erholen konnte.
Die Angestellten der Herberge wussten weitgehendst die Wahrheit über den Angriff der Banditen und den Kampf. Nur hatten sie ausgelassen, das Kin ebenfalls am Kampf beteiligt gewesen war. Auch das der Junge es war, welcher die neun Banditen getötet hatte, behielten sie für sich. Daher gingen die Herbergsbesitzer und ihre Angestellten davon aus, dass Kin einen Schock hatte, da er mitangesehen musste, wie sein Vater jemanden getötet hatte und dabei auch selbst verletzt wurde.
In seinen Gedanken vertieft, hatte der Jonin gar nicht bemerkt, das sein Tablett bereits fertig befüllt war und er auch schon den halben Weg zu Kakashis Zimmer zurück sich gebracht hatte. Für Kin und Kurama hatte der Mann ebenfalls etwas mitgenommen, auch wenn er sich bei Kin nicht sicher war, ob der Junge denn wieder erwacht war.
Äußerlich war Kakashi die Ruhe selbst und machte den Anschein, als würde er tief und fest schlafen. Innerlich jedoch brodelte ein Sturm, welcher ihn seid fast drei Tage nicht hatte schlafen lassen. Bis auf einige wenige Minuten, in welcher er mal kurzzeitig vor sich hin gedöst hatte, war ihm der erholsame Schlaf nicht gegönnt gewesen.
Sein schlafender Sohn war einer der Gründe, welche den Hatake am schlafen hinderten. Der andere Grund fand sich in ihm selbst, denn seine Gedanken wollten einfach keine Ruhe geben. Anders als Asuma, welcher sich viel in sein eigenes Zimmer zurück gezogen hatte und versuchte das erlebte allein zu verarbeiten, hatte Kakashi den Fuchs zum Reden – und sie redeten viel.
Es gab Momenten in den letzten Tage, da wollte Kakashi nicht an Kins Blutrausch denken. Dies hatte Kurama genutzt, um Kakashi mehr über die Engel zu erzählen, wodurch sie eine weitgehendst wahre Erklärung dafür finden konnten, warum Kin nun bei seinem Vater lebt, statt bei den anderen Engeln.
Und dann gab es noch die anderen Momente.
Jene, in denen Kakashi seine Gedanken nicht von dem Blutrausch abwenden konnte. Jene, in denen er Kin erneut vor sich sah. Jene, in denen er dieses grauenhafte Gefühl erneut spürten konnte. Diese unglaublich mächtige und negative Aura, welches den Zustand seines Jungen begleitet hatte und Kakashis Körper und Verstand erneut mit einem eiskalten Schauer belegte. Jene Momente, in denen ihm die Tränen kamen und er sich ganz weit weg wünschte.
Weg von diesem Problem.
Weg von den Dämonen.
Weg von diesem kleinen Jungen, welcher in dem zweiten Bett des Raumes lag und in fast regelmäßigen Abständen von unruhigen Träumen heimgesucht wurde.
Diese anderen Momente waren für Kakashi besonders schwer. Speziell, weil er sich von Kin weg wünschte. Dabei konnte der Junge gar nichts dafür. Er wollte seinen Jungen nicht allein lassen, dafür hatte er den Knirps in den letzten Wochen viel zu sehr lieb gewonnen. So sehr, dass er sich nie wieder von ihm trennen wollte. Auch war es nicht seine Art, vor einem Problem davon zu laufen. Kin war nun einmal anders, als andere Kinder. Damit musste sich Kakashi abfinden und er war froh, das in diesen Momenten Kurama für ihn da war.
Der Fuchs überließ es Kakashi, ob sie darüber redeten. Zu Anfang hatte er dem Mann einfach seinen Freiraum gelassen und allein mit seiner Anwesenheit gezeigt „Ich bin für dich da, wenn du reden willst.“ Das Tier hatte sich an ihn gekuschelt und allein mit seinem Fell und seiner Körperwärme eine beruhigende Wirkung auf Kakashi gehabt. Später hatten sie dann angefangen darüber zu reden und der Hatake musste feststellten, dass dieser uralte Fuchs trotz seines Einsiedlerlebens eine unglaubliche Lebenserfahrung hatte und in allen Lebenslagen einen hilfreichen und weisen Rat geben konnte.
Ein klopfen an der Tür beendete Kakashis Gedankengänge, denn Asuma betrat kurz darauf den Raum und stellte etwas auf dem kleinen Tisch ab, welcher unweit der Tür stand. Er machte noch immer einen schlafenden Eindruck und hatte sich weder gerührt, noch etwas gesagt, als sein Partner geklopft hatte.
Er konnte spüren, wie sich am Rand des Bettes die Matratze etwas absenkte. Der Sarutobi hatte sich offenbar zu ihm gesetzt. In der Annahme, das Kakashi schlief, redete dieser darauf leise mit dem Fuchs und der Hatake hörte den Beiden eine Weile halbherzig zu.

Schließlich kamen sie auf das Thema Engel zu sprechen und Kakashi widmete seine ganze Aufmerksamkeit nun doch dem Gespräch. Asuma wusste bisher noch nichts von den Überlegungen der beiden Väter.
„…Bevor ich es dir erkläre, versuch dir einmal Vorzustellen, du wüsstest nicht, das Kin mal Naruto war. Du bist auf dem Stand der Dorfbewohner und weißt nur, dass der kleine ist Kakashis Sohn und die Mutter ist unbekannt.“, hörte der Hatake den Fuchs sagen und musste sich dazu zwingen nicht zu Grinsen. Immerhin sollten die Zwei noch eine Weile denken, er würde schlafen.
Ein seufzen war von Asuma zu hören und Kakashi konnte eine Veränderung an der Matratze spüren. Offenbar hatte sich der Mann nach vorn gebeugt. „Das ist gar nicht so einfach, wenn man die Wahrheit kennt, aber gut. Kannst loslegen.“
Der Fuchs hatte sich bisher keinen Millimeter bewegt. Er lag noch immer in Kakashis Arm und beruhigte den Mann allein mit seiner Anwesenheit. Ein grummelndes Geräusch war von Kurama zu vernehmen und sollte wohl ein Räuspern darstellen. Kurz darauf begann er mit seiner Erklärung: „Also gut. Die Engel sind ein rein weibliches Völkchen. Es gab bisher keine männlichen Vertreter ihrer Art – zumindest bis Kin geboren wurde. Wir nehmen daher an, das es ihnen nicht so ganz geheuer war, dass nun ein kleiner Junge in ihr Volk hinein geboren wurde und daher haben sie ihn bei seinem Vater abgesetzt.“
„Gut…Aus der Sicht eines Unwissenden gesehen: Woher habt ihr die Informationen über die Engel, das ihr eine solche Annahme macht?“, wollte Asuma darauf vom Fuchs wissen und bekam auch prompt seine Antwort.
„Es gibt Himmelstiere. Jeder Engel hat einen Begleiter – und das ist nicht gelogen, das stimmt wirklich. Füchse sind auch darunter und ich bin nun einmal ein Himmelsfuchs und wurde Kin als Begleiter zugeteilt. Daher kenne ich mich mit Engeln aus. Nur wusste ich bisher nicht, dass der Junge ein Engel ist – männliche Engel gab es ja bisher nicht – und hatte mich daher gewundert, warum ich ihn begleiten soll. Jetzt wo sich bei Kin seine Engelsblut gezeigt hat, ist mir allerdings klar, warum ich sein Begleiter wurde.“ Der Kyuubi hatte wirklich ein Talent dafür Dinge zu erklären – und er konnte sich auch schnell an eine neue Situation oder Sichtweise anpassen.
„Du erzählst das so überzeugt, dass man gar nicht anders kann, als dir zu glauben.“ Dies fiel Kakashi nicht zum ersten Mal auf und er konnte Asuma nur zustimmen. Wenn der Fuchs darüber redete, klang dies wirklich überzeugend.
Nun hörte Kakashi, wie der Fuchs eine Frage stellte: „Aus der Sicht eines Menschen. Meinst du, wir kommen damit durch?“
Die Frage war auf jeden Fall berechtigt. Alle Überlegungen würden ihnen nichts bringen, wenn sie am Ende nicht von den Bewohnern geglaubt werden. Daher war er jetzt auch neugierig, was Asuma dazu sagen würde, doch dieser ließ mit seiner Antwort auf sich warten. Da Kakashi sich noch immer schlafend stellte, konnte er auch leider nicht sehen, was der Sarutobi gerade machte. Er nahm daher an, dass der Mann über die Frage und die neuen Informationen nachdachte.
„Keine Ahnung.“, gab Asuma schließlich zu und überlegte noch einen Moment, ehe er seine Gedanken dazu aussprach. „Die Kinder werden wir sicher schnell davon überzeugen. In dem jungen Alter sind sie noch sehr leichtgläubig. Bei den Erwachsenen wird es schon schwieriger, allerdings bezweifle ich, das es viele geben wird, welche unsere Geschichte hinterfragen.“
Darauf machte Asuma eine kleine Pause, bevor er noch etwas anderes ansprach, was ihm dazu eingefallen war: „Ein Problem sehe ich noch in der Tatsache, das Kin etwas besonderes ist und es sicher einige geben wird, die seine Macht für sich nutzen wollen.“
„Das ist uns klar.“, seufzte Kurama und Kakashi spürte an seinem Arm, wie der Fuchs den Kopf etwas schief legte. „Wenn das Dorf jedoch erst einmal darüber Bescheid weiß, werden sie sicher alle mithelfen wollen, um ihren kleinen Engel zu beschützen. Wir sollten dennoch nicht sofort mit der Tür ins Haus fallen und so lange wie möglich verbergen, dass Kin ein Engel ist.“
Und ein weiteres Mal musste Kakashi dem Fuchs in Gedanken zustimmen. Wenn dies so weiter ging, dann würde er dem Fuchs noch seinen den Posten als Alphamännchen abtreten. >>Wenn das so weiter geht, fange ich noch an wie ein Rudeltier zu denken. Obwohl! Alphamännchen? Ich denk schon jetzt wie ein Rudeltier…<< Ein genervtes seufzen war darauf von ihm zu hören und ein „Guten Morgen“ kam ihm von Asuma und Kurama entgegen. Nun konnte er sich nicht mehr schlafend stellen.
„Morgen.“, kam sein Gruß und klang absichtlich müde und schläfrig. Um dies noch zu unterstreichen, streckte er sich ausgiebig – soweit ihm dies mit seinem verletzten Arm möglich war – und setzte sich anschließend auf.
„Konntest du diese Nacht besser schlafen?“, hackte Asuma nach, nachdem der Hatake einen halbwegs wachen Eindruck machte, doch bevor Kakashi einen Antwort geben konnte, klinkte sich der Kyuubi ein: „Er hat gar nicht geschlafen. Er war die ganze Zeit wach.“
„Tz…Verräter!“ nuschelnd, begab sich Kakashi aus dem Bett und verschwand kurz im Bad.

Das darauf folgende gemeinsame Frühstück verlief überwiegend ruhig. Jeder hing dabei seinen eigenen Gedanken nach. Eine kleine Frage hatte Asuma jedoch noch: „Wie kommt es nun eigentlich, das du der Vater eines kleinen Engels bist? Dafür habt ihr euch doch sicher auch etwas überlegt.“
„Das kann Kurama besser erklären.“, blockte Kakashi ab und sah zu dem Fuchs, welcher noch immer auf dem Bett lag. Kyuubi konnte dies Wirklich besser erkläre. Davon mal abgesehen, das er selbst es schon wieder zum Großteil vergessen hatte.
„Es gibt ja nur weibliche Engel, aber sie brauche einen Mann, um Nachwuchs in die Welt zu setzten. Im Normalfall verbringen sie daher ihre Nächte mit einem männlichen Vertreter der anderen humanoiden Dämonenvölker.“, erklärte der Dämon setzte ein Grinsen auf, bevor er weiter sprach: „In unserem Fall suchen sie sich halt einen Menschen, den sie als würdig erachten. Dies wissen ihre Sexualpartner jedoch nicht und so gesehen kann jeder Mann schon von einem Engel besucht worden sein. Kakashi ist nur der einzige, der davon weiß, weil sein Sohn ein Engel ist.“
„Ihr kommt auf Ideen.“, kam darauf von Asuma und ein seufzen war von ihm zu hören.

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